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Sunday, November 1, 2026

"Die Ausschreitungen schaden dieser Bewegung enorm"

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Das Bildungssystem sei seit Jahrzehnten marode und es passiere nichts, sagt Jugendforscherin Nina Kolleck bei ZDFheute live. Das seien ganz reale Sorgen, die die Jugendlichen umtreiben.

01.11.2026 | 17:09 min

Zunächst war der Samstag noch geprägt von weitgehend friedlichem Protest der Initiative "GenZ regelt". Dann am Abend entlädt sich die Wut vieler junger Menschen in den Straßen von Frankfurt, Berlin und Köln. Bilder von Zerstörung, Plünderung und Gewalt gegen die Polizei gehen durchs Netz und die Nachrichtensendungen.

Jugendforscherin Nina Kolleck von der Universität Potsdam war am Brandenburger Tor und hat mit Teilnehmern der Proteste gesprochen. Das sagt sie bei ZDFheute live zu …

… den Motiven der Demonstranten

Die jungen Leute hätten ihr von ihrem großen Frust mit der aktuellen Politik berichtet, sagt Kolleck. "Sie haben auch gesagt, dass sie in Frankreich sehen, dass Gewalt das Einzige ist, was auf sie aufmerksam macht." Dass es hier gar nichts bringen würde, sich einfach nur friedlich vor dem Brandenburger Tor zu treffen, weil es niemanden interessieren würde.

Niemand verstehe, in welcher Not sie eigentlich seien, dass sie teils trotz mehrerer Jobs ihre Miete nicht zahlen könnten und nicht wüssten, wie sie ihre Zukunft gestalten könnten. Die Demonstranten fühlten sich von der älteren Generation abgewertet. Oft hörten sie, sie seien schlechter qualifiziert - auch wenn sie das Bildungssystem selbst als schlecht wahrnehmen.

Während die Proteste der Initiative "Gen Z regelt" am Nachmittag größtenteils friedlich abliefen, eskalierte die Lage am Abend unter anderem in Frankfurt und Köln. Es kam zu Plünderungen.

01.11.2026 | 0:24 min

… Dingen, die die Bundesregierung jetzt tun kann

Der erste Schritt sei, so Kolleck, den Jugendlichen einen Weg zu zeigen, wie sie aktiv integriert werden könnten - auch in politische Entscheidungsprozesse. "Und da wäre es wichtig, eben Jugendliche aus unterschiedlichen Feldern miteinzubeziehen. Eben nicht nur Jugendliche, denen es eh schon etwas besser geht und die schon viel Gehör bekommen, sondern hier in die Breite zu gehen."

Als Beispiel nennt die Jugendforscherin eigens für Jugendliche eingerichtete Bürgerräte, die schon gut ankämen, wo es sie gibt. Die Politik solle "Botschafter bei den Jugendlichen nutzen, die dann mit Politikern im Kontakt sind und dann aber auch als Botschafter für andere Jugendliche agieren". Durch solche Formate zeige man, dass es nicht nur um Gespräche gehe, sondern darum, zusammen an Entscheidungsprozessen zu arbeiten und sie mit zu berücksichtigen bei politischen Maßnahmen.

Bundesinnenminister Dobrindt verurteilt die Gewalt und kündigt Konsequenzen an.

01.11.2026 | 1:28 min

… Folgen der Krawalle für die Bewegung

"Die Ausschreitungen schaden dieser Bewegung enorm." Auch dass die Krawalle angekündigt wurden, schadet laut Kolleck der Bewegung. Und dass sich die Bundesschülerkonferenz explizit von der Organisation distanziert habe und nicht am Protest teilgenommen habe.

"All das schadet natürlich all diesen Anliegen. Weil es nämlich wegrutscht von den wahren Anliegen der jungen Menschen und plötzlich nur noch die Gewalttaten und auch die zerstrittene Organisationsstruktur in den Mittelpunkt rutscht." Um die "tatsächlich sehr wichtigen Anliegen" angehen zu können und jungen Menschen hier wieder ein besseres Leben zu ermöglichen, müsse man klar kommunizieren, dass derartige Gewaltausbrüche auf jeden Fall schaden.

Denn es wird explizit für Gewalt mobilisiert. Das habe ich auch mitbekommen. Es wird mobilisiert. Junge Menschen werden zu Gewalt aufgerufen.

Jugendforscherin Nina Kolleck

Und das mit der Argumentation, "nur wenn ihr zu Gewalt aufruft, dann werdet ihr auch gesehen und gehört". Hier mahnt die Jugendforscherin an, zu verhindern, dass noch mehr Jugendliche in die Gewaltspirale hineinrutschen. "Und die verhindern wir nicht, indem wir mit dem autoritären Hammer raufhauen. Damit provozieren wir eher noch mehr Gewalt."

Bei den Krawallen in Frankfurt wurden 54 Personen festgenommen. "Die Polizei geht davon aus, dass sie es mit 1.000 bis 1.500 Störern zu tun hatte", sagt der hessische Innenminister Poseck.

01.11.2026 | 0:27 min

… Punkten, die die Bewegung besser machen kann

Zunächst müsse sich die Organisation der neuen Veranstaltung wie auch die Bundesschülerkonferenz "ganz explizit von Gewalt distanzieren", rät Kolleck. Das sei bislang nicht eindeutig genug geschehen. Es brauche mehr Transparenz bei den Strukturen, um zu erkennen, wer wo mitmacht und wer die Situation ausnutzt. Auch könnten die Demonstrationen so organisiert werden, dass sie Gewalt weniger begünstigen, etwa durch bestimmte Uhrzeiten.

Die Forscherin spricht sich auch für ein langfristiges Engagement aus. Sie nennt hier etwa Albanien als Beispiel, "wo es eher eine langfristige Bewegung junger Menschen ist, die friedlich auf die Straße gehen, um auf ihre Lebenssituation aufmerksam zu machen". So etwas könne auch in Deutschland sehr gut gelingen, da es hier viel weniger junge Menschen gebe, die zu Gewalttaten bereit sind. Und jene Gruppierungen, die zu Krawallen aufrufen, sollten durch die Organisatoren der Proteste gemeldet werden. "Also null Toleranz bei Gewalt."

Über das Thema berichteten verschiedene Sendungen, etwa ZDFheute live am 01.11.2026 ab 12:50 Uhr.

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