Leere Tanks – Heizölpreis auf Höhenflug: Branche warnt vor Bestellansturm

Leere Tanks Heizölpreis auf Höhenflug: Branche warnt vor Bestellansturm
Viele Hausbesitzerinnen und -besitzer haben ihre Heizöltanks derzeit noch nicht aufgefüllt. Sie hoffen auf sinkende Preise, bevor die Heizsaison beginnt. Doch bislang ist die erhoffte Entspannung ausgeblieben.
14.09.2026, 05:45
Nach einer kurzen Verschnaufpause im Juni nähert sich der Heizölpreis wieder den Höchstständen an, die seit dem Beginn des Kriegs im Nahen Osten erreicht wurden.
Der amerikanische Angriff auf den Iran und die zeitweise Blockade der Strasse von Hormus haben den Markt zusätzlich belastet.
Aktuell kostet ein Liter Heizöl je nach Bestellmenge rund 1.60 Franken. Mitte Juni waren es noch etwa 1.10 Franken. Das entspricht einem Anstieg von rund 45 Prozent innerhalb von zwei Monaten.
«Trotz des näher rückenden Winters bleibt die Nachfrage verhalten», sagt Paolo Righetti, Präsident von Swissoil Ticino gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz RSI. «Der Markt steht seit praktisch sechs Monaten still.»
Dass dies so bleibt, glaubt er jedoch nicht. «Wir wissen, dass die Kundinnen und Kunden ihr Heizöl für den Winter bald bestellen müssen – unabhängig vom Preis.»
Genau das bereitet den Anbietern Sorgen. Viele Menschen haben bislang abgewartet und könnten nun gleichzeitig bestellen.
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«Es droht ein logistischer Sturm, der schwierig zu bewältigen sein wird», warnt Righetti. Kundinnen und Kunden müssten sich auf längere Wartezeiten einstellen oder rechtzeitig bestellen.
Kaufen oder weiter warten?
Viele Kundinnen und Kunden stellen derzeit dieselbe Frage: Lohnt es sich, noch auf tiefere Preise zu warten? «Wer mich anruft, dem sage ich, dass meine Kristallkugel leider kaputt ist», sagt Righetti.
Langfristig sei er überzeugt, dass die Preise wieder sinken werden, sobald sich die Lage im Nahen Osten beruhige. Der Zeitpunkt sei jedoch völlig offen. «Der Preis könnte durchaus noch weiter steigen. Der Markt reagiert derzeit extrem empfindlich auf geopolitische Entwicklungen.»
Die aktuelle Zurückhaltung könnte somit ausgerechnet zu einem Bestellansturm führen, der die Lieferfristen verlängert.
Schwierige Lage auch für die Lieferanten
Auch die Heizöllieferanten stehen unter Druck. Bestellt etwa eine Immobilienverwaltung 50'000 Liter Heizöl, sichern sich die Händler diese Menge unmittelbar bei ihren Lieferanten zum aktuellen Marktpreis. «Wir verkaufen, kaufen und liefern», sagt Righetti. Grössere Mengen auf Vorrat einzukaufen, wäre mit erheblichen Risiken verbunden.
Zusätzliche Probleme bei der Versorgung
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Erschwert wird die Lage durch weitere Faktoren. Wie das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL mitteilte, beeinträchtigt ein technischer Ausfall der Raffinerie in Cressier NE derzeit die Versorgung mit Erdölprodukten.
Hinzu kommen Einschränkungen beim Transport auf dem Rhein aufgrund tiefer Wasserstände.
Deshalb hat der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung die vorübergehende Freigabe von Pflichtlagern bewilligt. Zwischen dem 8. und 20. September dürfen bis zu 30'000 Kubikmeter Diesel und 30'000 Kubikmeter Benzin freigegeben werden.
Für Heizöl bestehen derzeit laut Bund allerdings keine Versorgungsprobleme.
Von Spekulation könne deshalb keine Rede sein. Sinkende Preise auf dem Weltmarkt kämen direkt den Kundinnen und Kunden zugute.
«So etwas haben wir noch nie erlebt»
Die Freigabe von Pflichtlagern hilft laut Righetti auch dabei, die Preise etwas zu stabilisieren. Gleichzeitig betont er die aussergewöhnliche Situation auf den Energiemärkten.
«Eine derart instabile Lage haben wir noch nie erlebt», sagt er. Allein zwischen Anfang und Ende August sei der Dieselpreis um rund 100 Dollar pro Tonne gestiegen. Dazwischen habe es Tagesbewegungen von 40 bis 50 Dollar gegeben – oft allein aufgrund neuer Nachrichten aus dem Nahen Osten.
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