25 Jahre 9/11 – Wie Überwachung Teil unseres Alltags wurde

«Die Freiheit wurde heute Morgen angegriffen – von einem gesichtslosen Feigling», sagte der damalige US-Präsident George W. Bush am 11. September 2001. Die USA machten sich auf die Suche nach diesen «gesichtslosen Feiglingen» – es folgte der sogenannte «War on Terror».
9/11 und der «War on Terror»
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Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 rief US-Präsident George W. Bush den weltweiten «Krieg gegen den Terror» aus. Die USA griffen zunächst Afghanistan an, wo Al-Kaida-Chef Osama bin Laden vermutet wurde.
15 der 19 Attentäter stammten aus Saudi-Arabien. Mehrere Mitglieder der Gruppe um Mohammed Atta hatten zuvor in Hamburg gelebt, einzelne waren den Sicherheitsbehörden bereits aufgefallen. Nach 9/11 stellte sich deshalb verstärkt die Frage, wie mögliche Täter erkannt werden können, bevor sie zuschlagen.
Zum «War on Terror» gehörten auch verschärfte Anti-Terror-Gesetze, eine ausgeweitete Überwachung und das Gefangenenlager Guantanamo. Auch spätere US-Regierungen führten Teile dieser Politik weiter.
«Eigentlich war die erste Antwort nach 9/11 zu sagen, wir haben einen Feind im Aussen und den müssen wir bekämpfen», sagt Ahmed Ajil, Assistenzprofessor für Kriminologie und Terrorismusbekämpfung an der Universität Luzern. Die USA reagierten militärisch, zunächst in Afghanistan, später auch im Irak.
Gleichzeitig veränderte 9/11 den Umgang mit möglichen Gefahren. Überwachung folge der Idee, «präventiv eingreifen zu können», sagt Ajil. Menschen, die möglicherweise eine Gefahr darstellen, sollen frühzeitig identifiziert werden. Nach 9/11 habe sich etabliert, extremistische Gruppierungen und potenziell radikalisierte Menschen stärker in den Blick zu nehmen.
Überwachen, bevor etwas passiert
«Radikal sein ist noch keine Straftat», betont Ajil. Trotzdem können solche Personen bereits erfasst und beobachtet werden: Sicherheitsbehörden schauen etwa, wo sie verkehren oder wie sie sich in sozialen Medien äussern. Damit setzt Überwachung dort an, wo noch gar keine Straftat passiert ist. Ajil spricht von einer Verschiebung «in den vorkriminellen Bereich, in den hyperpräventiven Bereich».
Doch genau diese präventive Überwachung schafft ein Spannungsfeld: Sie soll Sicherheit schaffen, greift aber gleichzeitig in persönliche Freiheiten ein. «Überwachung ist immer ein zweischneidiges Schwert», sagt Ajil. Man wolle Gefahren möglichst früh erkennen, zu viel Überwachung könne aber die Freiheiten und Grundrechte von Menschen beschneiden.
Radikal sein ist noch keine Straftat.
Viele Menschen seien bereit, für mehr Sicherheit einen Teil ihrer Freiheit aufzugeben. Eine Kamera im Zug etwa könne helfen, eine Straftat aufzuklären. Doch nicht alle sind von Überwachung gleich betroffen. «Wenn es dann materielle Konsequenzen hat für unser Leben, dann wird es ziemlich unangenehm.» Oft wüssten Menschen zudem gar nicht, wie sie überwacht werden und welche Folgen das haben könne.
Der zunehmend transparente Alltag
25 Jahre nach 9/11 reicht das Sammeln von Datenspuren weit über die Terrorismusbekämpfung hinaus. «Unser Alltag wurde in den letzten 20 Jahren eigentlich zu einem weitestgehend transparenten Alltag», sagt Francisco Klauser, Professor für politische Geografie an der Universität Neuenburg. Smartphones, Apps oder Suchmaschinen sorgen dafür, dass wir ständig Datenspuren hinterlassen.
Dabei gebe es nicht den einen «Big Brother». Klauser spricht vielmehr von vielen «Little Sisters»: Behörden sammeln Daten, aber auch Unternehmen, Apps oder Suchmaschinen. Wer welche Informationen besitzt und wofür sie verwendet werden, ist für Einzelne kaum zu überblicken.
Studie: Machen Kameras den öffentlichen Raum sicherer?
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Der Politgeograf Francisco Klauser hat untersucht, wie sich Videokameras im Genfer Pâquis-Quartier auf die Sicherheit auswirken. Dabei zeigte sich: Kameras können zunächst einen Effekt haben – dieser lässt mit der Zeit aber nach. «Die Kameras werden vergessen», sagt Klauser. Das gelte für die Bevölkerung ebenso wie für potenzielle Straftäter. Die Forschung zum Pâquis bestätigt, dass die Kameras im Alltag mit der Zeit an Bedeutung verlieren.
Ein paar Kameras in einem Quartier aufzustellen, mache dieses deshalb langfristig nicht automatisch sicherer. Nutzlos seien sie deswegen aber nicht. «Wenn ein Verbrechen passiert ist, kann man nachher zurückschauen», sagt Klauser. Die Bilder könnten helfen, nachzuvollziehen, was passiert sei.
Entscheidend sei zudem, wie die Kameras eingesetzt würden. Wenn jemand die Bilder tatsächlich beobachte und bei einem Vorfall reagieren könne, «dann können Sie natürlich die Polizeipatrouille dorthin schicken». Kameras könnten also Teil der Polizeiarbeit sein. Ihre blosse Präsenz schaffe aber nicht automatisch mehr Sicherheit.
«Bis heute gibt es kein offizielles Register, wo Sie als Bürgerin oder Bürger einsehen können, wer, wo, was überwacht», sagt Klauser. Dabei gehe es nicht nur um Privatsphäre, sondern auch um Macht: Daten könnten Menschen kategorisieren und mitbestimmen, wer Zugang zu Orten oder Dienstleistungen erhält.
25 Jahre nach 9/11 geht es deshalb nicht nur darum, wie viel Überwachung wir für unsere Sicherheit akzeptieren. Sondern auch darum, wer uns überwacht – und mit welchen Folgen.
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