Spielerisches Fahrgefühl: Alpine A390 GT - leichtfüßig trotz zwei Tonnen Leergewicht

Spielerisches FahrgefühlAlpine A390 GT - leichtfüßig trotz zwei Tonnen Leergewicht
06.10.2026, 17:40 Uhr
Der französische Elektro-Crossover geht einen eigenen Weg und setzt bewusst auf spürbare Karosseriebewegungen. Drei E-Motoren liefern 400 PS und lenken die Alpine A390 GT proaktiv in die Kurve. Beim Laden allerdings zeigt sie deutliche Schwächen.
Einen elektrischen Sportwagen mit 2,1 Tonnen Leergewicht als leichtfüßig zu bezeichnen, klingt zunächst nach einem Widerspruch. Bei der Alpine A390 GT passt es trotzdem. Der ab 67.500 Euro erhältliche Coupé-Crossover geht dabei einen ganz anderen Weg als zum Beispiel deutsche Wettbewerber.
Anders als die Vertreter einer bretthart-sportlichen Philosophie versucht Alpine gar nicht, jede Karosseriebewegung konsequent wegzuregeln. Die A390 darf sich beim Bremsen, Einlenken und Beschleunigen stattdessen spürbar bewegen. Das erinnert zumindest in der Philosophie an die kleine A110, deren Leichtfüßigkeit stark vom kontrollierten Spiel mit der Gewichtsverlagerung lebt.
Technisch ungewöhnlich konventionell
Technisch geht die Sportautomarke des Renault-Konzerns dabei ungewöhnlich konventionell vor. Luftfederung, adaptive Dämpfer, aktive Wankstabilisierung oder Hinterachslenkung gibt es nicht, stattdessen arbeitet die A390 mit passiven Dämpfern und vergleichsweise großen Federwegen. Als Gegenpart gibt es hydraulische Anschlagpuffer, die starke Einfederbewegungen progressiv abfangen und verhindern, dass harte Schläge ungefiltert durchkommen.
Eine vergleichsweise günstige und vor allem gewichtsreduzierte Lösung. Das Resultat: Wo viele Sportwagen bei niedrigem Tempo über Querfugen und Schlaglöcher stolpern, federt die Alpine verblüffend geschmeidig darüber hinweg. Mit wachsendem Tempo wirkt die Abstimmung zunehmend straffer und kontrollierter.
"Alpine Active Torque Vectoring" - technisches Glanzstück
Zweites technisches Glanzstück der A390 ist das "Alpine Active Torque Vectoring". Drei jeweils 98 kW/133 PS starke E-Motoren treiben die vier Räder an: einer vorn, zwei hinten. An der Hinterachse besitzt also jedes Rad einen eigenen Antrieb samt Leistungselektronik und Übersetzung. Ein klassisches Differential ist deshalb nicht nötig. Das Auto kann beide Hinterräder unabhängig voneinander antreiben und ihre Leistung innerhalb von Millisekunden verändern.
In der Kurve bekommt das äußere Hinterrad zusätzliches Drehmoment, wodurch sich die Alpine geradezu proaktiv einlenkt. Die A390 fühlt sich dadurch handlicher an, als es ihre 4,62 Meter Länge und gut zwei Tonnen Gewicht erwarten lassen. Dabei wirkt die Elektronik nicht künstlich oder bevormundend. Lenkung, Fahrwerk und Kraftverteilung greifen so selbstverständlich ineinander, dass man sich nach kurzer Eingewöhnung kaum noch Gedanken über die dahinterstehende Technik macht.
Das Auto fährt einfach sehr flüssig durch Kurven - nicht bretthart und wie auf den sprichwörtlichen Schienen, sondern beweglich und spielerisch. Die Franzosen haben es damit geschafft, ihrem Auto einen eigenständigen Charakter zu verschaffen, der es klar von der Konkurrenz abhebt.
Reichlich Leistung
An Leistung mangelt es ebenfalls nicht. Die drei Motoren liefern gemeinsam 295 kW/400 PS, Tempo 100 ist nach 4,8 Sekunden erreicht, maximal sind 200 km/h möglich. Die A390 baut ihre Geschwindigkeit beinahe beiläufig auf, ohne mit brachialem Kraftaufwand Eindruck schinden zu müssen.
Zu einem sportlichen Reiseauto in GT-Tradition gehört allerdings mehr als schnelles Kurvenfahren. Und bei den Langstreckenqualitäten ist durchaus noch Luft nach oben: Vorn sitzt man bequem und gut integriert, auch längere Strecken lassen sich problemlos absolvieren. Hinten geht es allerdings für ein Auto dieser Länge recht eng zu. Der Kofferraum macht es auf dem Papier besser: 532 Liter bei voller Bestuhlung und bis zu 1.643 Liter bei umgelegten Lehnen sind ordentlich. Die hohe Ladekante und der stufige Ladeboden relativieren den guten Normwert im Alltag allerdings etwas.
Wenig überzeugend ist auch die Übersicht. Die mächtigen A-Säulen erzeugen vor allem in engeren Kurven und an Kreuzungen störende tote Winkel. Auch der Einstieg könnte eleganter sein: Der breite Schweller zwingt die Insassen zu einem relativ großen Schritt ins Auto.
Beim Energieverbrauch zahlt die A390 für ihre sportliche Auslegung. Selbst mit zurückgenommener Fahrweise ließ sich der Testwagen kaum unter 20 kWh pro 100 Kilometer bewegen. Viel mehr als rund 400 Kilometer sind daher auch mit dem 89-kWh-Akku im Alltag nicht drin - die rund 550 Kilometer aus den Werksangaben wirken nicht realistisch.
Mäßige Ladeperformance
Wichtiger ist für einen Gran Turismo allerdings die Ladeleistung, die ebenfalls aber nur bedingt überzeugen kann. Kurz nach Beginn des Schnellladens erreicht der GT zwar rund 150 kW, anschließend fällt die Leistung jedoch kontinuierlich ab. Über den gesamten Standard-Ladevorgang von 20 bis 80 Prozent lag sie durchschnittlich im Bereich von 115 kW. Das ist für ein aktuelles Elektroauto dieser Preis- und Leistungsklasse kaum mehr Mittelmaß. Gerade bei einem Modell mit GT-Anspruch wiegt diese Schwäche schwerer als bei einem Stadt- oder Zweitwagen.
Preislich startet der Crossover von Alpine bei 67.500 Euro. Ein hoher Betrag, der aber durchaus einem beträchtlichen Gegenwert an Fahrgefühl, Fahrleistungen und Reisekomfort gegenübersteht. Und das in Verbindung mit einem zumindest grundsätzlich familientauglichen Karosseriezuschnitt.
Alpine A390 GT - technische Daten
Fünftüriger, fünfsitziger Elektro-Fastback der Mittelklasse
Länge: 4,62 Meter, Breite: 1,89 Meter, Höhe: 1,53 Meter, Radstand: 2,71 Meter; Kofferraumvolumen: 532-1.643 Liter
Drei Elektromotoren, Allradantrieb, Leistung: 295 kW/400 PS, maximales Drehmoment: 661 Nm; 0-100 km/h: 4,8 s, Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h; Akku: 89 kWh; WLTP-Verbrauch je nach Ausstattung rund 19 bis 20 kWh/100 km; Testverbrauch 22 kWh/100 km, WLTP-Reichweite bis rund 550 Kilometer; Ladeleistung: bis 150 kW DC, 11 kW AC, optional 22 kW AC
Preis: ab 67.500 Euro
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