China plant Exportkontrollen: Pekings Handelsfallen

Das Ziel von Präsident Xi Jinping ist es, China möglichst autark und den Rest der Welt möglichst abhängig zu machen. Die geplanten Exportkontrollen sind Teil davon.
Foto: XinHua/dpa
Z wischen dem, was die chinesische Staatsführung sagt und was sie tatsächlich tut, liegen oftmals Welten. Besonders frappierend sind die Gegensätze, wenn es um die nationale Sicherheit geht. So betont der Parteivorsitzende Xi Jinping gegenüber einem internationalen Publikum mantraartig, dass China für Offenheit und technologische Zusammenarbeit steht. Doch gleichzeitig verschärft der 73-Jährige nun erneut Exportkontrollen auf weitere 40 Schlüsseltechnologien.
In Europa sollte diese Doppelzüngigkeit aufhorchen lassen. Peking hat seit Jahrzehnten westliche Unternehmen zum Technologietransfer gedrängt und schottet sich nun, da es selbst in manchen Bereichen mit Innovation voraus ist, systematisch ab. Gleiches Spiel beim sogenannten De-Risking: Peking prangert die EU dafür an, dass es seine Abhängigkeiten gegenüber China reduzieren möchte – wohl wissend, dass die chinesische Parteiführung dasselbe umgekehrt als allererste Weltmacht bis zum Exzess verfolgt.
Es ist kein Geheimnis, dass man im Regierungsviertel Zhongnanhai Lieferketten und Industriefertigkeit vor allem als politisches Machtinstrument betrachtet. Die Strategie, die Xi Jinping bereits seit vielen Jahren verfolgt, zielt darauf ab, die eigene Volkswirtschaft möglichst autark zu gestalten und den Rest der Welt möglichst abhängig von chinesischen Produkten zu machen.
Wann immer es zu politischen Spannungen kommt oder sich ein Handelskrieg abzeichnet, setzt Peking seine Trümpfe taktisch gezielt als Verhandlungsmasse ein. Das prominenteste Beispiel sind wohl Seltene Erden, bei deren Verarbeitung China unverändert de facto ein Monopol hält. Doch auch bei grünen Technologien hat die chinesische Führung die Zusammenarbeit immer wieder an Bedingungen verknüpft.
In Brüssel und Berlin sollte man sich dieser Vorgehensweise sehr klar sein: China möchte insbesondere westliche Staaten zu Bittstellern degradieren, die nur dann auf Augenhöhe kooperieren dürfen, wenn sie die Vorgaben Pekings erfüllen.
Fabian Kretschmer Korrespondent in Südkorea
Seit 2024 Korrespondent für die koreanische Halbinsel und China mit Sitz in Seoul. Berichtete zuvor fünf Jahre lang von Peking aus. Seit 2014 als freier Journalist in Ostasien tätig. 2015 folgte die erste Buchveröffentlichung "So etwas wie Glück" (erschienen im Rowohlt Verlag), das die Fluchtgeschichte der Nordkoreanerin Choi Yeong Ok nacherzählt. Betreibt nebenbei den Podcast "Beijing Briefing". Geboren in Berlin, Studium in Wien, Shanghai und Seoul.
Handelskonflikt Gegen China will die EU schneller schießen können
Um unfaire Handelspraktiken Pekings zu stoppen, soll die EU künftig ein Land vom Binnenmarkt ausschließen dürfen. Fachleute sprechen von „Nuklearoption“.
Von Eric Bonse
Reaktionen auf die neuen US-Zölle China im Kampfmodus
Trump droht China mit weiteren 50 Prozent Zöllen. Die chinesische Regierung gibt sich siegessicher, doch Ökonomen warnen, dass die Lage ernst ist.
Von Fabian Kretschmer
Nationaler Volkskongress in China Peking macht die Milliarden locker
Chinas Parteiführung begegnet Trumps Handelskrieg mit einem ambitionierten Wirtschaftsprogramm. Die Märkte reagieren positiv.
Von Fabian Kretschmer
taz FUTURZWEI im Abo entdecken Endlich mal ein Magazin für Zukunft
taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht).
- Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten
- Nur 38 Euro im Jahr
- Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“
- Herausgegeben von Harald Welzer
Jetzt abonnieren
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.