Zehntausende Flüchtlingszelte überflutet – jetzt drohen Epidemien

- Im Gazastreifen sind durch heftigen Regen rund 70'000 Zelte von Vertriebenen überflutet worden.
- Hunderte Familien fliehen aus Lagern in der Stadt Gaza sowie im Zentrum und Norden und sind erneut obdachlos.
- Der Zivilschutz erhielt über 1500 Hilferufe, hat aber keine Ausrüstung und bittet die internationale Gemeinschaft um Hilfe.
Im Gazastreifen sind durch heftigen Regen zehntausende Zelte von geflüchteten Palästinensern überschwemmt worden. Am Samstag seien «etwa 70'000 Zelte, in denen Zehntausende Vertriebene untergebracht waren, überflutet worden», teilte ein von der radikalislamischen Hamas geführtes Pressebüro mit. Zudem seien dutzende rissige Wände oder Dächer eingestürzt. Dabei habe es in mehreren Gebieten des vom Krieg verwüsteten Palästinensergebiets Verletzte gegeben. Einige von ihnen schwebten in Lebensgefahr.
Seit Samstagmorgen flüchteten hunderte Familien aus Lagern in der Stadt Gaza und im Zentrum und Norden des Küstenstreifens, nachdem grosse Wassermassen die Camps überflutet hatten. Sie sind nun erneut obdachlos. Laut Zahlen der UN wurden durch den Krieg Israels gegen die Hamas bereits 90 Prozent der Bewohner des Gazastreifens zur Flucht gezwungen, viele davon mehrmals. Zugleich darf der Grossteil der Palästinenserinnen und Palästinenser das etwa 365 Quadratkilometer grosse Gebiet nicht verlassen.
1500 Hilferufe, doch Ausrüstung und Personal fehlen
Der Sprecher des von der Hamas kontrollierten Zivilschutzes, Mahmud Bassal, teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, seine Teams hätten in der Nacht mehr als 1500 Anrufe von Menschen erhalten, die nach der Überflutung ihrer Zelte um Hilfe gebeten hätten. Die Behörden hätten dafür jedoch keine Ausrüstung und keine Kapazitäten.
«Wir haben einen dringenden Notruf an die internationale Gemeinschaft und humanitäre Organisationen gerichtet», sagte Bassal. «Wir können die Folgen dieses Sturms nicht alleine bewältigen.» Laut Jonathan Veitch, dem Unicef-Vertreter für Palästina, machen sich die Budgetkürzungen bei der UN auch bei der Verfügbarkeit von Zelten, Planen und Plastikfolien bemerkbar. «Wir müssen viel wählerischer dabei sein, wo wir Unterstützung leisten. Aber wegen der heftigen Überschwemmungen heute Morgen brauchen leider fast alle Hilfe», so Veitch zur BBC.
Krieg dauert an, während Wiederaufbau stockt
Ein Zusammenschluss palästinensischer zivilgesellschaftlicher Organisationen warnte in einer Erklärung derweil vor der Gefahr der «Ausbreitung von Krankheiten und Epidemien», die das Leben von Hunderttausenden von Einwohnern bedrohe. Die Organisationen forderten, Druck auf Israel auszuüben, «damit humanitäre Hilfe uneingeschränkt ins Land gelassen wird».
Trotz der unter Vermittlung von Ägypten, Katar und den USA zustande gekommenen Waffenruhe vom Oktober 2025 setzt die israelische Armee ihre Angriffe im Gazastreifen fast täglich fort. Auch die von US-Präsident Trump angestossenen Wiederaufbaupläne unter der Führung seines Schwiegersohnes Jared Kushner kommen nur schleppend voran.
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Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.
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