Frauen-Basketball-WM: Kann Deutschland den Boom verarbeiten?
Volle Hallen, begeisternde Stimmung und herausragender Sport - bei der Basketball-Weltmeisterschaft der Frauen in Berlin haben die besten Spielerinnen der Welt echte Werbung für ihren Sport gemacht.
Entscheidend daran beteiligt, dass der Frauen-Basketball in den zehn Tagen der WM einen solchen Hype auslöste, war die deutsche Mannschaft um ihre Stars Leonie Fiebich, Nyara Sabally und Co.
Das Team steigerte sich in der Vor- und Zwischenrunde von Spiel zu Spiel. Im Viertelfinale besiegte Deutschland den amtierenden Europameister Belgien und lieferte das wohl beste Spiel einer deutschen Frauen-Nationalmannschaft bisher.

Am Finalwochenende, als es um die Medaillen ging, zeigte sich zwar, dass dem Team noch ein wenig fehlt, um auch gegen die besten der Welt über ein gesamtes Spiel mitzuhalten. Deutschland unterlag im Halbfinale Frankreich und verlor auch das Spiel um Platz drei gegen Spanien. Dennoch war die WM sportlich ein Riesenerfolg - bei aller verständlichen Enttäuschung.
"Wir sind einfach nicht gut genug", sagte Leonie Fiebich direkt nach der letzten Partie gegen die Spanierinnen. "Wir haben das Turnier mit ganz viel Euphorie gespielt, haben mit Belgien den Europameister geschlagen. Aber es ist einfach schwer, dann noch mehr overzuperformen. Aber wir werden besser werden."
Die WM war der bisherige Höhepunkt der guten Entwicklung im deutschen Frauen-Basketball der vergangenen Jahre. 2024 hatte sich die Mannschaft erstmals für Olympische Spiele qualifizieren können, bei der EM 2025 wurde sie Fünfte. Im kommenden Jahr steht die nächste Europameisterschaft an. Sollten die Deutschen die Qualifikation schaffen, gehören sie dort zu den Medaillenkandidatinnen.
"Ich denke, dass es wichtig ist, den Schmerz, den die Spielerinnen gerade fühlen, zu kultivieren", sagte Bundestrainer Olaf Lange. "Weil in der täglichen Arbeit in den nächsten Monaten und Jahren müssen wir individuell noch besser werden. Und da braucht man starke Motivation. Und das ist Treibstoff, um besser zu werden."
Der Zuspruch der deutschen Fans könnte jetzt schon größer kaum sein. Für die WM wurden insgesamt rund 230.000 Tickets verkauft. Bei den vier Spielen der Finalrunde am abschließenden Wochenende feuerten jeweils rund 13.000 Zuschauer die Teams an. Zwar waren auch einige Fans aus den USA, Frankreich und Spanien vor Ort, in der Hauptsache waren es aber deutsche Basketball-Anhänger.
Nur drei Spielerinnen aus WM-Kader in Deutschland
Allerdings: Während der Nationalmannschaft der Frauen noch die letzten zwei bis drei Schritte fehlen, um sich in der Weltspitze zu etablieren, hinkt die deutsche Frauen-Basketball-Bundesliga (DBBL) der internationalen Konkurrenz meilenweit hinterher. Die Liga ist, was sportlichen Wert, Budget und Professionalisierung angeht, klein. Europäische Top-Spielerinnen verirren sich eher nicht dorthin.
Auch die meisten Spielerinnen aus dem deutschen WM-Kader haben ihre Heimat bereits verlassen. Die Topstars Fiebich, Nyara und ihrer verletzt fehlende Schwester Satou Sabally sowie Luisa Geiselsöder und Frieda Bühner spielen in der WNBA in den USA. Team-Kapitänin Marie Gülich wechselt nach der WM zu einem Klub in Australien und war zuvor in Taiwan. Emily Bessoir, Lina Sontag und Alexis Peterson-Smalls spielen in Spanien. Die erst 19-jährige Clara Bielefeld ist derzeit in den USA auf dem College.

Mit Alexandra Wilke, Emma Eichmeyer und Britta Daub sind aktuell nur drei Nationalspielerinnen in der deutschen Bundesliga aktiv, wobei Eichmeyer und Daub zwischenzeitlich auch schon im Ausland gespielt haben.
In Deutschland fristen sie das Dasein von Halbprofis und können vom Basketball alleine nicht leben. Wilke, die in den vergangenen Jahren mit den Rutronik Stars Keltern mehrfach die deutsche Meisterschaft gewann, hat nebenher ein Lehramtsstudium abgeschlossen und unterrichtet an einem Gymnasium.
Bundestrainer beklagt Strukturen in der DBBL
Nach Ansicht von Basketball-Bundestrainer Olaf Lange, der seit vielen Jahren als Coach in den USA arbeitet, ist der Zustand der DBBL sogar schlechter als früher. Die Bedingungen bei den Vereinen seien "halbprofessionell". "Medizinisch sind die Situationen katastrophal", so Lange, der von 1995 bis 2002 selbst in der Bundesliga gearbeitet hat.

"Damals hatten wir in den Top-Vereinen bessere Strukturen als heute - und wir sind in 2026. Das sagt schon alles. Es ist sehr rückläufig", beklagte er in der Pressekonferenz zum WM-Abschluss. "Ich muss dafür Sorge tragen, dass unsere Top-Spielerinnen ins Ausland gehen. Solange sich da in der Liga nichts tut, wird es schwierig, diesen Erfolg zu halten."
Maßnahmen zur Professionalisierung
Allerdings soll sich etwas ändern und verbessern, um den Erfolg des Nationalteams auch künftig zu garantieren. Seit März ist Ireti Amojo neue Ligapräsidentin. Die ehemalige Nationalspielerin ist in der deutschen Basketball-Bubble durch ihre Arbeit als TV-Expertin und Podcasterin bekannt. Zuletzt war sie außerdem jahrelang für den Frauen- und Mädchen-Basketball bei ALBA Berlin tätig. Sie hat mit dem Verband und in Zusammenarbeit mit den zehn DBBL-Klubs bereits einige Maßnahmen in die Wege geleitet.
"Es soll auf Parkettböden gespielt werden, auf denen nur Basketballlinien zu sehen sind, die Vereine sollen LED-Banden um den Spielfeldrand herum aufstellen", sagte Amojo vor der WM in einem Interview mit der Tageszeitung "taz".

"Im Nachwuchsbereich sollen Trainer und Trainerinnen hauptamtlich eingestellt werden. Auch die Hallenkapazitäten wollen wir steigern. In einigen Hallen finden aktuell maximal 600 Zuschauende Platz. Wenn das Interesse steigt - was zurzeit der Fall ist - brauchen wir größere Hallen an unseren Erstligastandorten."
DBBL-Chefin Amojo: "Zu spät, um WM-Boom zu nutzen"
Jedoch gibt es nicht nur in der höchsten Spielklasse viel zu tun, sondern auch im Unterbau, bei den kleineren Vereinen und in der Jugendarbeit. Denn sollte die Basketball-WM zu einem Ansturm junger Mädchen auf die Basketballvereine führen, wären diese darauf eher nicht vorbereitet.
Zum einen, weil Trainerinnen und Trainer fehlen, zum anderen aber auch - was in Deutschland ein großes Problem ist - weil eine ausreichende Anzahl vorhandener und intakter Turn- und Sporthallen fehlt und sich die Jugendlichen mit den Erwachsenen quasi um die Hallenzeiten streiten müssen.
"Man hätte vor fünf Jahren anfangen müssen, damit man jetzt sagen kann: Wir nutzen das Momentum der WM und sehen zu, dass all diese Kids, die jetzt Basketball-Fans sind, irgendwo in Vereinen in ganz Deutschland Basketball spielen können", sagte Amojo nach dem WM-Finale bei Magenta Sport.
"Wir sind zu spät. Wir haben die Strukturen nicht, um dieses Interesse aufzufangen und allen Basketball faszinierten Kindern unter perfekten Trainingsbedingungen die Möglichkeit zu geben, zur neuen Leonie Fiebich oder Nyara Sabally heranzuwachsen."
Dennoch sieht Amojo die WM als Erfolg und eine Art notwendigen Startschuss für die Entwicklung. "Das war so ein bisschen der Beweis, den wir alle brauchten, weil es wird ja schnell immer abgetan und gesagt: Frauen-Basketball interessiert ja niemanden in Deutschland. Jetzt haben wir gesehen, dass der Frauen-Basketball Leute in Deutschland interessiert", sagte sie. "Wir haben schon ein paar Hebel, wie wir an den Strukturen arbeiten wollen. Und auch das darf nicht das Ende sein."
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