Streaming-Gigant unter Druck: Netflix wächst langsamer
Streaming-Pionier unter Druck Netflix kämpft gegen wachsende Konkurrenz
Stand: 21.10.2026 • 10:20 Uhr
Netflix war jahrelang der unumstrittene Marktführer beim Streaming. Doch der Konzern kämpft gegen immer stärkere Konkurrenz. Neue Produktionen sollen helfen, die Zuschauer wieder mehr zu fesseln - und mehr Werbung zu verkaufen.
Getragen vom Erfolg der zweiten Staffel von "The Gentlemen" und der Neuauflage von "Unsere kleine Farm" hat Netflix einen überraschend hohen Quartalsgewinn verbucht. Die Erlöse stiegen in den vergangenen drei Monaten zwar um knapp zwölf Prozent auf 12,87 Milliarden Dollar - allerdings war dies der niedrigste Wert seit drei Jahren. Im Vorjahreszeitraum hatten sie noch deutlicher - um mehr als 17 Prozent - zugelegt.
Das Umsatzwachstum war auf den niedrigsten Stand seit knapp drei Jahren gesunken. Der weltgrößte Streamingdienst gab am Dienstag zudem einen verhaltenen Geschäftsausblick. Die Prognose für die Werbeeinnahmen schraubte der Streamingdienst dagegen auf rund 2,7 Milliarden von etwa drei Milliarden Dollar zurück.
Der US-Konzern erwartet für das Schlussquartal 2026 insgesamt ein Plus von zwölf Prozent auf 13,4 Milliarden Dollar. Die Netflix-Aktie brach daraufhin im nachbörslichen Handel an der Wall Street um knapp fünf Prozent ein.
Konkurrenz durch YouTube
Netflix kämpft mit verschärftem Wettbewerb. Das Unternehmen wachse nicht so schnell, wie er es sich wünsche, hatte Co-Chef Ted Sarandos unlängst betont. Vor allem YouTube baut nach Angaben der Marktforschungsfirma Nielsen seinen Marktanteil aus. Die Nutzungszeit falle fast doppelt so hoch aus wie bei Netflix.
Der Streaming-Marktführer will nun unter anderem dafür sorgen, dass Nutzer mehr Zeit mit seinen Filmen und Serien verbringen. Das würde auch die Werbeeinnahmen wieder steigern. Denn Netflix setzt seit einigen Jahren verstärkt auf werbefinanzierte Nutzerkonten. Diese versprechen langfristig höhere Erträge.
Dazu müssen Zuschauerinnen und Zuschauer jedoch möglichst lange an den Bildschirm gefesselt werden. Hierzu sollen künftig unter anderem Live-Übertragungen von Konzerten oder Sportereignissen beitragen. Darüber hinaus schloss das Unternehmen Lizenzvereinbarungen mit dem Konkurrenten Walt Disney, um beispielsweise die Animationsfilme der "Ice Age"-Reihe zeigen zu können.
"Wissen, dass wir es besser können"
"Wir wollen der Unterhaltungsdienst sein, den man haben muss", sagte Co-Chef Ted Sarandos in einer Videokonferenz mit Analysten. "Wir wissen, dass wir es besser können", pflichtete ihm sein Kollege Greg Peters bei.
Denn zuletzt waren auch Eigenproduktionen eher eine Enttäuschung: Bei der vergangenen Runde von Preisverleihungen gingen Filme und Serien des Streamingdienstes weitgehend leer aus. Auf Hits wie "Stranger Things" oder "Squid Game" folgten keine Titel, die sich ähnlich im Zeitgeist etablieren konnten.
Personelle Konsequenzen
Daraus folgten jüngst bereits personelle Konsequenzen: Die langjährige Programmverantwortliche Bela Bajaria, die die Vision umsetzen sollte, dass möglichst alle Zielgruppen überall auf der Welt etwas für sich bei Netflix finden können, musste gehen. Kurz danach traf es auch Filmchef Dan Lin. Bajarias Rolle übernimmt nun Peter Rice, der bei klassischen Studios wie Disney Karriere machte.
Es wird spekuliert, Netflix könnte mit Rice mehr Filme zunächst breit in Kinos bringen - etwas, was Sarandos stets als Ablenkung vom Kerngeschäft abschmetterte. Zudem strich Netflix rund sechs Prozent der Arbeitsplätze, etwa 1.000 Mitarbeitende verloren ihre Jobs.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.