Finanzen Opernhaus Zürich – Intendant: «Das Opernhaus ist wie ein Schwimmbad»

«Es ist wichtig, die Kultur nicht nur rein ökonomisch zu betrachten», sagt Opernhaus-Intendant Matthias Schulz. «Kultur stärkt etwa das Urteilsvermögen, die Kritikfähigkeit und kann eine Gesellschaft zusammenhalten.» Schulz vergleicht das Opernhaus mit einem Schwimmbad: «Es ist eine gesellschaftliche Entscheidung, sich solche Einrichtungen leisten zu wollen», sagt er.
Das Opernhaus Zürich gilt als die grösste Kulturinstitution der Schweiz. Es beschäftigt rund 850 Menschen und bietet über 15 Neuproduktionen pro Jahr. Ein Vorwurf ans Opernhaus lautet oft, dass es nur von wenigen genutzt werde. «So wenig wie man denkt, wird unser Angebot nicht genutzt», sagt der Intendant: «Wir haben 250 Vorstellungen im Jahr. Rund 300'000 Menschen nutzen das Angebot.»
Kulturförderung in der Schweiz föderal organisiert
Kulturförderung ist in der Schweiz stark föderal organisiert. Wer ein Kulturprojekt durch Fördergelder finanzieren will, muss oft bei Gemeinden, Kantonen oder auch Stiftungen Gesuche einreichen. «Das mag komplex sein, ist aber auch ein Vorteil», sagt Carine Bachmann, Direktorin des Bundesamtes für Kultur BAK. «Es ist nicht jemand in Bern, der entscheidet, welche Kultur für die ganze Schweiz relevant ist.» So könne auch die kulturelle Vielfalt erhalten werden.
An Subventionen schüttet das BAK jährlich rund 165 Millionen Franken aus. Die wichtigsten Empfänger sind die Filmbranche mit knapp 58 Millionen Franken und die Baukultur mit 28 Millionen Franken. Dort fördert das BAK unter anderem die Denkmalpflege und archäologische Projekte. Ausserdem fliessen 21 Millionen Franken an Schweizer Schulen im Ausland.
Musikförderung: Löwenanteil für die klassische Musik
Eine Auswertung des Vereins IG Musik zeigte kürzlich, dass schweizweit zwischen 76 und 95 Prozent der Musikförderung der Klassik zugute kommen. Besonders hoch ist der Anteil mit 95 Prozent im Kanton Zürich. Hier erhält das Opernhaus mit gut 93 Millionen Franken den Löwenanteil der insgesamt gegen 190 Fördermillionen des Kantons.
Doch das reicht für den Betrieb des Opernhauses noch nicht. Gut 25 Millionen Franken fliessen über die Ticketverkäufe in die Kassen und rund zwölf Millionen steuern Sponsoren bei. «Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge», sagt der Opernhaus-Intendant.
Das Opernhaus hat gut 1100 Sitzplätze, Opern in München oder Wien haben doppelt so viele. «Wir brauchen eine enorm hohe Auslastung von rund 90 Prozent, um das stemmen zu können.» Die Sponsoren spielen deshalb eine grosse Rolle. «Ich finde es wichtig, etwa Wirtschaftskapitäne davon zu überzeugen, auch Verantwortung für solche Dinge zu übernehmen», sagt er. Das sei eine schwierige, aber auch lohnenswerte Aufgabe.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.