Menschliches Gefässsystem – Unsere Gefässe – die Autobahnen des Körpers

Arterien bringen das nährstoffreiche Blut zu den Organen und Extremitäten, die Venen bringen es zurück zur Lunge und zum Herzen, um gereinigt zu werden.
«Arterien sind ein Hochdrucksystem», sagt Lea Attias-Widmer, Chefärztin für Angiologie am Spitalzentrum Biel. Deshalb sollte man den Blutdruck regelmässig bei der Hausärztin messen lassen.
Durchblutungsstörungen
«Wenn die Patienten über starke Schmerzen beim Bergaufgehen oder beim schnellen Gehen klagen, kann dies ein Hinweis auf die Schaufensterkrankheit sein», sagt die Expertin. Schaufensterkrankheit deshalb, weil die Betroffenen alle paar Meter stehen bleiben müssen, als ob sie – sofern sie in der Innenstadt unterwegs sind – einen Schaufensterbummel machen würden.
Dabei sind es aber die Beine beziehungsweise die Muskeln, die zu wenig mit Blut versorgt werden. Das Innehalten führt dazu, dass die Muskeln wieder mit Blut versorgt werden und der Patient oder die Patientin weitergehen kann – bis zum nächsten Schaufenster.
Unser Gefässsystem – alle Arterien, Venen und Kapillargefässe aneinander geknüpft – misst rund 100’000 Kilometer. Das entspricht einer Strecke von zweieinhalbmal um den Erdball. Den mit Abstand grössten Teil machen mit über 90 Prozent die Kapillaren aus. Diese haardünnen Gefässe durchziehen fast jedes Gewebe in unserem Körper, um unsere Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.
Kein Wunder, sollten wir Sorge zu unseren Gefässen tragen. Die Chefärztin für Angiologie am Spitalzentrum Biel, Lea Attias-Widmer, empfiehlt, beim Hausarzt oder der Hausärztin regelmässig den Blutdruck und die Blutfettwerte, also das Cholesterin, kontrollieren zu lassen.
«Auch Übergewicht tut unseren Gefässen nicht gut. Dafür mögen sie Bewegung und eine ausgewogene Ernährung, am besten die mediterrane», sagt die Expertin.
Die Schaufensterkrankheit ist nicht dasselbe, wie der Krampf, der viele nachts zwingt, aufzustehen. «Der Krampf geht auf einen Nährstoffmangel zurück», so die Angiologin.
Eine fortgeschrittene Schaufensterkrankheit kann ebenfalls dazu führen, dass Betroffene nachts aufstehen müssen. Sie kann heute minimalinvasiv behandelt werden. «Nach einem Ultraschall, bei welchem die schlecht durchblutete Stelle aufgezeigt wird, wird ein Ballon ins Gefäss eingeführt und die Verengung geweitet.»
Volkskrankheit Krampfadern
Ungefähr ein Viertel der Menschheit leidet darunter. Besonders betroffen sind Berufsleute, welche viel stehen müssen.
Da die Gefässe einen niedrigen Druck haben, sollte man Übergewicht, das auf die Adern drückt, unbedingt vermeiden.
Auch Krampfadern lassen sich heute minimalinvasiv behandeln. «Wir verwenden oft ein Lasergerät, das in die Gefässe eingeführt wird und diese dann verschliesst», so die Angiologin. Sind sie sehr gross oder von aussen gut sichtbar, werden sie mit einem feinen Häklein herausgezogen. «Kurze Zeit nach dem Eingriff sieht man nichts mehr davon.»
Präventiv kann unter anderem Bewegung helfen. Alles, was die Muskelpumpe aktiviert, ist gut für die Beine. «Da die Gefässe einen niedrigen Druck haben, sollte man Übergewicht, das auf die Adern drückt, unbedingt vermeiden.»
Über die Gefässe der Prostata wieder Herr werden
Eine Prostataoperation heisst nicht zwingend, die vergrösserte Prostata operativ zu verkleinern. Man kann sie – in einem frühen Stadium – auch via Gefässe mittels eines Kathetereingriffs schrumpfen.
«Da wir nur über die Gefässe die Prostata verkleinern, werden Nerven, Harnröhre und Samenleiter nicht beeinträchtigt.» Das heisst: Keine Inkontinenz, keine Einschränkung der Zeugungsfähigkeit und keine erektile Dysfunktion. Dennoch: Nicht alle Patienten sind für diesen Eingriff geeignet. «Umso wichtiger ist es, dass man bei ersten Prostatabeschwerden den Hausarzt oder die Hausärztin aufsucht.»
Es gibt noch eine weitere Einschränkung: Eine Studie der Universität St. Gallen hat gezeigt, dass Folgeeingriffe nach der minimalinvasiven Variante wahrscheinlicher sind als nach der Operation.
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