Reinhold Messner fordert Zeit-Slots in den Bergen

Massentourismus nervt ihn
Reinhold Messner fordert Zeit-Slots in den Bergen
Reinhold Messner sorgt sich um die Bergwelt. Die Bergsteigerlegende sieht im anhaltenden Wander-Boom eine Gefahr für die Natur und fordert nun drastische Massnahmen.
Publiziert: vor 23 Minuten
- Bergsteigerlegende Reinhold Messner warnt vor Massenanstrum in den Bergen
- Tagestouristen und Influencer würden Natur und Dörfer belasten
- Ein Buchungssystem soll Abhilfe schaffen
Sabrina RhynerRedaktorin People
Als erster Mensch, der alle 14 Achttausender der Welt ohne zusätzlichen Sauerstoff bezwang, kennt Reinhold Messner (82) die Berge wie kaum ein anderer. Doch die wachsende Zahl an Menschen, die es heute ebenfalls in die Natur zieht, erfüllt den Extremsportler mit Sorge.
In einem Interview mit dem «Corriere dell’Alto Adige» kritisiert der Extremsportler, dass Regionen wie die Dolomiten mittlerweile zu einem «Konsumgut» verkommen seien. Er fürchtet deshalb um die Zukunft der alpinen Welt – aber auch um die Lebensqualität und Wirtschaft in den betroffenen Bergdörfern.
Social-Media-Hype ist ihm ein Dorn im Auge
Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind für Messner die vielen Tagestouristen, die laut ihm nur für das perfekte Foto an bekannten Aussichtspunkten anreisen und danach direkt wieder abziehen. Daraus würden dann verstopfte Strassen und Umweltbelastungen resultieren, während das lokale Gewerbe kaum etwas davon habe. Dabei kriegen vor allem Social-Media-Influencer ihr Fett weg. Die Alpin-Ikone kritisiert nämlich, dass sie mit ihrer Berichterstattung «die Region ruiniert» hätten.
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Um den Kollaps stark frequentierter Hotspots zu verhindern, schlägt Messner nun ein digitales Buchungssystem mit festen Zeit-Slots vor. Sein Ziel sei es nicht, die Gesamtzahl der Urlauber zu senken, sondern die Massen besser über das Jahr und das Gebiet hinweg zu verteilen.
Mangelnde Erfahrung wird zum Problem
Es ist nicht das erste Mal, dass Messner vor den Gefahren des unbedachten Massenansturms auf die Berge warnt. Bereits früher wies er auf die Unfallgefahr hin, wenn immer mehr Menschen ohne die nötige alpine Erfahrung in die Berge strömen, wie der «Tagesspiegel» berichtete. «Meistens sind es Leute, die den Influencern folgen und dann irgendwo herunterfallen, weil sie eben keine Ahnung haben», mahnt der Bergsteiger.
Gegenüber dem Fachmagazin «bergundsteigen» zog er eine klare Grenze: Unberührte, wilde Berglandschaften dürften nicht dem Erlebnistourismus geopfert werden. Diese verbleibenden Rückzugsorte sollten jenen vorbehalten bleiben, die sich wirklich auskennen würden.
Inspiration für Generationen
Dabei hat der Extremsportler auch schon ganz andere Töne angeschlagen. Im selben Magazin betonte er einst, dass das «Herumklettern in den Bergen nie verboten werden sollte». Gleichzeitig ist es Messner selbst, der seit Jahrzehnten Menschen auf der ganzen Welt für Berge begeistert. Anlässlich seines 82. Geburtstags schrieb er in einem Instagram-Post, dass es ihm sehr viel bedeute, «dass das, was ich tue, Menschen dazu inspirieren kann, nach draussen zu gehen».
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