Überraschendes Treffen: Erdogan empfängt Wüst
Unmittelbar nach dem Eintreffen des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU) in der Türkei wurde bekannt, dass er den türkischen Staatspräsidenten treffen werde. "Es ist beabsichtigt, dass Ministerpräsident Hendrik Wüst am Montagnachmittag in Ankara mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zusammentrifft", erfuhr das ZDF aus der Delegation.
Bei dem Gespräch soll es um die engen Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei, die wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie aktuelle politische Fragen gehen.
Delegation von Hendrik Wüst
Es ist ein ungewöhnlicher Schritt: Regionale Regierungschefs werden normalerweise nicht von Staatspräsidenten empfangen - zumindest gilt das für Länder gleicher Größe und Bedeutung. Aber es gibt Ausnahmen. Mit dem Termin verleiht Erdogan dem Besuch von Wüst jedenfalls besondere Bedeutung.
Wüst besucht bis Mittwoch die Türkei und wird begleitet von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation. Offizieller Anlass ist das 65. Jubiläum des Anwerbeabkommens, welches 1961 in Bonn unterzeichnet worden war.
Wüst für Reform der Zollunion mit Türkei
Zu Beginn seiner Reise nach Ankara sprach sich Wüst für eine Modernisierung der Zollunion zwischen der EU und der Türkei aus. "Wir brauchen eine Reform der EU-Türkei-Zollunion", sagte Wüst in einem gemeinsamen Interview der türkischen Tageszeitung "Hürriyet" und der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Aus Sicht Nordrhein-Westfalens sei dies überfällig und eine große Chance. Die Türkei fordert seit langem eine Modernisierung der Zollunion.
Das Projekt war, ebenso wie eine geplante Visa-Liberalisierung und EU-Beitrittsgespräche, wegen Rückschritten bei der Rechtsstaatlichkeit in der Türkei auf Eis gelegt worden. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hatte bei einem Treffen im Juni mit Präsident Recep Tayyip Erdogan über eine mögliche Stärkung der EU-Türkei-Beziehungen beraten.
Mitte Juli 2016 versuchten Teile des Militärs den türkischen Präsidenten zu stürzen. Der Putschversuch misslang, Tausende wurden verhaftet oder entlassen. Wie hat sich das Land seither verändert?
08.07.2026 | 6:36 minKritiker bemängeln Menschenrechtssituation
Auf den von der Türkei angestrebten EU-Beitritt angesprochen, verwies Wüst auf die Einhaltung der Kopenhagener Kriterien und die damit verbundenen Voraussetzungen in den Bereichen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte.
- Erdogan-Gegner Imamoglu zu zwei Jahren Haft verurteilt
- Putschversuch 2016: So wurde Erdogan zum Autokraten
Kritiker bemängeln seit langem die Menschenrechtssituation in der Türkei. Unter anderem sorgt das Vorgehen gegen die politische Opposition für Kritik, insbesondere die Inhaftierung des Erdogan-Rivalen und ehemaligen Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu.
Der türkische Präsident Erdogan geht hart gegen die größte Oppositionspartei CHP vor. Zuletzt stürmten Polizisten die Parteizentrale. Türkei-Experte Dawid Bartelt analysiert bei ZDFheute live.
26.05.2026 | 18:38 minWüst forderte mit Blick auf eine Annäherung an die EU konkrete Schritte, die die Menschen im Alltag spürten, wie etwa bei der Visa-Erteilung:
Wenn die Verfahren gerade für Geschäftsreisende so kompliziert sind, ist das inzwischen ein echter wirtschaftlicher Nachteil, gerade für Nordrhein-Westfalen mit seinen großartigen Kontakten in die Türkei.
Hendrik Wüst, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident
Menschen suchten sich daher Umwege über andere Länder, etwa über Belgien. "Das darf nicht sein. Das müssen wir besser machen", sagte Wüst.
Wüst bekräftigt: Möchte Ministerpräsident bleiben
Der nordrhein-westfälische Regierungschef wird seit Wochen als möglicher Nachfolger des massiv unter Druck stehenden Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU) gehandelt. Zusammen mit den anderen sieben CDU-Ministerpräsidenten hat er dem Kanzler aber den Rücken gestärkt und sich gegen Personaldebatten ausgesprochen. Am Abend vor seiner Abreise bekräftigte er im ZDF: "Ich möchte Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen bleiben."
Ist Friedrich Merz noch der Richtige? Im ZDF fordert Hendrik Wüst, der als möglicher Nachfolger gilt, ein Ende der Kanzlerdebatte - und stellt klar, wo er aktuell seine Zukunft sieht.
27.09.2026 | 5:25 minDie deutsch-türkischen Beziehungen waren lange Zeit von offenen Differenzen geprägt. Die Antrittsbesuche von Kanzler Merz und Außenminister Johann Wadephul (CDU) vor einem Jahr brachten aber eine neue Tonlage. "Wir wollen insgesamt eine Positivagenda", sagte der Außenminister damals.
Fabrik-Besuch und politische Gespräche geplant
In Ankara wird Wüst am Montag zunächst das Werk des Düsseldorfer Unternehmens Henkel und dann das Mausoleum des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk besuchen. Abends ist ein Treffen mit türkischen Unternehmern geplant.
Am Dienstag wird Wüst politische Gespräche in der Hauptstadt führen und anschließend nach Istanbul weiterreisen. Dort stehen eine Wirtschaftskonferenz und die Verleihung eines Preises für Toleranz und Versöhnung zwischen den Kulturen an den ehemaligen Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Ilkay Gündogan, auf dem Programm.
Quelle: dpa, ZDF
Über Hendrik Wüst berichtete das ZDF am 27.09.2026 um 19:10 Uhr in der Sendung "Berlin direkt".
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.