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Wednesday, October 14, 2026

Nachfolger für Riester-Rente: Das Altersvorsorgedepot gibt es von kostenlos bis 1,5 Prozent im Jahr

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Nachfolger für Riester-RenteDas Altersvorsorgedepot gibt es von kostenlos bis 1,5 Prozent im Jahr

14.10.2026, 15:44 Uhr

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Noch fehlt es an konkreten Angeboten. (Foto: IMAGO/Steinach)

Im neuen Jahr startet das Altersvorsorgedepot, welches die leidige Riester-Rente für Neuverträge ablöst. Konkrete Angebote liegen noch nicht vor, aber eine Menge Absichtserklärungen der Anbieter. Diese offenbaren enorme Preisunterschiede. Der Staat trödelt indes mit einem eigenen Angebot.

Sie war längst überfällig: eine Reform der ungeliebten Riester-Rente. Die Bundesregierung will ab dem 1. Januar 2027 als Alternative zur Riester-Rente für Neuverträge ein leicht verständliches Standardprodukt einführen, das Altersvorsorgedepot (AV-Depot). Jeder Anbieter - also alle Banken, Sparkassen und Versicherungen - sollen dies dann für Verbraucher im Angebot haben. Neben Produkten mit garantierter Auszahlungssumme soll es auch Altersvorsorge-Depots ohne Garantie geben, bei denen etwa in Fonds oder andere Anlageklassen investiert werden kann.

Noch fehlt es an konkreten Angeboten, doch die Finanzbranche buhlt bereits mit entsprechenden Absichtserklärungen hinsichtlich niedriger Kosten um Kundschaft. Doch schon jetzt zeichnen sich deutliche Unterschiede zwischen den geplanten Angeboten der privaten Anbieter ab. Eine Abfrage des unabhängigen Geldratgebers Finanztip unter mehr als 100 potenziellen Anbietern zeigt: Manche Anbieter wollen dauerhaft auf Depot- und Fondskosten verzichten. Bei anderen sind je nach Produkt jährliche Kosten von bis zu 1,5 Prozent vorgesehen. Teilweise könnten weitere Gebühren hinzukommen.

"Kosten sind bei der Altersvorsorge keine Nebensache. Selbst kleine Unterschiede können über Jahrzehnte einen großen Teil des Ertrags aufzehren. Dieses Geld fehlt später für die Rente", sagt Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip.

Trade Republic hatte kürzlich angekündigt, keine Gebühren für Depotführung und Sparpläne zu verlangen und bei Dutzenden ETFs auch die Fondskosten zu übernehmen. Scalable Capital will die Kosten ausgewählter ETFs erstatten und im Depot wieder anlegen. Auch die Sparkassen planen günstige Konditionen von 0,1 Prozent pro Jahr beim Standarddepot. Ein aktiv gemanagtes AV-Depot kann dagegen bis zu 1,5 Prozent kosten. Auch die Deutsche Bank möchte neben einem ETF-Depot teurere Lösungen mit Beratung anbieten. Das von der Fondstochter DWS entwickelte Standarddepot wird nur digital verfügbar sein. Die jährlichen Kosten sollen in den ersten zwei Jahren 0,1 Prozent und danach 0,28 Prozent betragen.

Wer Angebote vergleicht, sollte sämtliche Kosten berücksichtigen, mahnt Finanztip: neben der Depotgebühr auch die Kosten der Fonds und ETFs sowie mögliche Gebühren für Käufe und Verkäufe. Befristete Rabatte sollten Sparer dabei nicht mit den dauerhaft geltenden Kosten verwechseln.

Kosten können nach 25 Jahren Zehntausende Euro Unterschied ausmachen

Wie stark Kosten langfristig wirken, zeigt eine vereinfachte Modellrechnung: Wer 25 Jahre lang monatlich 250 Euro in einen Aktien-ETF einzahlt, kommt bei einer angenommenen jährlichen Rendite von sechs Prozent vor Kosten und jährlichen Kosten von 0,1 Prozent auf rund 167.000 Euro. Bei Kosten von 1,5 Prozent bleiben dagegen rund 137.000 Euro – etwa 30.000 Euro weniger. Staatliche Zulagen und Steuererstattungen sind in der Rechnung nicht berücksichtigt.

Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, sollte darauf achten, ob der Anbieter die Übertragung des Guthabens unterstützt und welche Kosten dabei entstehen. Ein Riester-Wechselservice unterstützt Sparer dabei, ihr vorhandenes Guthaben in das neue Altersvorsorgedepot zu übertragen. Diesen Service sehen viele Anbieter vor, bei anderen ist noch offen, ob sie ihn anbieten.

Auch Leistungen der Angebote unterscheiden sich

Bei der Geldanlage haben Sparer unterschiedliche Möglichkeiten: In einem freien Depot wählen sie ihre Fonds oder ETFs selbst. Bei einem gesteuerten Standarddepot gibt der Anbieter die Anlagen vor und schlägt eine Aufteilung zwischen Aktien und risikoärmeren Anlagen vor. Einige Anbieter planen beide Depotvarianten. Zudem soll es auch Produkte mit einer Renten-Garantie geben. Für Verbraucher, die noch viele Jahre bis zur Rente haben und keine baldige Immobilienentnahme planen, empfiehlt Finanztip eine möglichst aktienreiche Anlage - bis hin zu 100 Prozent in breit gestreute Aktien-ETFs.

Unterschiede gibt es auch bei der Auszahlung im Ruhestand: Bei einem Auszahlplan bleibt das Vermögen investiert und wird schrittweise ausgezahlt. Nur 5 der 43 Produkte sehen als zusätzliche Option eine lebenslange Rente vor. "Es gibt keinen Grund, jetzt schon eine Entscheidung zu treffen. Man kann ein AV-Depot ohnehin erst im Januar 2027 eröffnen. Erst wenn die endgültigen Kosten und Bedingungen feststehen, lassen sich die Angebote verlässlich vergleichen. Wer bis Ende 2027 einen Vertrag abschließt und den entsprechenden Beitrag rechtzeitig einzahlt, kann die volle Förderung für 2027 noch nutzen", sagt Sulilatu.

Abgeschlossen werden können die neuen Produkte erst ab 2027 - auch wenn Werbeangebote womöglich Handlungsdruck erzeugen. Neben Neobrokern und Banken buhlen auch Versicherer und weitere Finanzdienstleister um die Gunst der Kunden. Der Staat fördert beim Altersvorsorgedepot Einzahlungen mit bis zu 540 Euro Zulage pro Jahr. Pro Kind gibt es zusätzlich bis zu 300 Euro. Förderfähig sind Einzahlungen zwischen 120 Euro und 1800 Euro pro Jahr. Die Kapitalerträge werden in der Ansparphase nicht besteuert und wer einen Riester-Vertrag hat, kann in das neue Fördersystem wechseln und angespartes Guthaben übertragen.

Kommt das Standardangebot vom Staat doch nicht?

Neben den privaten Anbietern sollte auch ein staatlich organisiertes Standardangebot Konkurrenz machen. Doch dieses kommt womöglich doch nicht. Denn bereits im Juli zeichnete sich ab, dass es beim geplanten staatlichen Angebot zu Verzögerungen kommt. Nun steht es womöglich sogar vor dem Aus, wie Ihre-Vorsorge.de berichtet. Darauf deutet zumindest eine Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine mündliche Frage des Grünen-Finanzexperten Stefan Schmidt im Bundestag hin, über die die "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatte. Demnach prüft das Ministerium von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil noch immer, wie sich das Vorhaben umsetzen lässt. In der Antwort des Ministeriums heißt es dazu: "Es gibt bisher keine Behörde, die über die notwendigen Verwaltungsstrukturen verfügt; zudem gibt es hohe europarechtliche Hürden."

Ein weiterer Satz in der Antwort des Ministeriums legt den Schluss nahe, dass es ein staatliches Angebot offenbar auch gar nicht mehr für so dringlich hält. Denn viele Anbieter, so ist der Antwort zu entnehmen, hätten "bereits angekündigt, zum Marktstart am 1. Januar 2027 Produkte mit Kosten weit unterhalb des für Standarddepotverträge vorgegebenen Kostendeckels von einem Prozent anzubieten".

Derlei Aussagen sorgen bei Verbraucherschützern für Verdruss. Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, mahnt: Das staatlich organisierte Standardprodukt sei wichtig als "Preisanker" im Vergleich zu Angeboten, die günstig starten und später teurer werden. Er verweist auf Berechnungen, die zeigten, dass unterschiedliche Depotkosten sich bis zur Rente auf Zehntausende Euro summieren. Komme das staatliche Angebot zu spät oder gar nicht, verfehle die Reform ihr Ziel genau bei denen, die am meisten von ihr hätten: "Bei Menschen mit kleinen Einkommen und bei denen, die heute in schlechten Verträgen festsitzen oder sich von der privaten Vorsorge abgewandt haben, weil sie Verkaufsgesprächen gegen die eigenen Interessen nicht mehr trauen", so Nauhauser. 

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