Wende im einstigen Brennpunkt – Wie in Malmö ein Drogen-Hotspot zum Kinderquartier wird

In den Cafés des Malmöer Stadtteiles Sofielund herrscht schon am frühen Nachmittag viel Betrieb. Zu hören sind verschiedenste Sprachen aus der ganzen Welt.
Gut 10'000 Menschen leben in diesem von insgesamt vier Quartieren in Malmö, welches laut den Behörden besonders von der organisierten Kriminalität betroffen ist.
Als in der Folge des Syrienkrieges im Herbst 2015 zahlreiche Geflüchtete Europa erreichten, wurde Malmö zur Eingangstür Schwedens, wo innerhalb weniger Monate über 160'000 geflüchtete Personen registriert wurden.
Viele fanden Unterschlupf in den ärmeren Wohngebieten der grossen schwedischen Städte. Auch in Sofielund erhöhte sich der Anteil der Einwohnerinnen und Einwohner mit Migrationsgeschichte damals sehr schnell.
Schweden wählt am 13. September
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Am kommenden Sonntag sind gut acht Millionen Schwedinnen und Schweden aufgerufen, ein neues nationales Parlament zu wählen. Gleichzeitig werden auch sämtliche Parlamente auf der lokalen und regionalen Ebene neu gewählt.
In den letzten vier Jahren wurde das grösste nordische Land von einer bürgerlichen Minderheitenkoalition unter dem konservativen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson regiert. Sie erhielt im Parlament die Unterstützung der nationalkonservativen Schwedendemokraten.
Nach den letzten Meinungsumfragen dürften bei den Wahlen die links-grünen Parteien angeführt von der sozialdemokratischen Oppositionschefin Magdalena Andersson die Mehrheit erringen. Allerdings dürfte die Regierungsbildung schwierig werden.
Auf einer früheren Industrieparzelle im Zentrum von Sofielund stehen seit diesem Sommer Installationen, die zum Verweilen einladen: Spielgeräte, Sofaecken, Hängematten und Kunstwerke. Hier sucht Elina Carlstein, eine Informationsbeauftragte der Stadt, den Kontakt zu den Anwohnerinnen und Anwohnern.
«Sofielund galt lange als sehr unsicherer Stadtteil mit offenem Drogenhandel und viel Kriminalität», sagt Carlstein und erzählt, wie das Quartier nun ausgehend von einer Initiative von Quartierbewohnerinnen und -bewohnern in das erste offizielle «Kinderquartier» Schwedens umgewandelt wird.
«Hier leben sehr viele Kinder und Jugendliche. Es gibt viele Schulen und Gemeinschaftszentren. Neu sollen auch die öffentlichen Räume zwischen diesen Einrichtungen verstärkt auf die Bedürfnisse der jungen Generation ausgerichtet werden», so Elina Carlstein.
In einem ersten Schritt wurden zahlreiche Parkplätze im Quartier aufgehoben, brachliegende Parzellen als Gemeinschaftsräume nutzbar gemacht und der Anteil an Grünflächen erhöht.
Malmö boomt, auch dank vielen Zugewanderten
Am neu eröffneten Bahnhof in Rosengård, einem anderen langjährigen Problemquartier, wartet Martin Grander, Professor für Stadtentwicklung an der Universität Malmö. «In den letzten zehn Jahren ist Malmö stark gewachsen und der Anteil der Erwerbstätigen, gerade auch unter den vielen Zugewanderten, ist sehr gestiegen», sagt Grander.
Als treibenden Grund für diese Entwicklung nennt der Stadtentwicklungsforscher auch den politischen Konsens, der Malmös Politik prägt. «Im Unterschied zu anderen schwedischen Grossstädten, wo abwechselnde Mehrheiten in sehr unterschiedliche Richtungen ziehen, ist man sich hier in Malmö darüber einig, dass in eine ganzheitliche Stadtentwicklung investiert werden muss. Dazu gehören neben sozialen Einsätzen, auch Bauprogramme zur Quartierentwicklung und restriktive Einsätze der Polizei», sagt Grander.
Dieser Einsatz scheint Früchte zu tragen: Im letzten Jahr gab es in Malmö keinen einzigen tödlichen Schusswaffeneinsatz im Drogenmilieu der Stadt.
Statt Unsicherheitsgefühlen in Problem-Quartieren wächst die Zuversicht, ganz Malmö weiterentwickeln zu können – etwa wie in Sofienlund, wo die Idee für Schwedens ersten «Kinderstadtteil» auf eine Initiative der Quartierbevölkerung zurückgeht – die nun mit viel Unterstützung der Stadtregierung umgesetzt wird.
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