Wetten im türkischen Fußball: Als wäre nichts gewesen

Der türkische Fußball hat ein Glücksspielproblem. Spieler, Schiris und Funktionäre sind in illegale Wetten involviert. Oft gibt es wenig Konsequenzen.
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D ie Türkei hat ein Glücksspielproblem. Damit meine ich nicht nur, dass immer mehr junge Menschen dieser Sucht zum Opfer fallen und mit einem illegalen Wettbüro in der Hosentasche herumlaufen. Ich spreche auch vom türkischen Fußball und den darin involvierten Akteuren.
Beginnen wir mit dem Zentralen Schiedsrichterausschuss (MHK), dessen Hauptaufgabe die Ansetzung der Schiedsrichter ist. Ende September wurden der Vorsitzende und einige Mitglieder im Zuge einer Untersuchung zur Vergabe der Schiedsrichteransetzungen festgenommen. Ein Schiedsrichter namens Yasin Kol scheint Einfluss darauf zu haben, wer ernannt wird. Auch er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft, da ungewöhnlich hohe Geldbeträge über seine Konten geflossen sind, was auf illegale Wetten hindeutet.
Ähnliche Transaktionen gab es auch bei anderen Schiedsrichtern, teilweise kurz vor gemeinsam geleiteten Spielen. Das Ganze ist ein einziges Desaster. Und was ist mit dem Mann, der den MHK ernennt, dem Präsidenten des türkischen Fußballverbands TFF? Er ist weiterhin im Amt, obwohl auch er verdächtige Kontakte zum MHK-Vorsitzenden hatte. Der Verband versucht nun, mit dem gerade zurückgetretenen berühmten britischen Schiedsrichter Anthony Taylor jemanden von außerhalb zu holen. Hoffentlich muss er am Ende nicht auch noch eine Zelle beziehen.
Zur gleichen Zeit hat derselbe Verband einen weiteren Mann zum Cheftrainer der türkischen Nationalmannschaft ernannt: Sergen Yalçın, eine Art Legende bei Beşiktaş, sowohl als Spieler als auch als Trainer. Er ist außerdem ein notorischer Zocker, und das sein ganzes Leben lang. Bereits zu seiner Zeit als Spieler Anfang der 2000er Jahre war es ein offenes Geheimnis, dass er ein Glücksspielproblem hatte. Aus dieser Zeit gibt es sogar einen Fernsehauftritt, in dem er frech zugab, auf Fußballspiele gewettet zu haben, und ankündigte, sich künftig auf Pferderennen beschränken zu wollen. Damals waren die Zeiten eben anders: Man sah das eher als Frage der Disziplin. Konsequenzen gab es keine.
Als wäre nichts gewesen
Für so etwas kommt man heute ins Gefängnis. Danach kommt man wieder heraus und spielt weiter, als wäre nichts gewesen. Ende 2025 wurde bekannt, dass Mert Hakan Yandaş von Fenerbahçe über einen Freund hohe Summen auf einen seiner Mitspieler gesetzt hatte. Er wettete immer wieder darauf, dass sein Mitspieler mehr als drei Fouls begehen oder eine Karte bekommen würde, was dieser fast immer tat. Yandaş bestritt zwar alles, doch der Nachrichtenverkehr und die Überweisungen machen die Sache eindeutig.
Man hätte nicht erwartet, dass ein unscheinbarer 32-jähriger Ersatzspieler wie Yandaş nach so etwas noch eine Karriere haben würde. Doch nach vier Monaten im Gefängnis und einer auf sechs Monate reduzierten Sperre kam er vorletzte Woche im größten Derby der Türkei gegen Galatasaray von der Bank. Das zeigt wohl, wie verzweifelt Fenerbahçe derzeit ist.
Dem türkischen Fußball fehlt ein Knopf, den man drücken kann. OASIS steht für „Onlineabfrage Spielerstatus“ und ist ein in Deutschland eingerichtetes Glücksspielpräventionssystem zur Bekämpfung der Glücksspielsucht. Es heilt die Sucht zwar nicht, entzieht Betroffenen aber den Zugang zum Glücksspiel. Und derzeit gibt es in der Türkei viel zu viele Zugänge – von Schiedsrichtern über Verbandsfunktionäre und Trainern bis hin zu Spielern.
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