The Daily Newsstand · Free, Always
Monday, October 26, 2026

Fakten und Fakes – Wie anfällig ist die Schweizer Bevölkerung für Desinformation?

Translate

Ist das Video im Gruppenchat echt? Stimmt diese Behauptung auf Social Media? Zu erkennen, was Fakt und was Fake ist, ist angesichts der Informationsflut schwierig. Eine neue Studie des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich untersucht, wie die Schweizer Bevölkerung mit Desinformation umgeht. Fög-Co-Direktor Mark Eisenegger erklärt, wer besonders anfällig ist.

Mark Eisenegger

Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft

Mark Eisenegger ist Ordinarius für Kommunikationswissenschaften an der Universität Zürich und Leiter des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft, kurz Fög. Seine Forschungsschwerpunkte sind Medienwandel, Qualität der Medien und Wandel der Organisationskommunikation. Er ist Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung IKMZ in Zürich.

Mark Eisenegger auf der Webseite der Uni Zürich

SRF News: Wie anfällig ist die Schweizer Bevölkerung für Desinformation?

Mark Eisenegger: Die Schweizer Bevölkerung ist weder schutzlos noch immun. Es gibt nach wie vor Abwehrkräfte. Zum Beispiel schützt die direkte Demokratie. Gleichzeitig ist eine beträchtliche Anzahl Menschen anfällig für Desinformation. Deshalb können wir sicherlich keine Entwarnung geben.

Der Hauptbefund unserer Studie ist, dass die Nutzung von Qualitätsjournalismus vor Desinformation schützt.

Über welche Kanäle begegnet die Bevölkerung Desinformation?

Am häufigsten nennen die Befragten Social Media. Auch Videoportale wie Youtube werden häufig genannt. An dritter Stelle folgen Messenger-Apps.

Was hat Sie bei den Resultaten der Studie am meisten überrascht?

Überrascht hat mich, dass die News-Deprivierten, also Menschen, die praktisch keinen Journalismus nutzen, signifikant vulnerabler sind. Diese Menschen wissen nicht nur weniger, zum Beispiel über demokratierelevante Vorgänge. Sie sind auch anfälliger für Desinformation.

Bei welchen Themen begegnen die Menschen besonders häufig Desinformation?

Eindeutig bei internationalen Konflikten und Kriegen. Auf dem dritten Rang folgen Themen rund um Celebrities, also Prominente. Dort begegnen die Menschen beispielsweise Deepfakes von bekannten Persönlichkeiten.

Wie prüfen die Befragten, ob Informationen stimmen?

Behördenwebsites sind sehr wichtig. Wer unsicher ist, schaut häufig dort nach. Erstaunt hat uns, dass journalistische Faktenchecks nicht wahnsinnig bedeutungsvoll sind. Aber wenn man fragt, was künftig stärker gegen Desinformation unternommen werden sollte, werden Faktencheck-Seiten häufig genannt. Hier scheint es im Journalismus Aufholbedarf zu geben.

Traditionelle Medien geniessen mehr Vertrauen als Social Media. Besonders gut schneidet das Radio ab. Warum?

Wir beobachten schon länger, dass sich der Vertrauensgap zwischen traditionellen Nachrichtenmedien einerseits und Suchmaschinen sowie Social Media andererseits verstärkt. Das Radio schneidet auch deshalb sehr gut ab, weil es eine sehr gute Qualität bietet. Internationale Untersuchungen zeigen: Wo es einen unabhängigen öffentlichen Rundfunk gibt, erzielt das Radio regelmässig gute Werte, insbesondere bei Professionalität und Sachgerechtigkeit. Das dürfte das hohe Vertrauen erklären.

Frau hält ein Smartphone in der Hand und liegt auf dem Bett.
Legende: Nachrichtenmedien wird in der Schweiz mehr Vertrauen entgegengebracht, Social Media und Suchmaschinen immer weniger. KEYSTONE/DPA/Elisa Schu

Die SRG muss bekanntlich sparen. Was bedeutet das vor dem Hintergrund der Desinformation?

Der Hauptbefund unserer Studie ist, dass die Nutzung von Qualitätsjournalismus vor Desinformation schützt. Dazu tragen die SRG-Nachrichtenmedien zusammen mit privaten Qualitätsangeboten zentral bei. Der Abbau bei der SRG schwächt deshalb diese demokratische Schutzressource. Wir müssen unbedingt schauen, dass dieser Abbau nicht noch weitergeht. Und auch private Qualitätsmedien brauchen Ressourcen. Wir sehen immer deutlicher, dass der Qualitätsjournalismus in der Schweiz eine absolut demokratische, relevante Variable ist. Dazu müssen wir mehr Sorge tragen.

Das Gespräch führte Daniel Hofer.

Illustration eines Computerbildschirms mit einem grossen roten Vergrösserungsglas über dem Wort 'Fake'.
Legende: SRF

Sind Bilder wirklich im Zusammenhang mit einem News-Ereignis entstanden oder zweckentfremdet worden? Ist das süsse Tiervideo aus dem Gruppenchat echt? Und stammt dieses Zitat wirklich von einer Politikerin?

Fake-News und KI-Videos sind omnipräsent und nicht immer einfach durchschaubar. Das Netzwerk Faktencheck von SRF überprüft alle zwei Wochen Ihre Anfragen und unterzieht einige von ihnen einem Faktencheck. Senden Sie hier Ihren Input ein. Hier finden Sie alle Faktenchecks von SRF.

View the original on SRF News →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.