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Sunday, October 25, 2026

Umnutzung – 125 Jahre Basler Pauluskirche: Vom Gotteshaus zum Kulturzentrum

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Die Basler Pauluskirche feiert dieses Jahr ihren 125. Geburtstag. Seit fünf Jahren dient sie nicht mehr als klassische Kirche, sondern hat sich als Kultur- und Veranstaltungsort etabliert. Zum Jubiläum zieht Leiter David Rossel eine positive Bilanz: Die Kulturkirche habe sich als Treffpunkt etabliert.

Ein Highlight? Ein Chor-Event und ein Public Viewing im Rahmen des ESC‑Finales. Das war grossartig!

Ein besonderer Publikumsmagnet war die Live-Übertragung des Eurovision Song Contest in Basel mit rund 600 Gästen im Kirchenschiff: «Ein Highlight? Ein Chorevent und ein Public Viewing im Rahmen des ESC‑Finales. Das war grossartig!»


Solche Momente würden zeigen, welches Potenzial der Ort als Begegnungsstätte habe. Dass die Kirche heute wieder voll ist, ist keine Selbstverständlichkeit: Denn den Landeskirchen laufen die Mitglieder davon.

Person mit Brille und dunklem Hemd gestikuliert mit erhobenen Händen, im Hintergrund unscharfe Person.
Legende: David Rossel leitet in Basel mehrere Chöre. Die Leitung der Pauluskirche zu übernehmen, war für ihn die Erfüllung eines grossen Traums. Zvg / Agnieszka Wormus

Für den Kunsthistoriker Johannes Stückelberger, Dozent für Religions- und Kirchenästhetik an den Universitäten Bern und Basel, greift das Wort «Umnutzung» allerdings zu kurz. Er spricht lieber von einer erweiterten Nutzung: «Die Pauluskirche beherbergt noch immer Gottesdienste, aber es gibt neu auch kulturelle Veranstaltungen.» Stückelberger bewertet das Basler Modell als äusserst gelungen: Mit dem Schwerpunkt auf Konzerten schöpfe das heutige Kulturzentrum das räumliche und akustische Potenzial des Sakralbaus voll aus.

Ich war in Schottland in einer ehemaligen Kirche, in der es eine ‹Satan-Bar› gab. Das war eine offene Provokation.

Solche erweiterten Nutzungskonzepte können ganz unterschiedlich aussehen. Selbst eine Bar sei in Kirchen grundsätzlich denkbar, so der Experte: «Ich war in Schottland in einer ehemaligen Kirche, in der es eine ‹Satan-Bar› gab. Das war eine offene Provokation».

Stückelberger rät Kirchgemeinden, ihre Gebäude nicht vorschnell zu verkaufen, sondern zu verpachten. So lasse sich vertraglich sicherstellen, dass das historische Erbe respektiert und zeitgemäss genutzt wird. Schliesslich seien Gotteshäuser wichtige Kulturdenkmäler und Erinnerungsorte, die Städte prägen.

Eine Kirche für die wachsende Stadt

Entstanden ist die Pauluskirche in einer Phase des Umbruchs: Ende des 19. Jahrhunderts wuchs Basel rasant. 1899 genehmigte das Kantonsparlament den Bau für die Kirchgemeinde St. Leonhard. Damals verwaltete der Staat die Kirchengüter noch selbst und finanzierte das Projekt mit rund einer Million Franken vollständig – inflationsbereinigt entspricht dies heute in etwa 46 Millionen Franken.

Den Wettbewerb gewann das Büro Curjel & Moser gegen 56 Konkurrenten. In nur drei Jahren Bauzeit entstand zwischen 1898 und 1901 das Gotteshaus, um das herum sich das Paulus-Quartier erst entwickelte. Karl Moser prägte später als ETH-Professor die Schweizer Architektur massgeblich.

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  • Bild 1 von 5. Das Kunsthaus Zürich am Heimplatz zählt zu den bedeutendsten Werken des Architekten Karl Moser. Das 1910 eröffnete Gebäude feierte 2010 sein 100-jähriges Bestehen. Bildquelle: Keystone/Walter Bieri.

  • Bild 2 von 5. Besucherinnen betrachten im Kunsthaus Zürich ein Modell der von Karl Moser entworfenen Erweiterung der Universität Zürich. Die Ausstellung zeigte Ende 2010 zahlreiche Zeichnungen, Modelle und Entwürfe des Architekten. Bildquelle: Keystone/Walter Bieri.

  • Bild 3 von 5. Der Badische Bahnhof in Basel während der Sanierung seines markanten Turms im Oktober 1975. Das Bahnhofsgebäude zählt zu den bekanntesten Werken des Architektenduos Robert Curjel und Karl Moser. Bildquelle: Keystone/Photopress-Archiv.

  • Bild 4 von 5. Die Antoniuskirche in Basel gilt als Meilenstein der modernen Architektur. Karl Moser errichtete den Bau zwischen 1925 und 1927 als erste reine Betonkirche der Schweiz. Das damals umstrittene Gotteshaus markiert einen deutlichen Bruch zu seinen früheren Werken wie der Pauluskirche. Bildquelle: Keystone/Georgios Kefalas.

  • Bild 5 von 5. Die Villa Boveri in Baden zählt zu den bekanntesten Werken des Architekturbüros Curjel & Moser. Die Aufnahme zeigt die historische Parkanlage mit ihrem Landschaftsgarten und dem neubarocken Terrassengarten im September 2019. Bildquelle: Keystone/Christian Beutler.

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Während die Pauluskirche noch von Historismus und Jugendstil geprägt ist, wandte sich Moser später radikal der Moderne zu. Sein bekanntestes Spätwerk ist die Basler Antoniuskirche (1925–1927) – der erste reine Sichtbetonbau der Schweiz, im Volksmund damals spöttisch «Seelensilo» genannt.

Um Moser rankt sich auch eine bis heute in Basel häufig erzählte Anekdote. Der Architekt soll die Pauluskirche rückblickend wenig geschätzt haben. Der Legende nach fuhr er mit seinen ETH-Studenten jeweils einen Umweg zur Antoniuskirche, um nicht an seinem früheren Werk – der Pauluskirche – vorbeikommen zu müssen. Ob die Geschichte stimmt, ist ungewiss.

Während Mosers Bauten einst die Gemüter spalteten, stehen heutige Kirchgemeinden vor einer anderen Frage: Wie lassen sich grosse Sakralräume sinnvoll mit Leben füllen, wenn Gläubige ausbleiben? Die Pauluskirche reiht sich ein in ähnliche Projekte.

Auch andere Basler Kirchen werden umgenutzt: Die Offene Kirche Elisabethen dient als Kultur- und Begegnungsort, die ehemalige Kirche Don Bosco als Musikzentrum.

Regionaljournal Basel, 20.10.2026, 17:30 Uhr ;  girh;buec;liea

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