Anthropic: Claude übernimmt immer mehr Arbeit an eigener Weiterentwicklung
Nach Angaben von Anthropic kann Claude inzwischen rund ein Viertel der eigenen Forschungs- und Entwicklungsarbeit (F&E) weitgehend selbstständig übernehmen. Im Februar lag dieser Anteil noch bei unter einem Prozent. Die Angaben stammen aus einem Beitrag, in dem Anthropic den Stand der Automatisierung misst und Kennzahlen vorschlägt, mit denen sich die weitere Entwicklung systematischer verfolgen und unabhängig überprüfen lässt.
Anthropic verwendet dafür eine Skala von AL0 bis AL5, wobei AL für das Automatisierungslevel steht. Bei AL3 arbeitet die KI eng mit einem Menschen zusammen. Mehr als 90 Prozent der untersuchten F&E-Arbeit erreichen laut Anthropic inzwischen mindestens diese Stufe. AL4 bedeutet, dass Claude den Großteil einer Aufgabe anhand eines übergeordneten Auftrags selbstständig von Anfang bis Ende erledigen kann. Diese Stufe erreichen inzwischen 26 Prozent. Die höchste Stufe AL5 steht für vollständig autonome Arbeit. Sie erreicht Claude bislang in keinem gemessenen Bereich.
So misst Anthropic den Automatisierungsgrad
Anthropic nennt das dahinterstehende Messverfahren „R&D Automation Index“. Grundlage sind rund 15.000 F&E-Aufgaben aus einer Stichprobe im Juli 2026. Diese wurden nach Art der Tätigkeit zu Kategorien zusammengefasst, die jeweils einer Stufe von AL0 bis AL5 zugeordnet wurden. Kategorien, auf die mehr menschliche Arbeitszeit entfällt, werden stärker berücksichtigt. So entsteht ein gewichteter Arbeitskorb, der die F&E-Arbeit bei Anthropic abbilden soll.
Die 26 Prozent bei AL4 bedeuten daher nicht, dass Claude 26 Prozent aller erfassten Aufgaben übernimmt. Sie beziehen sich auf den Anteil dieses gewichteten Arbeitskorbs, der nach Anthropics Bewertung AL4 erreicht. Bei der Einordnung ist außerdem zu beachten, dass Anthropic eigene Claude-Modelle für die Erhebung, Strukturierung und Bewertung der Daten einsetzt. Das Unternehmen bezeichnet den Index selbst als Prototyp und hält eine unabhängige Überprüfung der Methode für sinnvoll.
Übersicht der von Anthropic gemessenen Automatisierungsstufen von August 2025 bis August 2026.
(Bild: Anthropic)
Anthropics Beitrag enthält auch noch andere Kennzahlen. Auf der meistgenutzten internen Plattform sollen im August zeitweise rund 30.000 F&E-Agenten gleichzeitig aktiv gewesen sein. Ihre Aktionen werden vor der Ausführung automatisch kontrolliert. Nach Angaben des Unternehmens blockierte das System bei mehr als einer Milliarde überprüften Entscheidungen etwa eine von 47.000. Auch den Rechenaufwand für Sicherheitsarbeit beziffert Anthropic: In einer Stichprobenwoche im Juli flossen rund 6 Prozent der für KI-F&E eingesetzten Rechenleistung in Sicherheitsaufgaben. Bei KI-gestützter KI-F&E lag der Anteil bei rund 12 Prozent.
Auf dem Weg zur rekursiven Selbstverbesserung
Anthropic verfolgt mit solchen Kennzahlen, wie schnell sich KI-Forschung automatisiert und wie nahe seine Systeme einer vollständigen rekursiven Selbstverbesserung kommen. Gemeint ist ein Szenario, in dem KI-Systeme ihre eigenen Nachfolger vollständig autonom entwickeln. Das Unternehmen spricht sich dafür aus, vergleichbare Kennzahlen künftig regelmäßig zu veröffentlichen und unabhängig überprüfen zu lassen.
Dass Claude bereits einen erheblichen Teil der Entwicklungsarbeit übernimmt, hatte Anthropic schon im Juni berichtet. Damals gab das Unternehmen an, dass im Mai mehr als 80 Prozent der in die Produktions-Codebasis aufgenommenen Codezeilen Claude zugeschrieben wurden.
Mit der wachsenden Automatisierung stellt sich die Frage, wie schnell solche Systeme weiterentwickelt werden sollten. Anthropic-Chef Dario Amodei forderte erst kürzlich, das Tempo zu drosseln, und warnte vor einem möglichen Kontrollverlust über zunehmend autonome Systeme.
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