Fakultät misstraut Führung: Gruppenvergewaltigung: Weitere Vorwürfe gegen Uni-Leitung

Fakultät misstraut FührungGruppenvergewaltigung: Weitere Vorwürfe gegen Uni-Leitung
07.11.2026, 11:56 Uhr
Eine Studentin der Cornell-Universität berichtet von einer Gruppenvergewaltigung. Doch die mutmaßlichen Täter kommen mit milden Strafen davon. Erst eine Zivilklage der Frau rückt den Fall wieder in den Fokus. Nun erhöht sich der Druck auf die Leitung der Elite-Uni.
Wegen des Umgangs mit der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der Cornell-Universität im US-Bundesstaat New York haben Mitglieder der Fakultät der Leitung der Elitehochschule ihr Misstrauen ausgesprochen. Die Fakultät habe "kein Vertrauen in die Fähigkeit der zentralen Verwaltung, die anhaltende Krise im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen an der Cornell University wirksam anzugehen", hieß es in einer am Freitag mit klarer Mehrheit verabschiedeten Entschließung.
Viele Fakultätsmitglieder seien von den Studentinnen und Studenten der Universität angesprochen wurden, weil diese verärgert seien und um ihre persönliche Sicherheit fürchteten. Sie "wollen, dass unsere Universität das seit Langem bestehende Problem sexueller Übergriffe auf dem Campus angeht", heißt es in dem Schreiben. Die Entschließung ist nicht bindend, hat jedoch eine hohe symbolische Bedeutung. Kritiker werfen der Führung der renommierten Hochschule vor, nach dem Vorfall zu nachsichtig mit den Verdächtigen umgegangen zu sein.
Noch am selben Tag antwortete das Kuratorium auf das Misstrauensvotum des Fakultätssenats: "Das Kuratorium ist weiterhin zuversichtlich, dass Präsident (Michael) Kotlikoff und seine Verwaltung die richtigen Führungskräfte sind, um das schwerwiegende Problem sexueller Übergriffe auf unserem Campus umsichtig und umfassend anzugehen."
Eine frühere Studentin der Cornell-Universität hatte angegeben, im Oktober 2024 von Mitgliedern der Studentenverbindung Chi Phi zur Einnahme des Narkosemittels Ketamin gedrängt und von sieben Mitgliedern der Verbindung sexuell missbraucht und vergewaltigt worden zu sein. Die zuständige Staatsanwaltschaft entschied damals, die Verdächtigen nicht vor Gericht zu stellen. Die Cornell-Universität verbot die Studentenverbindung nach den Vorwürfen, verwies aber nur einige der Beteiligten der Hochschule. Der Fall sorgte landesweit für Proteste.
Anklägerin aus "Diddy"-Prozess leitet Ermittlungen
Nach einer Zivilklage des mutmaßlichen Opfers gegen die Universität im September nahm die Bezirksstaatsanwaltschaft die Ermittlungen in dem Fall wieder auf. Geleitet werden sollen diese von der ehemaligen Staatsanwältin Jacqueline Kelly. Kelly besuchte einst selbst die renommierte Cornell-Universität. Unter ihrer Aufsicht war der US-Rapper Sean "Diddy" Combs 2025 in einem aufsehenerregenden Prozess wegen Sexualstraftaten verurteilt worden.
Die Universität gab eine unabhängige Untersuchung ihres Umgangs mit dem Fall in Auftrag. Der Präsident der Universität, Michael Kotlikoff, setzte als eine von mehreren vorläufigen Maßnahmen Feiern von Studentenverbindungsfeiern auf dem Campus für den Rest des akademischen Jahres aus.
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