Kompostierbare Kaffeekapseln – Keine Nachfrage: Nespresso stellt Kaffeekapseln aus Papier ein

- Nespresso nimmt seine kompostierbaren Kaffeekapseln aus Papier vom Markt.
- Die Nestlé-Tochter stellt das erst vor wenigen Jahren eingeführte Sortiment wieder ein.
- Grund dafür sind Probleme bei der begrenzten Haltbarkeit und beim «allgemeinen Produkterlebnis», wie Nespresso mitteilt.
Nespresso sei daher heute mehr denn je überzeugt, dass Aluminium die beste Wahl sei, um Geschmack und Aroma des Kaffees zu schützen, sagte eine Sprecherin und bestätigte damit einen Medienbericht der «Bilanz».
«Die Papierkapseln stiessen bei den Kundinnen und Kunden auf wenig Begeisterung», sagt SRF-Wirtschaftsredaktorin Lucia Theiler. Offenbar bereitete die Handhabung der Kapseln Schwierigkeiten, möglicherweise auch der darin enthaltene Kaffeegeschmack.
Viel Werbegeld investiert
Die kompostierbaren Kapseln waren 2023 nach drei Jahren Entwicklungsarbeit als Pilotprojekt lanciert worden und bestanden zu 82 Prozent aus Papier. Getestet hatte Nespresso die Kapseln in 14 europäischen Märkten.
Nach dem Öffnen der Verpackung empfahl Nespresso, sie innerhalb von vier Wochen zu verbrauchen. Aluminiumkapseln schützen den Kaffee laut dem Unternehmen dagegen bis zu einem Jahr vor Licht, Luft und Feuchtigkeit.
Verloren gehen viel Werbegeld und Entwicklungskosten für dieses ganze Projekt.
Nespresso, das zu Nestlé gehört, erwirtschaftet rund sechs Milliarden Franken Umsatz im Jahr. Die Papierkapseln dürften da nicht stark ins Gewicht fallen. «Verloren gehen aber viel Werbegeld und Entwicklungskosten für dieses ganze Projekt», sagt Theiler.
Umweltbilanz laut Nestlé vergleichbar
Einen Rückschritt bei der Nachhaltigkeit sieht Nespresso darin nicht. Laut einer vom Unternehmen in Auftrag gegebenen Lebenszyklusanalyse ist der CO₂‑Fussabdruck praktisch gleich. Für eine Tasse Espresso werden bei der Papierkapsel 79 Gramm CO₂‑Äquivalente veranschlagt, bei der Aluminiumkapsel 81 Gramm.
Statt auf Papier will das Unternehmen nun stärker auf das Recycling von Aluminium setzen. Dabei sollen die Kapseln zunehmend über die normalen Sammelsysteme entsorgt werden können.
In Frankreich könnten mittlerweile 80 Prozent der Bevölkerung Nespresso-Kapseln über die reguläre Wertstoffsammlung recyceln, erklärte die Sprecherin. In der Schweiz liege die Recyclingquote der Kapseln für den Heimgebrauch bei 73 Prozent. Das Unternehmen will sich nun darauf konzentrieren, diese Quote weiter zu erhöhen.
Alternativen erhältlich
Ganz verschwunden sind die Nespresso-Papierkapseln in der Schweiz noch nicht. In einzelnen Nespresso-Boutiquen dürften sie je nach Abverkauf noch etwa einen Monat lang erhältlich sein.
Wer trotzdem auf kompostierbare Kapseln setzen will statt auf Alu, findet diese bei anderen Anbietern. Die Migros etwa stellt Kaffeebälle her, die kompostierbar sind. Und auch bei Aldi, Lidl, Gebana und anderen Detailhändlern gibt es kompostierbare Kapseln. «Bei jeder Kapsel muss jedoch überprüft werden, ob sie wirklich in der Grünabfuhr entsorgt werden kann», sagt Lucia Theiler.
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