50 Jahre kult.kino Basel – Vom Filmclub-Saal zu einem der letzten Lichtspielhäuser in Basel

Die frühere Basler Top-Kino-Meile Steinenvorstadt gibt es nicht mehr: Fast alle traditionellen Lichtspielhäuser sind Restaurants, Läden oder Büros gewichen – nur eines, das Kinokoni, hat als Boutique-Kino wiedereröffnet, und das Küchlin wird ab und zu noch als Kino bespielt.
Kinoleinwände hat es in Basel noch, aber anderswo, etwa in einem Multiplex, dem Arena am Stadtrand beim Hafen. Zudem hat das «kult.kino» sieben Säle an zwei Standorten: dem Kino Atelier am Theaterplatz und dem Kino Camera beim Claraplatz. Das Kult-Unternehmen hat jetzt Grund zum Feiern; es hat 50 Jahre überlebt.
Dass das kult.kino als frühere Filmliebhaber-Adresse heute mit vielen gut besuchten Vorstellungen die Gläser klirren lassen kann, ist in Zeiten boomender Filmstreamings nicht selbstverständlich. In Basel drückt überdies die billigere Konkurrenz gleich nebenan in Deutschland.
Als unabhängige Firma mit Arthouse-Fokus habe sich das kult.kino eine starke Marke aufgebaut, sagt Co-Geschäftsführerin Gini Bermond. Diese leistet sich sogar eine eigene Streamingplattform, um sehr nischige Filme zugänglich zu machen.
Bewegte Geschichte mit verschwundenen Kinos
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1976 Die Studiokino AG entsteht: Zusammen mit dem 1931 gegründeten Filmclub Le Bon Film bezieht sie einen festen Standort im Cinéma Maxim beim Claraplatz unter dem Namen Kino Camera.
1979 Am Theaterplatz eröffnet die Studiokino AG das neue Kino Atelier als Bestandteil der Gesamtüberbauung «Neues Stadttheater».
1993-1994 Die Studiokino AG übernimmt die beiden Kinos Club am Marktplatz und Movie beim Claraplatz.
1998 Das Stadtkino Basel wird eröffnet und übernimmt den Filmclub Le Bon Film. Nun wird das Kino Camera von der Studiokino AG alleine betrieben.
2002 Die Kinos Camera, Atelier, Club und Movie schliessen sich zu einer Firma zusammen: zur kult.kino ag.
2015 Das Kino Atelier wird von drei auf fünf Säle erweitert, mit Kinobar, Lounge und Aussenbereich. Die Kinos Club und Movie werden geschlossen.
(Quelle: Homepage kult.kino AG)
Während veränderte Freizeitgewohnheiten die Kinolandschaft tief umpflügten, hat die Digitalisierung wirtschaftlich neue Perspektiven gebracht.
Früher konnten sich etwa nur wenige Kinos teure Kopien der Top-Filme leisten – teils gab es nur eine Rolle für Basel. Heute zeigt man zudem Filme ohne Personal an Projektoren, die Rollen wechseln müssen.
Gastro-Einnahmen für cineastische Perlen
Angepasst hat das kult.kino auch sein Programm, um dank Blockbuster-Einnahmen weiter auch Nischen-Filme zeigen zu können. Die meisten Filme bringen Verluste, und auch mit Rennern wie «Heldin» letztes Jahr geht die reine Kino-Rechnung kaum auf.
So wurde daneben die Pausenverpflegung zum einträglichen Bar- und Gastro-Angebot ausgebaut, das beim Atelier auch viele Gäste bedient, die keinen Film anschauen.
Schweizer Filme machen laut Bermond den Grossteil des Programms aus; wichtig seien auch französische Filme. Und von den Basler Filmproduktionen zeigten sie fast alle.
Als lokale Firma könnten sie ihr Publikum – mehr Frauen als Männer – besser einschätzen als Grosskonzerne. Was ankommt, da gebe es tatsächlich Unterschiede zwischen Basel und Zürich.
Pro Cinema: Kino-Betriebe stabil
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Laut Ivette Djonova, Generalsekretärin des Schweizer Dachverbands Pro Cinema, gibt es derzeit insgesamt 193 Kinounternehmen mit 261 Sälen plus 620 Bildschirmen. Die Anzahl Kinos sei seit ein paar Jahren sehr stabil geblieben; Bildschirme nähmen zu.
Neben der 50-jährigen kult.kino ag in Basel nennt sie noch ein paar andere langjährige Betriebe: So hat die Sterk Ciné AG in Baden Wurzeln in Zürich, die bis 1899 zurückreichen. Die Thuner Kinobetriebe Marti blicken auf rund 70 Jahre Firmengeschichte zurück. Ebenfalls zu den traditionsreichen Schweizer Firmen gehören Cinévital und Cinépel von Yaël Epelbaum mit Kinos in Biel, Neuenburg und La Chaux-de-Fonds.
Erkennbar sei ein Trend zu Event-Kinos, sagt Djonova, zum Beispiel Grillabende, Frauen- oder Männer-Veranstaltungen, oder Themenanlässe wie Strick-Kino: «Das ist enorm beliebt.» Solange gute Filme produziert werden, mache sie sich jedenfalls keine Sorgen, dass die alte Mär eintreffe, dass das Kino sterbe.
Wichtig für das Überleben des kult.kinos war, dass es – als Liebhaberprojekt gegründet – nie jemanden reich machen sollte. Anfangs strichen sich Aktionäre gar einen Grossteil des Kapitals ans Bein, damit ihr Kino durchkam. Heute hat es nicht nur eine breite Trägerschaft mit rund 150 Aktionärinnen, sondern auch einen Unterstützungsverein mit 430 Mitgliedern.
Wir reinvestieren jeden Gewinn wieder ins Programm. Das ist einzigartig in der Schweiz.
Co-Geschäftsführer Tobias Faust ist stolz, dass es «gelungen ist, sich die ganzen 50 Jahre lang tatsächlich privat zu finanzieren über das Publikum». Sie seien zwar eine Aktiengesellschaft, aber dürften keine Dividenden ausschütten. «Alles, was wir wirtschaftlich machen, reinvestieren wir wieder ins Programm. Und das ist relativ einzigartig in der Schweiz.»
Heute mache just die allgegenwärtige neue Technik den Kinobesuch attraktiv, sagt Bermond: «Gerade in der digitalisierten Welt heute: sich zurückziehen und fokussieren auf ein Thema.» Das werde künftig wohl noch mehr geschätzt, denn im Kinosaal sei das Mobiltelefon ausgeschaltet und man habe nur eine einzige grosse Leinwand vor sich.
Regionaljournal Basel Baselland, 22.09.2026, 17:30 Uhr ; lanr;oecc;noes
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