Schutzplätze für Kinder – Sichere Schlafplätze für Kinder: Neue Anlaufstelle in Zürich

«Sie ist in mein Zimmer gekommen, hat auf mich eingeschlagen, ist dann hinausgelaufen und hat eine geraucht. Dann ist sie wieder hereingekommen und hat wieder auf mich eingeschlagen.» Zwei bis drei Stunden habe die Gewalt gedauert. Es war ein Moment, der Selina (Name geändert) zur Flucht von Zuhause bewegte.
Selina suchte Ende letztes Jahr Schutz im Schlupfhuus, einer Kriseninterventionsstelle in der Stadt Zürich – zu heftig eskalierten jeweils die Auseinandersetzungen mit ihrer Mutter. Im Schlupfhuus fand die 18-Jährige einen sicheren Schlafplatz und ein psychologisches Betreuungsangebot.
Hunderte Kinder müssen abgewiesen werden
Selinas Schicksal ist kein Einzelfall. So wie ihr ergeht es vielen jungen Menschen. Aber: Nicht alle haben das Glück, einen Platz im Schlupfhuus zu bekommen und dort eine Weile wohnen zu können.
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Bild 1 von 4. Das Schlupfhuus hat mitten in der Stadt Zürich einen zweiten Standort eröffnet. Bildquelle: SRF / Pascal Kaiser.
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Bild 2 von 4. Kinder und Jugendliche in Not erhalten hier einen sicheren Schlafplatz. Bildquelle: SRF / Pascal Kaiser.
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Bild 3 von 4. Zudem erhalten sie Hilfe von Fachpersonen, um die Situation zu Hause zu verbessern. Bildquelle: SRF / Pascal Kaiser.
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Bild 4 von 4. Im Durchschnitt bleiben Kinder und Jugendliche beinahe zwei Monate im Schlupfhuus. Bildquelle: SRF / Pascal Kaiser.
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«Wir haben jedes Jahr etwa 200 Kinder, bei denen wir das Gefühl haben, sie bräuchten einen Schutzplatz, wir aber kein Bett zur Verfügung stellen können», sagt Schlupfhuus-Leiter Lucas Maissen. Die Zahl abgewiesener Kinder habe sich in nur wenigen Jahren verdoppelt.
Als Reaktion auf diesen Notstand wurde Anfang Juni mitten in Zürich ein zweites Schlupfhuus eröffnet – mit sieben zusätzlichen Schlafplätzen speziell für Kinder zwischen zehn und vierzehn Jahren.
Wir haben jedes Jahr etwa 200 Kinder, denen wir kein Bett zur Verfügung stellen können.
Das Angebot ist niederschwellig gehalten. Kinder oder Jugendliche können sich einfach melden oder vorbeikommen. Eine Zuweisung durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde braucht es nicht. Maissen sagt: «Die, die Hilfe brauchen, können nach einem ersten Austausch bei uns einziehen.»
Kinder, Eltern, Fachleute: Alle sind involviert
Sobald ein Kind sicher im Schlupfhuus untergebracht ist, werden die Eltern telefonisch informiert. Der genaue Ort wird aus Schutzgründen manchmal geheim gehalten. «Es gibt natürlich Situationen, in denen die Kinder und Jugendlichen Schutz benötigen», sagt Maissen. «Wir haben ein Schutzdispositiv.»
Es gebe aber auch Situationen, so Maissen, in denen man das Vertrauen zu den Eltern aufbauen könne und sie froh seien, dass auch sie unterstützt würden. Kinder, Eltern und Fachpersonen müssten gemeinsam nachhaltige Lösungen suchen, um die Situation zu Hause zu verbessern.
Kinder und Jugendliche melden zunehmend Gewalt in der Familie. Dazu hat die Stiftung Pro Juventute im letzten Jahr jeden Tag 22 Beratungen über ihre Hotline 147 durchgeführt. Im Jahr 2021 waren es noch sieben bis acht Beratungen. Dies entspricht einer Verdreifachung der Fälle in nur fünf Jahren. Die zunehmenden Meldungen an Fachstellen und die in Spitälern registrierten Misshandlungsfälle unterstreichen den Handlungsbedarf. Gleichzeitig gehen Fachpersonen auch von einer hohen Dunkelziffer aus.
Im Durchschnitt bleiben Kinder und Jugendliche fast zwei Monate im Schlupfhuus. Die Wege danach sind unterschiedlich: Rund 40 Prozent kehren wieder nach Hause zurück, werden dabei aber sozialpädagogisch unterstützt. Andere gehen ins Heim, wieder andere in eine betreute Wohnform.
Selina hat die innere Ruhe gefunden
Für Selina war die Zeit im Schlupfhuus ein Wendepunkt. «Ich habe die Zeit als sehr hilfreich empfunden», erzählt sie. Sie habe gelernt, eigene Entscheidungen zu treffen, habe aber jederzeit Unterstützung erhalten, wenn sie diese benötigt habe.
Heute lebt Selina betreut in einer eigenen Wohnung und hat, wie sie sagt, ihre «innere Ruhe gefunden – ohne Streit und ohne Angst».
Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 2.10.2026, 6:31 Uhr ; kaip;gygm;wilh
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