DGB nennt Beitragserhöhung für Kinderlose diskriminierend
In der Pflegeversicherung sollen Kinderlose ab dem 1. Januar mehr bezahlen.
30.09.2026 | 1:49 minDie Kritik an der von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) geplanten Pflegereform reißt nicht ab. Vor allem die Erhöhung der Beiträge für Kinderlose um 0,3 Prozentpunkte stößt auf Widerstand.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert, dass Kinderlose überproportional belastet würden. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagt ZDFheute: "Jetzt werden wieder die Kinderlosen mit höheren Beiträgen dafür zur Kasse gebeten, dass sie - aus welchen Gründen auch immer - keine Kinder haben. Und weiter:
Damit werden kinderlose Menschen nicht nur ohne Not diskriminiert. Diese höheren Beiträge zahlen sie ausschließlich ohne Beteiligung der Arbeitgeber.
Anja Piel, Deutscher Gewerkschaftsbund
- Kinderlose sollen noch höhere Beiträge für die Pflege zahlen
- Das Milliardenloch der Pflege - und für wen es teurer wird
Das ist "ein erster wichtiger Schritt heute gewesen, der reicht aber nicht aus, um die Pflegeversicherung für die 30er Jahre fit zu machen", so Bundesgesundheitsminister Linnemann.
30.09.2026 | 6:20 minQueerer Verband warnt vor Benachteiligung Kinderloser
Ähnlich äußert sich auch der Verband Queere Vielfalt. Die geplante Erhöhung des Beitrags für Kinderlose betreffe Menschen, die keine Kinder bekommen können oder deren Möglichkeiten zur Familiengründung erheblich eingeschränkt seien, sagt Angela Hermann, Mitglied des Bundesvorstands.
Keine Kinder zu haben könne schwule Männer ebenso betreffen wie auch lesbische, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen.
Sie könnten aufgrund ihrer Lebenssituation, biologischer Voraussetzungen oder bestehender rechtlicher Rahmenbedingungen vor besonderen Hürden bei der Familiengründung stehen. Hermann sagt ZDFheute:
Ihnen anschließend ihre Kinderlosigkeit durch höhere Sozialversicherungsbeiträge zusätzlich finanziell anzulasten, kann bestehende strukturelle Benachteiligungen verstärken.
Angela Hermann, Bundesvorstand LSVD+ Verband Queere Vielfalt
Bis zuletzt hatten Union und SPD um eine Pflegereform gerungen, nun wurde sie im Bundeskabinett verabschiedet. Eine tiefer greifende Reform verschob die Regierung aber auf 2027.
30.09.2026 | 2:29 minPflegebeitrag für Kinderlose soll auf 4,5 Prozent steigen
Zuvor hatte bereits der Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse DAK-Gesundheit, Andreas Storm, die Pläne kritisiert. Kinderlose würden durch die Reform mit 3,3 Milliarden Euro pro Jahr belastet. Storm sagte der "Rheinischen Post":
Mehr als die Hälfte des Konsolidierungsvolumens entfällt damit auf Kinderlose.
Andreas Storm, DAK-Gesundheit
Storm moniert, dass Kinderlose statt 4,2 Prozent bald 4,5 Prozent des Bruttolohnes für die Pflegeversicherung zahlen sollen, während der Beitrag für Versicherte mit Kindern bei 3,6 Prozent liege. Weiter dürfe die Spreizung der Beiträge nicht gehen.
Verfassungsrechtlich sind wir hier bereits in einer bedenklichen Dimension angekommen.
Andreas Storm, DAK-Gesundheit
Befürworter für höhere Beiträge von Kinderlosen argumentieren, dass Eltern entlastet werden sollen - unter anderem deswegen, weil sie Kinder erziehen und dadurch die Sozialsysteme erhalten.
Einigung zwischen Union und SPD: Nach wochenlangen Verhandlungen beschließt das Kabinett die Pflegereform. Was die Reform konkret vorsieht, analysiert ZDFheute live.
30.09.2026 | 30:03 minWoran es ebenfalls Kritik gibt
Zusätzlich hält die Kritik aus der SPD an, weil die bisherigen Pläne keinen sogenannten Pflegedeckel enthalten, also einen Deckel für die Eigenanteile Pflegebedürftiger.
Dieser hätte nach Einschätzung von Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) auch die Kommunen entlastet. Die Länder müssten das Gesetz im Bundesrat stoppen und zunächst in den Vermittlungsausschuss schicken, sagte Jung den Funke Mediengruppen.
Gesundheitsminister Linnemann hatte angekündigt, strittige Fragen teils in einer Kommission zu besprechen, die kommende Woche eingesetzt werden soll.
ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann berichtet, wie das mit der Einigung jetzt noch geklappt hat und wie die Regierung jetzt dasteht.
30.09.2026 | 1:20 minKredit von bis zu 700 Millionen Euro
Am Freitag war außerdem bekannt geworden, dass der Bund die Pflegeversicherung mit einem zusätzlichen Kredit in Höhe von bis zu 700 Millionen Euro unterstützen muss. Andernfalls droht die Zahlungsunfähigkeit.
Das geht aus einem Schreiben des Finanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags hervor. Darin heißt es, dass die Kassen noch in diesem Jahr ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen könnten, sollte es keine zusätzlichen Mittel geben.
Über dieses Thema berichtete das ZDFheute journal am 30.09.2026 ab 21:45 Uhr.
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