DIY-Kamera auf Raspi-5-Basis: 3D-gedruckt und komplett hackbar
Gesperrte Firmware, überteuerte Spezialmodelle und nicht reparierbare Gehäuse brachten den kanadischen Fotografen und Maker Malcolm-Jamal Wilson dazu, seine eigene Digitalkamera zu bauen. Die WLV-01 lässt sich komplett selbst drucken und per Python-Code anpassen, als Herzstück dient ein Raspberry Pi 5. Wer mit 3D-Druck etwas Erfahrung habe, könne den Bausatz an einem Wochenende zusammenbauen, sagt Wilson. Die Anfang September gestartete Kickstarter-Kampagne hatte bereits nach 18 Minuten die Zielsumme erreicht.
Wilson verkauft die Kamera seit November 2025 als Bausatz und fertig montiert und stellte sie diesen Sommer auf der Maker-Messe Open Sauce vor. Er setzt bewusst auf leicht verfügbare Komponenten. Das Gehäuse lässt sich auf jedem handelsüblichen 3D-Drucker aus HTPLA-Filament fertigen und 18650-Zellen liefern den Strom für zwei bis drei Stunden. Über ein Sony-E-Bajonett lassen sich manuelle Objektive von C-Mount über M42 bis Leica M per Adapter anschließen. Auch die Bildsensoren sind tauschbar und reichen vom 1/1,2-Zoll-Format bis zu Micro-Four-Thirds-Modulen, jeweils als Farb- und Monochromvariante.
(Bild: Malcolm-Jamal Wilson / Kickstarter)
Bewusst ohne Autofokus
Die Kamera verzichtet auf Autofokus und zeigt aufgenommene Bilder nicht auf dem 4-Zoll-Display an, um das ständige Kontrollieren nach jedem Foto zu unterbinden. „The closest thing to a true digital film experience that I've ever had“, urteilte Alberto Lima vom Fotomagazin The Phoblographer, das der Kamera 4 von 5 Punkten gab. Nutzer modifizieren den Objektivanschluss für Leica-M-Glas oder passen die Software für Langzeitbelichtungen an.
Die Python-basierte Software auf Basis von Picamera2 und libcamera bringt eingebaute Filmsimulationen mit, darunter Ilford Delta 400 und Kodak Tri-X 400. Eigene LUT-Dateien (Farbtabellen für Filmsimulationen) lassen sich über eine Web-Oberfläche laden, die auch als drahtloser Tether für Studiofotografie dient. Video zeichnet die WLV-01 in 1080p und 4K mit 24 fps auf.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Google Ireland Limited) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Hackbar aber nicht Open Source
Trotz des hackbaren Ansatzes ist die WLV-01 kein Open-Source-Projekt im eigentlichen Sinne. Weder Software noch STL-Dateien sind frei verfügbar, sie werden nur zusammen mit der Kamera oder als kostenpflichtiges Digital-Paket ausgeliefert. Immerhin lasse sich der Python-Code frei modifizieren, sagt Wilson, und das Gehäuse in beliebigen Farben nachdrucken. Die Raspberry Pi Foundation hat die WLV-01 offiziell als „Powered by Raspberry Pi“-Produkt lizenziert.
Kickstarter-Kampagne weit über Ziel
Die Kickstarter-Kampagne dient laut Wilson der Finanzierung größerer Sensorbestellungen und der FCC-Zertifizierung (Funkzulassung für den US-Markt) der neuen Sensormodule. Mit rund 34.500 Euro hat die Kampagne ihr Ziel von 9.334 Euro mit neun verbleibenden Tagen um das 3,7-Fache übertroffen. Die Digitaldateien zum Selbstdrucken kosten im Shop rund 71 Euro, DIY-Bausätze mit Sensor starten bei 356 Euro, fertig montierte Kameras bei 757 Euro. (mch)
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.