Behördenschreck & Bergsteiger: So tickt der Mann aus Kriegstetten

- Der Solothurner SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann (59) kandidiert für die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin.
- Er machte sich als scharfer Kritiker der Corona-Impfpolitik und als reger Nutzer des Öffentlichkeitsgesetzes einen Namen.
- Vor Gericht erzwang er die Offenlegung der Covid-Impfverträge des Bundes mit Moderna und Novavax.
Kriegstetten ist, anders als es der Name vermuten lässt, eigentlich eine friedliche Gemeinde im Mittelland. Dort, nur rund 100 Meter von der Autobahn weg, wohnt Rémy Wyssmann in einem Einfamilienhaus mit kleinem Pool.
Doch kämpfen kann der Kriegstetter. Nach Stationen im Gemeinde- und Kantonsparlament wurde er 2023 in den Nationalrat gewählt. Dort hat er sich binnen Kürze als scharfer Kritiker der Corona-Impfpolitik des Bundes hervorgetan.
Alleine sechs Motionen und 15 Eingaben in der Fragestunde listet die Geschäftsdatenbank für das Stichwort «Impfen» auf. Total sind es 124 Fragestunde-Fragen, 19 Motionen, 15 Interpellationen und nicht weniger als acht parlamentarische Initiativen. Er gehört damit zweifellos zu den «Fleissigen» im Parlament.
Doch Wyssmann kämpft nicht nur im Parlament. Der Anwalt und Notar gilt als einer der regsten Nutzer des Öffentlichkeitsgesetzes – neben den Bundeshausjournalistinnen und ‑journalisten. Und durch dieses Mittel gelang ihm auch einer seiner grössten Erfolge: Vor Gericht erzwang er die Offenlegung der Covid-Impfverträge des Bundes mit Moderna und Novavax.
Neben seinem Kampf rund ums Impfen engagiert er sich auch gegen hohe Löhne bei Krankenkassenchefs, gegen die EU-Verträge und er verlangt, dass die ehemalige Verteidigungsministerin Viola Amherd persönlich für das Fixpreis-Debakel beim F-35 haften muss.
Anwalt, Vater und Bergsportler
Wyssmann ist 59 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er ist als selbstständiger Anwalt und Notar im Kanton Solothurn tätig. Als Hobby gibt er «Bergsport» an. Doch das ist eine Untertreibung. Wyssmann, der in den sozialen Medien vor allem auf Facebook präsent ist, unternimmt regelmässig Skitouren zu einsamen Berggipfeln und trotzt dabei Wind und Wetter, wie er seine Follower gerne mit breitem Grinsen von einem Bergspitz wissen lässt.
Wyssmann ist gesellig. Meist hat er ein Lachen im Gesicht, wenn er in der Wandelhalle mit Parlamentariern oder Journalisten spricht. Fraglich ist, ob er mit seinem Charme auch die Politikerinnen und Politiker aus den anderen Parteien überzeugen kann, die er bräuchte, um die Wahl in die Landesregierung zu schaffen. Ihm wird nachgesagt, sich mit seiner Kritik an der Corona-Politik des Bundes in die Nähe von Impfskeptikern und Wutbürgern gebracht zu haben, was nicht besonders goutiert wird.
Doch zuerst einmal muss Wyssmann die parteiinterne Nomination überstehen. Gut möglich, dass die Bundesratskandidatur auch einem anderen Zweck dient: dem Sturm aufs Stöckli. Der Kanton Solothurn ist dort aktuell mit Franziska Roth (seit 2023, SP) vertreten und mit Pirmin Bischof (Mitte), der dort schon seit 2011 politisiert und noch nicht bekannt gegeben hat, ob er nächstes Jahr noch einmal antreten will.
Stefan Lanz (sla) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Er ist Bundeshausjournalist mit langjähriger Erfahrung.
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