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Friday, October 30, 2026

«Erst geködert, jetzt über den Tisch gezogen!»

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Solarbesitzer auf den Barrikaden

«Erst geködert, jetzt über den Tisch gezogen!»

Der Bundesrat will die Mindestvergütung für Solarstrom wieder abschaffen – zum Ärger vieler privater Anlagenbesitzer. In der Community ist die Empörung gross: Einige drohen bereits damit, ihren überschüssigen Strom künftig nicht mehr ins Netz einzuspeisen.

Publiziert: vor 22 Minuten

  • Im Zuge des Stromabkommens mit der EU will der Bundesrat die Minimalvergütung für Solarstrom streichen
  • Die Solar Friends appellieren an das Parlament, den Mindestpreis für Solarstrom zu sichern
  • Auch Community wehrt sich gegen Bundesratspläne
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Wer sich in den vergangenen Jahren eine Solaranlage aufs Dach montiert hat, wollte damit nicht nur etwas für die Energiewende tun, sondern auch Stromkosten sparen. Den überschüssigen Strom können Besitzer ins Netz einspeisen und erhalten dafür eine Vergütung. Doch der garantierte Mindestbetrag könnte bald wegfallen: Der Bundesrat will die erst 2024 beschlossene Minimalvergütung für kleine Solaranlagen wieder abschaffen.

Seit Anfang 2026 gilt für Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von bis zu 30 Kilowatt eine Minimalvergütung von sechs Rappen pro Kilowattstunde. Liegt der vierteljährliche Referenzmarktpreis darunter, erhalten die Betreiber die Differenz als Ausgleich. Nun soll dieser Schutz im Rahmen der Umsetzung des geplanten Stromabkommens mit der EU wieder gestrichen werden. Dagegen wehren sich die Solar Friends: Mit einer Petition fordern sie, die Mindestvergütung beizubehalten oder gleichwertig zu ersetzen. Betroffen wären laut der Interessengemeinschaft mehr als 300'000 private Solaranlagenbesitzer.

Solarbesitzer drohen mit Einspeiseboykott

In der Blick-Community sorgen die Pläne des Bundesrats für Unmut. Viele Leserinnen und Leser fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Sie kritisieren, dass private Solaranlagenbesitzer zunächst zum Investieren ermutigt worden seien und nun schlechtere Bedingungen befürchten müssten. Einige kündigen bereits Konsequenzen an: Sie wollen ihren überschüssigen Strom künftig nicht mehr ins Netz einspeisen.

«Wenn dies durchkommt, stelle ich bei mir auf dem Wechselrichter 0 % Einspeisung ein und hoffe, dass alle Solarbesitzer dasselbe machen. Für 0 Rappen gibt es auch 0 kWh», schreibt Marcus Sutter. Auch Urs Wyss kündigt an, die Einspeisung zu stoppen. «Ohne mich! Ich werde ab dem ersten Tag die Einspeisung auf 0 % setzen. Sollte es so weit kommen, dann müssen sich alle Solarbesitzer solidarisieren und nichts mehr einspeisen. Ich bin gespannt, ob das beim Bundesrat etwas bewirken wird», kommentiert er.

Eigenverbrauch wird attraktiver

Andere setzen auf möglichst viel Unabhängigkeit vom Stromnetz. Für Hausi Gerber habe die Einspeisung ohnehin nie im Vordergrund gestanden. «Meine Strategie ist Energieautarkie, und daher war für mich die Einspeisung des PV-Stroms nie ein Argument für meine Anlage. Am liebsten würde ich meine Liegenschaft vom BKW-Netz nehmen. Ich finanziere diesen Staatsbetrieb nicht gern: einmal mit hohen Infrastrukturgebühren in der Stromrechnung und zweitens mit Gratisstrom, den sie von mir nehmen», schreibt er.

Auch Jürg Amacher sieht die Wirtschaftlichkeit privater Solaranlagen gefährdet. «Es entsteht der Eindruck, dass sich Stromproduzenten und weitere Beteiligte – Gemeinden, Städte, Kantone und der Bund – auf Kosten der Konsumenten bereichern. Und nun sollen private Investitionen in PV-Anlagen nicht einmal mehr richtig amortisiert werden können. Unglaublich!», schreibt er. Als Ausweg setzt er auf Batteriespeicher. «Zum Glück werden Batterien immer erschwinglicher. Damit lässt sich mehr selbst produzierter Strom auch selbst nutzen.» Das mache unabhängiger vom Stromnetz und erhöhe den Druck auf die Stromproduzenten, günstigere Preise anzubieten.

Unmut über gebrochene Versprechen

Besonders stört viele Leser der aus ihrer Sicht widersprüchliche Kurs der Politik. Ueli Gerber sieht die Besitzer kleiner Solaranlagen um ihre Investitionen gebracht: «Mit attraktiven Kilowattpreisen und Einbauvergütungen wurde der Solarumstieg eingeläutet und die Liegenschaftseigentümer zu den Investitionen in PV-Anlagen geködert, nun werden diese gründlich über den Tisch gezogen.»

Auch Peter Kaufmann erinnert an frühere Aufrufe des Bundesrats. «Ich habe die flehenden Worte des Bundesrats von 2022 noch im Ohr: Die Privaten sollen helfen und Solaranlagen montieren lassen für die Stromsicherheit.» Dabei sei den Hausbesitzern eine vernünftige Vergütung in Aussicht gestellt worden. Viele seien diesem Aufruf gefolgt und hätten in eine eigene Anlage investiert. «Jetzt, wo dadurch genügend Strom vorhanden ist, will man die Privaten dafür hängen lassen.» Sein Fazit fällt deutlich aus: «Glaube nie, was die Politiker erzählen!»

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