Krankheitsbild Pregorexie – Wenn werdende Mütter krankhafte Angst vor dem Zunehmen haben

Der Begriff Pregorexie, eine Zusammenziehung von «pregnant» und «Anorexie», bezeichnet eine übermässige Fokussierung auf das eigene Körpergewicht während der Schwangerschaft.
Während eine Gewichtszunahme zu einer normalen Schwangerschaft gehört, erleben manche Frauen die Veränderungen ihres Körpers mit grosser Angst: Ein Bauch, der sich rundet, eine Silhouette, die sich verändert, oder Zahlen, die auf der Waage steigen, sind manchmal sehr schwer zu akzeptieren. Bis zu dem Punkt, dass sie ihre Gesundheit und die ihres Kindes gefährden.
Eine strikte Ernährung einhalten, Kalorien zählen, die Mengen reduzieren, Mahlzeiten auslassen oder viel Sport treiben, um diese Gewichtszunahme so weit wie möglich zu begrenzen, sind alles typische Verhaltensweisen einer Pregorexie.
Bis zu 25 Prozent der Frauen betroffen
«Die Pregorexie ist eine Krankheit, die aus klinischer Sicht anerkannt ist, aber nicht als Diagnose im Klassifikationssystem», Carlo Delli Noci, leitender Arzt beim Dienst für Konsiliarpsychiatrie des Waadtländer Universitätsspitals, im Westschweizer Radio und Fernsehen RTS. «Die Fälle nehmen sicherlich zu, aber wir haben noch keine genauen Zahlen.» Bis zu 25 Prozent der Frauen könnten laut Delli Noci betroffen sein.
Eine Schwangerschaft ist nicht nur Glück, sondern verändert den Körper enorm.
Manche von ihnen hätten bereits vor der Schwangerschaft unter Essstörungen gelitten, so der Arzt, aber nicht alle: «Es ist ein Angstphänomen. Man befindet sich sofort in einer Kontrolldynamik», sagt Delli Noci.
Experte Delli Noci erklärt die Dynamik der Pregorexie:
Gemäss dem Spezialisten gefährdet die Pregorexie sowohl die Mutter als auch ihr Kind. «Die physische und mentale Gesundheit der Mutter ist betroffen», sagt er. Mögliche Folgen: Mangelerscheinungen in den Knochen, Vitaminmangel und postpartale Depression.
Es besteht auch das Risiko, psychische Erkrankungen wie Essstörungen zu entwickeln. Und beim Kind erhöht sich das Risiko einer Wachstumsverzögerung im Bauch und einer Frühgeburt.
Wenn man sich betroffen fühlt, rät der Doktor, sich an einen Spezialisten wie einen Psychiater, die Gynäkologin, den Hausarzt oder die beratende Hebamme zu wenden. Er empfiehlt auch, mit dem Umfeld darüber zu sprechen. «Die Angehörigen müssen Taktgefühl beweisen und die betroffene Frau von Schuldgefühlen befreien. Eine Schwangerschaft ist nicht nur Glück, sondern verändert den Körper enorm.»
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