UN-Bericht: Erde steuert auf 2,8 Grad Erwärmung zu
Bericht des UN-Umweltprogramms Erde steuert auf 2,8 Grad Erwärmung zu
Stand: 21.10.2026 • 09:09 Uhr
Die Folgen der Erderwärmung sind verheerend. Das eigentlich vereinbarte 1,5-Grad-Limit wird ziemlich sicher gerissen. Doch die UN betonen: Es gibt Fortschritte beim Klimaschutz, die Zeit drängt allerdings.
Im besten Fall nicht mehr als 1,5 Grad wärmer seit der vorindustriellen Zeit. Auf dieses Limit hatte sich die Weltgemeinschaft eigentlich geeinigt, damals auf der Weltklimakonferenz 2015 in Paris. Doch mehr als ein Jahrzehnt später stellt UN-Generalsekretär António Guterres klar:
Die Welt kann es nicht mehr vermeiden, die 1,5-Grad-Grenze zu überschreiten.
Die Folgen seien schon jetzt verheerend: tödliche Überschwemmungen, brutale Hitzewellen, wütende Waldbrände, der Verlust von Menschenleben, lahmgelegte Volkswirtschaften und sich verschärfende Ungleichheiten. "Diejenigen, die am wenigsten dafür verantwortlich sind, leiden als Erste und am schlimmsten", so Guterres. Deshalb sei es wichtig, dieses Überschreiten des 1,5-Grad-Limits so gering wie möglich zu halten.
Emissionen steigen Jahr für Jahr weiter an
Damit dieses Limit um nur wenige Zehntelgrad auf 1,7 bis 1,8 Grad bis Mitte des Jahrhunderts überschritten wird, müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen aber laut Bericht des UN-Umweltprogramms UNEP jedes Jahr bis 2025 um gut sechs Prozent sinken - verglichen mit 2025. Tatsächlich allerdings steigen sie Jahr für Jahr weiter an, hauptsächlich durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas.
"Die Fortschritte der letzten Jahre beweisen, dass es nach wie vor möglich ist, die Treibhausgase runterzubringen", sagt Inger Anderson, Leiterin des Umweltprogramms. Seit der Verabschiedung des Pariser Abkommens seien die weltweiten Kapazitäten im Bereich Erneuerbarer Energien und Stromerzeugung dreimal schneller gewachsen als erwartet. Photovoltaik sei sogar siebenmal schneller ausgebaut worden als prognostiziert. Hingegen sei der Anteil an Kohleenergie langsamer gewachsen.
"Emissionslücke ist zu einer Führungslücke geworden"
Der effektivste Hebel dafür sei eine richtungsweisende Politik. Doch wenn die Regierungen weitermachen wie bisher, steuert die Welt im schlechtesten Fall auf eine Erderwärmung von 2,8 Grad bis Ende des Jahrhunderts zu, rechnet der Bericht vor.
Selbst ambitionierte Versprechen, die die Länder in ihren Klimaplänen machen, könnten die Erwärmung gerade mal auf 2,1 Grad begrenzen: "Die Emissionslücke ist mittlerweile zu einer Führungslücke geworden - und der Welt gehen die Zeit und die Ausreden aus, um sie zu schließen", so UN-Generalsekretär Guterres. Die Regierungen müssten viel weiter gehen und schneller handeln.
Klimakonferenz im November in der Türkei
Möglichkeit dafür gibt es in wenigen Wochen im türkischen Antalya bei der 31. Weltklimakonferenz. Schon im Vorfeld hat die türkische Konferenzleitung die Länder dazu aufgerufen, sich auf ein weltweites Elektrifizierungs-Ziel zu einigen.
Kritik daran üben Umweltorganisationen. Das Ziel sei gut, allerdings nur, wenn es an den Ausbau von sauberem Strom aus Wind und Sonne gekoppelt werde. Dabei geht es auch um die Frage, ob und zu welchen Bedingungen die Industrieländer für Klimaschutz und -anpassung in Entwicklungsländern bezahlen.
Die dramatischen Bilder der Überschwemmungen aus Valencia in diesen Tagen illustrieren dabei, was der UN-Bericht offenbart. Dementsprechend deutlich fällt wohl deshalb auch der Appell des Generalsekretärs so kurz vorm Klimagipfel aus: "Jeder Bruchteil eines Grads zählt. Jedes Jahr der Verzögerung macht den Weg zurück steiler. Lasst uns die Lücke jetzt schließen."
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