Automatisiertes Sprachscreening: Fraunhofer will Kita-Fachkräfte entlasten
Um Sprachstörungen früher erkennen und auch frühzeitiger Förder- und Therapiemaßnahmen ergreifen zu können, hat das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) an seiner Oldenburger Außenstelle automatisierte Verfahren entwickelt, um kindliche Sprache zu analysieren. Diese könnten zukünftig Fachkräfte in Kitas, Schulen und therapeutischen Einrichtungen bei Beobachtung, Dokumentation und Förderplanung unterstützen. Hierfür sucht das Fraunhofer IDMT auch noch Partner, um konkrete Anwendungen gemeinsam zu entwickeln und in die Praxis zu überführen.
Wie das Fraunhofer IDMT erläutert, erreichen 88 Prozent der Kinder, die Schwierigkeiten mit dem Spracherwerb haben, nicht den für ihr Alter erwarteten schulischen Lernfortschritt. Um trotz wachsendem Personalmangel und Zeitdruck auch diesen Kindern helfen zu können, könne es einen Bedarf an digitaler Unterstützung geben. Dafür entwickelt Laura Tuschen vom Fraunhofer IDMT mit einem interdisziplinären Team automatisierte Sprachanalyseverfahren für Kinder, die akustische Sprachsignale erfassen, in Textform überführen und auswerten.
Eine besondere Anforderung sei, dass sich die Aussprache, Grammatik und Sprechweise von Kindern mit dem Alter stark verändert – gerade auch im für die Sprachentwicklung wichtigen Kindergarten- und Grundschulalter. Außerdem zeigen sich große individuelle Unterschiede unter Kindern dieser Altersgruppen. Die bisher am Fraunhofer IDMT entwickelte Technik mache mögliche Entwicklungsauffälligkeiten auch bereits im frühen Sprachentwicklungsalter sichtbar, sagt Tuschen. Zu diesem Zweck seien in verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten konkrete Lösungen für den vorschulischen Bereich entwickelt worden, die auch unter realitätsnahen Bedingungen erfolgreich getestet wurden. Ein Schwerpunkt des Forschungsteams sei dabei, Spontansprache alltagsintegriert zu analysieren, um die Kompetenzen in natürlichen Situationen zu erfassen, statt sie ausschließlich in standardisierten Testsettings zu untersuchen.
Kein Ersatz für Fachkräfte
Die Einsatzmöglichkeiten für diese digitalen Sprachanalysen sieht das Forschungsteam etwa bei der Sprachentwicklungsbeobachtung im Kita-Alltag, beim Screening von sprachlichen Basiskompetenzen vor dem Schuleintritt sowie bei digitalen Förder- und Therapieangeboten. Sie könnten demnach als technologische Bausteine in unterschiedliche Bildungs-, Diagnostik- und Therapieangebote integriert werden und auch die systematische Dokumentation erleichtern.
Das Fraunhofer IDMT betont, dass die digitale Sprachanalyse ausdrücklich keine fachliche Diagnostik durch Logopäden oder Sprachheilpädagogen ersetzen soll. Die Bewertung der Ergebnisse und Entscheidungen über Fördermaßnahmen sollen weiterhin bei pädagogischen, therapeutischen oder medizinischen Fachkräften liegen. Die entwickelte Technik soll die spezialisierten Fachkräfte nur in ihrer Arbeit unterstützen. Die Auswertung der sensiblen Sprachdaten erfolge zudem datenschutzkonform.
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