Brasilien vor Richtungsentscheidung: Stichwahl am Sonntag
In der Stichwahl müssen sich die Brasilianer zwischen dem linken Präsidenten Lula da Silva und seinem rechten Herausforderer Flávio Bolsonaro entscheiden.
24.10.2026 | 1:40 minBrasilien steht am Sonntag vor einer Richtungsentscheidung: Bei der Stichwahl zur Präsidentenwahl stehen sich der linke Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und der rechte Senator Flávio Bolsonaro gegenüber, Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. Während Lula für die Fortsetzung seiner Sozialpolitik wirbt, verspricht sein Herausforderer einen härteren Kurs gegen Kriminalität und einen politischen Neuanfang.
Lula, der seit 2023 wieder Präsident ist, bewirbt sich um eine vierte Amtszeit. Der 80-Jährige war bereits von 2003 bis 2010 Staatschef. Flávio Bolsonaro sitzt seit 2019 im Senat und tritt erstmals für das Präsidentenamt an. Sein Vater wurde vom Obersten Gericht wegen eines Umsturzversuchs zu mehr als 27 Jahren verurteilt und sitzt derzeit aus gesundheitlichen Gründen im Hausarrest.
Kurz vor der Stichwahl werfe Präsident Lula dem Meta-Konzern politische Einmischung vor. Das zu belegen, sei aber extrem schwierig, berichtet ZDF-Korrespondent Kröger.
22.10.2026 | 7:20 minEnges Rennen nach erster Wahlrunde
In der ersten Wahlrunde lag der 45-jährige Flávio Bolsonaro mit mehr als zwei Millionen Stimmen vor dem Amtsinhaber. Zudem kann der Senator auf die Unterstützung mehrerer ausgeschiedener Kandidaten zählen.
Auch im Kongress gewann die Rechte bei der ersten Wahlrunde deutlich an Stärke. Mehrere politische Beobachter sehen den rechten Politiker deswegen im Vorteil. Umfragen sagen jedoch ein knappes Rennen voraus.
Lula und Bolsonaro liefern sich letztes Fernsehduell
Im letzten Fernsehduell am Freitagabend stritten beide Kandidaten über Kriminalität, Staatsverschuldung, Sozialpolitik und Gesundheitsversorgung. Flávio Bolsonaro forderte etwa schärfere Strafen, eine Herabsetzung der Strafmündigkeit und eine chemische Kastration für wegen Sexualdelikten Verurteilte.
Lula verwies auf die soziale Bilanz seiner Regierung, darunter auf Erfolge bei Beschäftigung und Armutsbekämpfung. Während seine Anhänger mit ihm sozialen Aufstieg verbinden, sehen seine Gegner in ihm ein Symbol für politische und wirtschaftliche Probleme.
Der Tech-Konzern Meta hat nach eigenen Angaben Gerichtsvorgaben zur Gleichbehandlung von Brasiliens Präsident Lula und Herausforderer Bolsonaro umgesetzt.
21.10.2026 | 0:26 minTausende bei Abschlusskundgebungen von Lula und Bolsonaro
Tausende Anhänger beider Kandidaten gingen am Samstag vor der Wahl auf die Straße. Lula da Silva fuhr am berühmten Strand von Copacabana in Rio de Janeiro auf der Ladefläche eines Lastwagens durch eine riesige Menge seiner Anhänger. Sein Herausforderer Bolsonaro scharte in Belo Horizonte, der Hauptstadt des südöstlichen Bundesstaats Minas Gerais, tausende Anhänger um sich.
Lula bewegte sich bei seiner Abschlusskundgebung rhythmisch zur Musik und schüttelte Hände seiner Anhänger, die zumeist in Rot, der Farbe der brasilianischen Arbeiterpartei PT, gekleidet waren. "Hier muss das Volk entscheiden: Soll es einer sein, der die Nationalflagge küsst, oder einer, der die US-Flagge küsst?", fragte Lula in Anspielung auf Bolsonaros Nähe zu US-Präsident Donald Trump.
In Belo Horizonte trugen viele von Bolsonaros Anhängern das gelbe Trikot der brasilianischen Fußballnationalmannschaft, zu den Teilnehmern der Kundgebung zählten zahlreiche Motorradfahrer. "Die Partei, die derzeit an der Macht ist, will die Menschen abhängig vom Staat machen", sagte einer von Bolsonaros Anhängern, der Unternehmenschef Ebert Dorigo.
Erste Ergebnisse in der Nacht zu Montag erwartet
Rund 159 Millionen Wahlberechtigte sind dazu aufgerufen, über die politische Zukunft des größten Landes Lateinamerikas zu entscheiden. Erste vorläufige Ergebnisse werden in der Nacht zum Montag (MEZ) erwartet.
Quelle: dpa, AFP
Über dieses Thema berichteten am 24.10.2026 mehrere Sendungen, darunter die heute-Nachrichten ab 19 Uhr sowie das heute journal ab 22:45 Uhr.
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