KI in der Literatur – Kann man KI-Texte überhaupt erkennen?

Der Einsatz von KI beschäftigt zunehmend auch die Literaturwelt. Doch ob ein Text mit KI geschrieben wurde, lässt sich bislang nicht zuverlässig feststellen.
27.09.2026, 13:08
Für Diskussionen sorgte diese Woche der kanadisch-haitianische Schriftsteller Thélyson Orélien. Ein anonymer Account auf X warf ihm vor, für seinen Roman «C’était ça ou mourir» KI eingesetzt zu haben. Das Westschweizer Radio und Fernsehen RTS hat berichtet.
Roman aus Liste für französischen Literaturpreis gestrichen
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Wegen des Verdachts auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz ist der Roman «C'était ça ou mourir» des kanadisch-haitianischen Autors Thélyson Orélien von der Auswahlliste für den renommierten Prix Goncourt gestrichen worden. Zuvor hatten mehrere Wissenschaftlerinnen und Journalisten den Text untersucht und waren laut Académie Goncourt übereinstimmend zu der Einschätzung gelangt, dass der Roman zu einem grossen Teil mithilfe von KI entstanden sein dürfte.
Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Lässt sich überhaupt zweifelsfrei feststellen, ob ein literarischer Text von einem Menschen oder einer Maschine stammt?
Jean-Luc Falcone, Lehr- und Forschungsbeauftragter an der Universität Genf, verweist auf die Grenzen der Programme, die zur Erkennung von KI-Texten eingesetzt werden. Solche Werkzeuge müssten mit Vorsicht verwendet und ihre Ergebnisse entsprechend zurückhaltend interpretiert werden, erklärt er gegenüber RTS.
KI-Texte ähneln menschlicher Literatur
Textgeneratoren produzierten Inhalte, die literarischen Werken zunehmend ähneln. Das liege auch daran, dass solche Werke Teil ihrer Trainingsgrundlage seien.
Dabei komme es zu widersprüchlichen Ergebnissen. Manche Texte, darunter auch die Bibel, würden von Erkennungsprogrammen fälschlicherweise als KI-generiert eingestuft. Umgekehrt liessen sich tatsächlich von einer KI erstellte Texte so verändern, dass sie von den Programmen nicht mehr erkannt werden.
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Das mache eine zuverlässige Unterscheidung zusätzlich schwierig, so der Experte.
Herkunft erkennen oder Qualität beurteilen?
Jean-Luc Falcone hält die Suche nach immer neuen Methoden zur Bestimmung der Urheberschaft eines Textes deshalb für den falschen Ansatz. Stattdessen solle stärker die Qualität des Textes selbst beurteilt werden: «Ist er verständlich? Lässt er sich gut lesen? Und erfüllt er seinen Zweck?»
Ein anderer Ansatz an der Universität
Auch bei der Bewertung wissenschaftlicher Arbeiten geht Falcones Fachbereich einen anderen Weg. In der Informatikabteilung der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Genf wird darauf verzichtet, KI-Detektoren zur Beurteilung studentischer Arbeiten einzusetzen.
Stattdessen sollen die Studierenden ihre Arbeiten mündlich erläutern und verteidigen. So lassen sich mögliche Fehler der Erkennungsprogramme umgehen, und zugleich können das Verständnis und die Fähigkeiten der Studierenden besser beurteilt werden.
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