Audi-Chef bei Trump: Warum die Kritik am Auftritt wächst
Audi plant, sein erstes Werk in den USA zu bauen. Als US-Präsident Trump das bei einer Rally im Wahlkampf ankündigte, stand auch Audi-Chef Döllner mit auf der Bühne. Dafür erntet er nun Kritik.
26.10.2026 | 1:57 minDer gemeinsame Auftritt von Audi-CEO Gernot Döllner mit US-Präsident Donald Trump schlug am Wochenende hohe Wellen. Auf einer Wahlkampfveranstaltung für die Midterms in den USA kündigte der Audi-Chef einen Plan an, ein neues Werk im US-Bundesstaat Georgia zu errichten.
Aus Deutschland hagelte es unmittelbar Kritik: Döllner habe sich "zur Marionette" in einer "Propagandashow" machen lassen, kritisierte IG-Metall-Chefin Christiane Benner. Gegenüber dem TV-Sender phoenix sagte sie:
Wir fordern ja den Konzern auf, auch neue Märkte zu erschließen. Aber gleichzeitig brauchen wir eine sichere Perspektive für die Beschäftigten in den hiesigen Werken.
Christiane Benner, Vorsitzende IG Metall
Linken-Parteichef Luigi Pantisano forderte gar den Rücktritt Döllners. Dabei sind noch viele Fragen rund um das geplante Werk völlig offen.
VW und Audi müssen in Deutschland fast eine Million Autos zurückrufen. Laut Kraftfahrt-Bundesamt könnte eine Schraube brechen und die Lenkung ausfallen. Betroffen sind mehrere Modelle.
25.09.2026 | 0:31 minWas will Audi in den USA produzieren?
Gernot Döllner kündigte den Bau einer Autofabrik in Macon im US-Bundesstaat Georgia an - Audis erste in den USA. Schon im kommenden Jahr soll der Bau der Anlagen beginnen, in denen ab Anfang der 2030er-Jahre bis zu 4.500 Beschäftigte an drei SUV-Modellen arbeiten könnten: Q7, Q8 und Q9. Jährlich sollen dann bis zu 200.000 Fahrzeuge vom Band laufen.
Was bedeutet das geplante US-Werk für Audis Standorte in Deutschland?
Bisher produziert Audi die Oberklassemodelle Q7 und Q8 in Bratislava in der Slowakei und exportiert sie anschließend ins Ausland. Knapp 30.000 Autos aus Bratislava überqueren jedes Jahr den Atlantik.
Zölle, Kriege, Spannungen: Selten stand der freie Welthandel so unter Druck wie jetzt. Welche Auswirkungen das auf die Zukunft hat, untersucht ZDF-Journalist Florian Neuhann mit seinem Team.
24.11.2025 | 6:19 minDieser Hintergrund könnte zur Gefahr für deutsche Standorte werden, befürchten Kritiker. Denn wenn Bratislava weniger SUVs herstellt, könnten bislang in Deutschland produzierte Modelle in die Slowakei abwandern.
Audi-Standorten wie Neckarsulm, die schon heute mit geringer Auslastung kämpfen, könnten dann im schlimmsten Fall Schließungen drohen. "Wenn sich die Rahmenbedingungen in Deutschland nicht verbessern, müssen wir mit weiterer Abwanderung rechnen", warnt Automobilexperte Stefan Bratzel gegenüber ZDFheute. "Seit 2011 haben wir fast 30 Prozent des Produktionsvolumens verloren - das ist keine neue Entwicklung."
Wir müssen sehr stark aufpassen, dass wir es schaffen, hier in Deutschland weiter wettbewerbsfähige Fahrzeuge herzustellen.
Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM)
Volkswagen bekommt die Folgen hoher US-Zölle, den kostspieligen Umbau des Konzerns und die Probleme bei Porsche deutlich zu spüren. Der Gewinn brach im vergangenen Jahr ein.
10.03.2026 | 2:50 minWar ein solcher Auftritt im Wahlkampf überhaupt erlaubt?
Die VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo kritisierte Döllners Auftritt als "aktive Wahlkampfhilfe". Diese ist laut internen Vorgaben eigentlich gar nicht erlaubt: Weltweite Wahlkampfauftritte in den letzten drei Monaten vor einer Wahl sind untersagt. Mitarbeitende hätten zudem auf Neutralität zu achten und den Kontakt zu demokratischen Parteien zu pflegen:
Um diesen Grundsatz zu respektieren, werden in den drei letzten Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Parteien/Politikern und keine Sponsorings von entsprechenden Veranstaltungen mehr durchgeführt.
Audi-Verhaltensgrundsätze aus dem April 2026
Welche Rolle spielt Trumps Zollpolitik bei dieser Entscheidung?
Die amerikanische Zollpolitik habe wohl "wesentlich dazu beigetragen", dass Audi ein Werk in den USA bauen will, vermutet Bratzel. Audi überdenke seine Produktionsstrategie, so der Automobilexperte weiter.
Jedes zehnte produzierte Fahrzeug setze Audi in den USA ab. "Der Markt ist ein wichtiger Premiummarkt. Und wenn man dort weiter vertreten sein will, muss man dort auch produzieren", erläutert Bratzel.
Der kriselnde Autobauer Volkswagen kündigt einen Großteil seiner Tarifverträge zum Jahresende. ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann zu Details und möglichen Auswirkungen.
30.09.2026 | 1:31 minDas Unternehmen produzierte für den US-Markt bisher in Europa oder Mexiko. Für jedes in die USA importierte Auto wurden daher Zollabgaben in Höhe von 15 Prozent fällig. 2025 sorgten diese für Zusatzkosten von 1,2 Milliarden Euro in Audis Bilanz, im selben Zeitraum ging der US-Absatz des Autobauers aber um 16 Prozent zurück.
Sind die USA als Markt für Audi attraktiver als Deutschland?
Dass Audi durch lokale Produktion künftig weniger Zölle zahlen muss, ist angesichts der Größe des US-Markts eine Chance. Aber "ob man attraktive Modelle mit begehrenswerten Technologien auf den US-amerikanischen Markt bringen kann, die beim Kunden ankommen, muss Audi erst noch zeigen", so Bratzel.
Bei VW wächst der Druck: In neun Betriebsversammlungen bis Ende August forderte die Belegschaft Klarheit über Sparpläne, Stellenabbau und die Zukunft deutscher Standorte.
25.08.2026 | 2:37 minZu Audis SUV-Konkurrenten zählen mit Toyota, Ford oder GM zahlreiche große Automarken. Die Rahmenbedingungen seien dennoch grundsätzlich attraktiv. "Klar ist: Die Konkurrenz in den USA ist relativ stark. Grundsätzlich kann man in den USA und vor allem in den Südstaaten aber günstiger produzieren."
Die Energiekosten, die Löhne und die Arbeitsbedingungen sind flexibler.
Stefan Bratzel, Gründer und Direktor des Center of Automotive Management (CAM)
Könnte Volkswagen die Entscheidung noch stoppen?
Audi-CEO Gernot Döllner rechnet fest mit dem Bau des Werks im Südosten der USA. Doch einen abschließenden Beschluss gibt es noch nicht. Der Betriebsrat und Vertreter des Mutterkonzerns Volkswagen betonten umgehend, dass es für das Projekt noch keine Entscheidung gebe.
Zunächst muss das neue Werk von den zuständigen Gremien sowie dem VW-Aufsichtsrat genehmigt werden. Aus diesem gab es bereits am Wochenende erste kritische Stimmen - insbesondere in Anbetracht eines möglichen Stellenabbaus in Deutschland.
Tobias Bluhm ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
Über dieses Thema berichtete "heute in Deutschland" am 26.10.2026 ab 14 Uhr.
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