Augenärzte müssen erste Sonnenfinsternis-Opfer behandeln

- Nach der Sonnenfinsternis vom Mittwochabend melden sich bei Schweizer Augenärzten erste Betroffene mit Augenproblemen.
- Augenarztpraxen rechnen auch am Freitag noch mit weiteren Anfragen.
- Ada (33) verlor 2015 nach wenigen ungeschützten Blicken in die Sonne für zwei bis drei Wochen fast ihr Sehvermögen.
Nur ganz kurz hinsehen, wie schlimm kann das schon sein? Das haben sich wohl manche gedacht, die vor der Sonnenfinsternis am Mittwochabend keine Schutzbrille mehr ergattern konnten. Schweizer Augenärzte und Augenärztinnen bestätigen nun, dass sie bereits erste Anfragen von Sonnenfinsternis-Geschädigten erhalten hätten.
«Wir hatten heute sogar relativ viele Anfragen», bestätigt etwa eine St. Galler Praxis gegenüber 20 Minuten. Ähnlich tönt es bei einem Augenarztzentrum in Bern: «Bei uns haben sich fünf oder sechs Personen gemeldet. Wir haben uns aber auf die Situation vorbereitet und zusätzliche Notfalltermine eingeplant.» Auch eine Zürcher Praxis bestätigt, dass sich Betroffene gemeldet hätten, macht jedoch keine genaueren Angaben.
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Einige Praxen rechnen damit, dass sich auch am Freitag noch Betroffene melden werden. Denn während manche mögliche Augenschäden relativ schnell bemerken, können Beschwerden auch erst Stunden oder Tage später auffallen.
«Hatte Angst, dass ich für immer erblinde»
Ada (33) weiss aus eigener Erfahrung, wie gefährlich ein ungeschützter Blick in die Sonne sein kann. Vor rund 11 Jahren erlebte sie eine Sonnenfinsternis auf den Kanarischen Inseln. «Ich habe mehrmals nur für wenige Sekunden hingeschaut und meine Augen dabei nur mit den Händen abgeschirmt», erzählt sie gegenüber 20 Minuten. Das bereute sie kurz darauf bitter.
Denn gegen Abend verschlechterte sich ihr Sehvermögen dramatisch: «Es wurde immer schlimmer, bis ich schliesslich fast nur noch Schatten und Bewegungen wahrgenommen habe, dazu helle Flecken und Blitze.» Ihre Augen hätten geschmerzt und seien extrem lichtempfindlich gewesen. Am nächsten Tag ging sie in den Notfall. Dort habe ein Arzt von einer «verbrannten» Netzhaut gesprochen. Eine klare Erklärung für ihre Beschwerden habe sie jedoch nicht erhalten.

Während zwei bis drei Wochen habe Ada kaum etwas gesehen. «Ich hatte wirklich Angst, dass ich für immer erblinde», erzählt sie. Die Ungewissheit habe sie zunehmend verzweifeln lassen. Erst nach dem Besuch eines anderen Spitals und einer Behandlung mit Augentropfen habe sich ihr Sehvermögen langsam gebessert. Eine dauerhafte Schädigung der Netzhaut sei später nicht festgestellt worden. «Ich hatte riesiges Glück», sagt sie heute.
Bis heute bemerke sie jedoch noch die Folgen des Blicks in die Sonne. Ihre Augen sind sehr lichtempfindlich, werde sie einmal von der Sonne geblendet, brauche sie lange, bis sie wieder normal sehen könne. Auch ihre Pupillen seien weiterhin auffallend klein. Ada hofft deshalb, dass ein Experte ihre damaligen Symptome und die bis heute bestehenden Beschwerden einordnen kann. Mit ihrer Geschichte will sie aber vor allem auch andere warnen. «Ich war geschockt, dass diese paar Sekunden gereicht haben», sagt sie heute.
Auch vermeintlicher Schutz kann gefährlich sein
Ada ist mit ihrer Erfahrung nicht allein. Denn auch wer versucht, seine Augen mit improvisierten Hilfsmitteln zu schützen, riskiert Schäden. Peter Smith aus dem englischen Taunton erzählte gegenüber der «BBC», wie er sich bei der Sonnenfinsternis 1999 mit einer geliehenen Schweissermaske permanente Augenschäden zuzog. Auch 27 Jahre später spüre er noch die Folgen: «Einmal entstandene Schäden heilen nie wieder vollständig. Wenn ich müde bin, taucht manchmal wieder ein flackernder Punkt in meinem Sichtfeld auf – und das ist wirklich unangenehm», so der Brite.
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Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News
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