Bankenskandal in Paraguay: Präsident Peña unter Druck
Der Fall der Ueno-Bank entwickelt sich zu einem der größten Finanz- und Politskandale der jüngeren Geschichte Paraguays. Im Mittelpunkt stehen mutmaßliche Unregelmäßigkeiten im Bankgeschäft, Hunderte Millionen Dollar an öffentlichen Geldern und geschäftliche Verbindungen zu Präsident Santiago Peña.
Ausgelöst wurde die Krise am 3. November, als die paraguayische Zentralbank (BCP) wegen schwerwiegender Solvenzprobleme ein Abwicklungsverfahren gegen die Ueno-Bank einleitete. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen mutmaßlicher Finanzdelikte auf und erhob bereits formell Beschuldigungen gegen 27 Personen.

Der Skandal setzte Peña politisch zunehmend unter Druck. Am Donnerstag (5.11.2026) bot der Staatschef seinen Rücktritt an. Der Kongress nahm diesen jedoch zunächst nicht an. Stattdessen votierte das Abgeordnetenhaus einstimmig für die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens. Eine gemeinsame Sitzung beider Parlamentskammern, die über seinen Rücktritt entscheiden sollte, scheiterte jedoch zunächst an der fehlenden Beschlussfähigkeit. Peña bleibt deshalb vorerst im Amt. Inzwischen hat der Senat das Amtsenthebungsverfahren eröffnet.
1. Was ist die Ueno Bank und was ist passiert?
Die Ueno Bank ist eine paraguayische Digitalbank und gehört zur Grupo Vázquez, einem einheimischen Unternehmenskonzern. Sie verzeichnete ein außergewöhnlich schnelles Wachstum und hatte zuletzt rund drei Millionen Kunden - fast die Hälfte der Bevölkerung Paraguays. Gleichzeitig mehrten sich jedoch die Hinweise darauf, dass die Bank Unternehmen aus dem Umfeld ihrer Eigentümer übermäßig hohe Kredite gewährt haben könnte.

Am 3. November 2026 griff die paraguayische Zentralbank (BCP) ein, nachdem die Solvenzquote der Bank unter die gesetzlich vorgeschriebene Mindestgrenze gefallen war: Das Institut verfügte nicht mehr über ausreichend Eigenkapital, um die eingegangenen Risiken abzusichern. Der Geschäftsbetrieb wurde eingestellt, Millionen Kunden verloren zunächst den Zugang zu ihren Konten.
2. Was waren die Ursachen der Krise?
Die Ermittlungen konzentrieren sich vor allem auf drei mögliche Problemfelder:
Zum einen soll die Ueno Bank Unternehmen aus demselben Unternehmensverbund Kredite gewährt und dabei möglicherweise gesetzliche Obergrenzen überschritten haben. Bestimmte Geschäfte könnten zudem dazu gedient haben, Eigenkapitalprobleme zu verschleiern und die finanzielle Lage der Bank besser darzustellen, als sie tatsächlich war. Weiter stellt sich die Frage, warum die Zentralbank trotz möglicher Warnsignale nicht früher eingeschritten ist.
3. Wie viel öffentliches Geld verwaltete die Ueno Bank?
Die Ueno Bank verfügte über enorme Einlagen staatlicher Einrichtungen. Zu den wichtigsten Geldgebern gehörte das Instituto de Previsión Social (IPS), das paraguayische Sozialversicherungsinstitut, das unter anderem für Renten und Sozialleistungen verantwortlich ist. Medienberichten zufolge verwaltete die Bank zeitweise öffentliche Gelder in Höhe von 800 bis 850 Millionen US-Dollar.
Problematisch ist dabei nicht nur die Höhe der Summe, sondern auch die Konzentration öffentlicher Mittel bei einem einzigen Finanzinstitut, das schließlich unter staatliche Kontrolle gestellt werden musste. Auch andere staatliche Einrichtungen sollen weiterhin Gelder bei dem Institut deponiert haben.
Damit stellt sich die Frage, wie die staatlichen Institutionen ihre Anlageentscheidungen getroffen haben und welchen Risiken sie die öffentlichen Gelder aussetzten.
4. Welche Verbindungen gibt es zu Santiago Peña?
Zum einen geht es um Peñas geschäftliche Beziehungen zur Grupo Vázquez. Der Präsident unterhielt bis März 2025, als er bereits Staatschef Paraguays war, geschäftliche Verbindungen zu dem Konzern, dem die Ueno Bank gehört. Peña bestritt allerdings, direkt an der Bank beteiligt gewesen zu sein.

Zum anderen steht die Ernennung des Zentralbankpräsidenten Carlos Carvallo durch Peña im Jahr 2023 im Blickpunkt. Brisant ist dabei, dass Carvallo zuvor das Finanzunternehmen Ueno geleitet hatte. Dies wirft Fragen nach möglichen Interessenkonflikten und der Unabhängigkeit der Bankenaufsicht auf.
Am 3. November trat Carvallo auf Aufforderung Peñas zurück.
5. Wer steht sonst noch im Verdacht?
Am 4. November erhob die Staatsanwaltschaft formell Beschuldigungen gegen 27 Personen. Darunter befinden sich acht Führungskräfte der Ueno Bank sowie 19 weitere Personen mit Verbindungen zu Unternehmen aus dem Umfeld des Konzerns.
Ermittelt wird unter anderem wegen des Verdachts auf Untreue, versuchten Betrug, pflichtwidriges Verhalten in Krisensituationen und Verstöße gegen die Buchführungspflicht.
Am 5. November ordnete ein Richter Untersuchungshaft für mehrere ehemalige Führungskräfte der Bank an, darunter auch für Federico Miguel Vázquez Villasanti, den Präsidenten der Grupo Vázquez Gegen zwei weitere Beschuldigte wurde Hausarrest verhängt.
6. Wie geht es jetzt weiter?
Auf finanzieller Ebene hat die Zentralbank das Abwicklungsverfahren für die Ueno Bank eingeleitet. Für Bankeinlagen gilt eine gesetzliche Einlagensicherung von umgerechnet rund 37.600 US-Dollar pro Kunde. Darüber hinaus wurde ein Gesetz verabschiedet, das eine vorgezogene Rückzahlung von rund 20.000 US-Dollar pro Sparer ermöglicht. Dennoch bleibt ungewiss, wann die Betroffenen ihr Geld tatsächlich zurückerhalten und was mit Einlagen geschieht, die über der gesetzlichen Sicherungsgrenze liegen.

Auf politischer Ebene ist die Lage komplizierter. Obwohl Santiago Peña seinen Rücktritt angeboten hat, bleibt er vorerst im Amt. Eine gemeinsame Sitzung des Kongresses, die über seinen Rücktritt entscheiden sollte, scheiterte an der fehlenden Beschlussfähigkeit. Stattdessen hat der Senat ein Amtsenthebungsverfahren wegen des Vorwurfs schwerwiegender Pflichtverletzungen eröffnet. Peña kündigte an, sich dem Verfahren zu stellen und seine Verteidigungsrechte wahrzunehmen.
Dabei geht es auch um seine politische Immunität: Bei einem regulären Ausscheiden aus dem Amt könnte Peña als Senator auf Lebenszeit parlamentarische Immunität genießen. Eine Amtsenthebung würde ihm diesen Status verwehren.
Sollte Peña aus dem Amt scheiden, würde gemäß der Verfassung Vizepräsident Pedro Alliana die Präsidentschaft übernehmen. Der Kongress müsste anschließend einen neuen Vizepräsidenten wählen. Die reguläre Amtszeit endet im August 2028.
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