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Friday, October 2, 2026

Beispiele aus der Vergangenheit: Fall Christa Pike - Was ist, wenn die Hinrichtung scheitert?

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Beispiele aus der VergangenheitFall Christa Pike - Was ist, wenn die Hinrichtung scheitert?

02.10.2026, 15:09 Uhr

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Christa Pike wurde 1996 wegen Mordes verurteilt. (Foto: picture alliance/dpa/Tennessee Department of Correction)

Christa Pike überlebt ihre eigene Hinrichtung. Was vor Jahrhunderten als göttliches Zeichen gedeutet worden wäre, könnte in den USA der Auftakt für eine neue Debatte über die Todesstrafe werden. Doch wie geht es für die zum Tode verurteilte Mörderin weiter?

Christa Pike sollte am Mittwochabend als erste Frau seit 200 Jahren im US-Bundesstaat Tennessee mit der Giftspritze hingerichtet werden. Doch nachdem ihr den Angaben der Behörden zufolge zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden waren, lebte sie weiter. Die Behörden brechen die Tötung der Frau schließlich ab. Pike befindet sich in einem kritischen Zustand. Sie ist nicht die erste Person, die ihre eigene Hinrichtung überlebt.

Laut dem Death Penalty Information Center sind im Jahr 2022 mehr als ein Drittel der Hinrichtungen in den USA misslungen oder problematisch verlaufen. In den USA gibt es bundesweit keine einheitliche Regel, nach der ein misslungener Hinrichtungsversuch das Todesurteil aufhebt oder die Person begnadigt. Wenn die zum Tode verurteilte Person noch lebt oder verletzt ist, wird sie zunächst medizinisch behandelt, bleibt aber in staatlichem Gewahrsam.

Der Vorgang wird dann durch die Justizvollzugbehörde, den Generalstaatsanwalt oder eine externe Behörde untersucht. Dabei geht es etwa um mögliche Fehler im Vollzugsprotokoll. Laut der Library of Congress werden auch die Anwendung der Medikamente, Schwierigkeiten beim Legen eines Venenzugangs und die medizinische Versorgung während und nach dem Versuch geprüft. Die Möglichkeit eines zweiten Hinrichtungsversuchs ist grundsätzlich rechtlich zulässig. Wenn schwere Protokollverstöße nachgewiesen werden können oder das vorhersehbare Risiko extremer Schmerzen besteht, kann die Verteidigung gegen einen zweiten Hinrichtungsversuch vorgehen. Dieser würde unter das Verbot "grausamer und ungewöhnlicher Strafen" fallen und ist damit verfassungswidrig.

Die Rechtslage ist in den US-Bundesstaaten, in denen es die Todesstrafe noch gibt verschieden. Der Gouverneur des Bundesstaates entscheidet schlussendlich über das weitere Vorgehen. Er kann einen Wechsel der Tötungsmethode anordnen. Es besteht auch die Möglichkeit die Strafe in lebenslange Haft umzuwandeln oder sogar den Verurteilten zu begnadigen.

Was geschah bei bisherigen Vorfällen

Im Mai dieses Jahres wurde in Tennessee bereits die Hinrichtung von Tony Carruthers, der 1994 wegen Entführung und Mordes an drei Menschen verurteilt worden war verschoben. Die Mitarbeiter der Vollzugsanstalt gaben an keine Vene für die tödliche Injektion finden zu können. Der Gouverneur Bill Lee, der auch über Christa Pikes Fall entscheidet, gewährte daraufhin einen einjährigen Aufschub.

Im Jahr 2024 erlaubte der Oberste Gerichtshof Alabama eine zweite Hinrichtung von Kenneth Eugene Smith. Er wurde mit der experimentellen Methode der Sauerstoffentzugstherapie getötet. Der Versuch ihn durch die Giftspritze hinzurichten, war zwei Jahre zuvor gescheitert.

Im Februar 2018 versuchten Vollzugsbeamte in Alabama, Doyle Lee Hamm mittels Giftspritze zu töten. Wegen seiner schweren Erkrankung und problematischen Venen gelangen die Versuche, einen intravenösen Zugang zu legen, jedoch nicht. Hamm und Vertreter des Bundesstaates Alabama schlossen daraufhin eine vertrauliche Übereinkunft, nachdem kein neuer Hinrichtungstermin entstand. Hamm blieb in Haft und starb 2021 an Krebs im Gefängnis.

Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahr 1947 erlaubte es dem Bundesstaat Louisiana, Willie Francis, einen Teenager, dessen erster Hinrichtungsversuch im Alter von 17 Jahren an einem technischen Fehler gescheitert war, erneut auf den elektrischen Stuhl zu schicken. Das Gericht befand, dass eine zweite Hinrichtung nicht gegen das verfassungsrechtliche Verbot der doppelten Strafverfolgung oder der grausamen und ungewöhnlichen Bestrafung verstoßen würde. Francis wurde im Alter von 18 Jahren hingerichtet.

Was passiert mit Christa Pike?

Bei Christa Pike ist noch offen, ob Tennessee einen weiteren Hinrichtungsversuch unternehmen wird. Die Behörden haben bislang nicht erklärt, weshalb die zwei verabreichten Dosen Pentobarbital nicht zum Tode führten. Das Justizministerium von Tennessee verteidigte unterdessen die angewandte Methode, berichtet der BBC: "Die im Protokoll vorgesehene Giftchemikalie hat sich stets als wirksam erwiesen und das Protokoll sieht keine zusätzlichen Verfahren vor, die über die durchgeführten herausgehen." Das Hinrichtungsprotokoll sieht vor, dass nach der ersten Verabreichung eine zweite Dosis Gift gegeben wird, "falls der Häftling nach der ersten Verabreichung noch lebt." Es legt nicht fest, was geschieht, wenn die Person auch nach der zweiten Dosis noch lebt.

Die Strafvollzugsbehörde von Tennessee teilte mit, Pike befinde sich derzeit in einer externen medizinischen Einrichtung. Ihr Anwalt Randy Spivey sagte: "Wir haben derzeit keine Ahnung von ihrer Prognose und auch keine aktuellen Informationen zu ihrem Gesundheitszustand." Pikes Anwälte behaupten, das verwendete Pentobarbital sei minderwertig gewesen. "Ich zählte allein in ihrem linken Arm mindestens sieben Nadeln, von denen eine verbogen zu sein schien, als sie nach einem erfolglosen Versuch aus ihrem Arm gezogen wurde", sagte Randy Spivey. Er fordert die Todesstrafe für seine Mandantin aufzugeben und sie stattdessen lebenslang in Haft zu lassen. Der republikanische Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, hat nun alle für dieses Jahr geplanten Hinrichtungen ausgesetzt und eine Untersuchung angeordnet.

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