Gewaltsame Unruhen: Neuer Höhepunkt der Schülerproteste erwartet

- Die Lage in Frankreich spitzt sich zu: Gewerkschaften, Linkspartei und Sozialisten rufen zur Solidarität mit protestierenden Schülern auf.
- Am Montag hatte es an knapp 590 Schulen Unruhen gegeben. Die Schüler fordern kürzere Schultage und bessere Schulausstattung.
- Bei Polizeieinsätzen wurden mehrere Minderjährige schwer verletzt, darunter ein 15-Jähriger, dem eine Granate die Hand abriss.
Zahlreiche Gewerkschaften in Frankreich unterstützen am Dienstag einen weiteren Protesttag der Schülerinnen und Schüler. Auch die linkspopulistische Partei La France Insoumise und die sozialistische Partei haben zur Solidarität mit den Protestierenden aufgerufen.
Weshalb protestieren die Schülerinnen und Schüler?
Am Montag war es an knapp 590 Schulen zu Unruhen gekommen. Die Schüler fordern unter anderem kürzere Schultage und eine bessere Ausstattung der Schulen.
Was waren die bisherigen Auswirkungen?
Der Einsatz der Beamten gegen die jungen Menschen steht zunehmend in der Kritik. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem unverhältnismässigen Einsatz der Polizei gegenüber den Schülern. Es handele sich um Kinder, die geschützt und nicht von den Ordnungshütern angegriffen werden müssten. Eine Deeskalation sei nötig.
In den vergangenen Tagen kam es immer wieder zu schwerer Gewalt bei den Protesten: Lehrer wurden angegriffen, Polizisten verletzt, Mülltonnen und Fahrzeuge in Brand gesetzt.
Seit Beginn der Proteste vor einer Woche wurden nach Angaben des Justizministeriums 5060 Menschen festgenommen, 87 Prozent davon Minderjährige. Gegen 1802 Betroffene seien Ermittlungen eingeleitet worden. Die bei Ausschreitungen entstandenen Schäden an Schulgebäuden und im öffentlichen Raum bezifferte Justizminister Gérald Darmanin auf mehrere Millionen Euro. Wo dies möglich sei, sollten die Eltern der jugendlichen Täter zur Begleichung der Schäden herangezogen werden.
Für Erschütterung sorgte der Fall eines 15-jährigen Gymnasiasten, dem im nordfranzösischen Lens durch eine von der Polizei abgefeuerte Granate eine Hand abgerissen wurde.
Was passiert am Dienstag?
Schülervertreter haben zu Kundgebungen und Protesten im ganzen Land aufgerufen. In Paris ist um 14 Uhr eine Demonstration auf dem Place de la République geplant. Alleine im Grossraum Paris sollen am Dienstag 200 Gymnasien vorsorglich geschlossen bleiben. Angesichts zahlreicher Gewalttaten ist die Sorge gross, dass es am Dienstag erneut zu Ausschreitungen kommt.
Sind auch andere Städte betroffen?
Auch in anderen Grossstädten wie Lyon, Lille, Marseille, Toulouse, Bordeaux, Rennes und Strassburg soll es Versammlungen geben.
Von wem werden die Proteste unterstützt?
Unterstützung kommt von mehreren grossen Bildungsgewerkschaften, die zur Beteiligung an den Aktionen und teils auch zum Streik aufrufen. Damit könnte der Protest über die Schülerbewegung hinaus an Breite gewinnen.
Was haben die Proteste bisher gebracht?
Premierminister Sébastien Lecornu rief die Ministerien am Sonntagabend auf, konkrete Verbesserungen an den Schulen des Landes einzuleiten und den berechtigten Sorgen der Schüler Gehör zu geben.
«Es sollen Initiativen ergriffen werden, um die Schülerinnen und Schüler der Gymnasien in die Gestaltung des schulischen Lebens einzubeziehen», kündigte der Premierminister an.
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Justin Arber (jar), Jahrgang 1999, arbeitet seit 2022 als Redaktor am Newsdesk. Zeitweise übernimmt er da die Schichtleitung im Früh- und Spätdienst.
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