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Thursday, October 1, 2026

Hinrichtung geht schief – Christa Pike könnte Hirnschaden haben

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  • Die Hinrichtung der zum Tode verurteilten Christa Pike (50) in Tennessee ist gescheitert:
  • Zwei Dosen Pentobarbital zeigten keine tödliche Wirkung.
  • Pike wurde anschliessend ins Spital gebracht – ihre Anwälte befürchten, dass sie eine Hirnverletzung erlitten hat.

«Dieser Vorfall ist der schlimmste, den wir je erlebt haben, und unterscheidet sich von jeder anderen fehlgeschlagenen Hinrichtung der modernen Zeit. Es gibt keinen Präzedenzfall.» Robin Maher, Direktorin der gemeinnützigen Organisation Death Penalty Information Center, zeigte sich nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike in Tennessee sichtlich erschüttert.

Die wegen Mordes verurteilte 50-Jährige war nach der Verabreichung zweier Dosen des Mittels Pentobarbital noch am Leben. Medienberichten zufolge wurde sie anschliessend in ein Spital gebracht und dort lebenserhaltend behandelt. Ihre Anwälte befürchten, dass Pike eine Hirnverletzung erlitten haben könnte.

Nicht genug Pentobarbital?

Joel Zivot, Professor an der Emory University School of Medicine, erklärte, die Konzentration von Pentobarbital in Pikes Blut habe möglicherweise nie ein Niveau erreicht, das ausgereicht hätte, Atmung und Herzschlag zum Stillstand zu bringen. «Es ist durchaus möglich, dass sie infolge der verzögerten Einleitung von Wiederbelebungsmassnahmen einen Hirnschaden davonträgt», sagte Zivot.

Der Fall Christa Pike

Im Januar 1995 lockte die damals 18-jährige Christa Pike ihre 19-jährige Mitschülerin Colleen Slemmer gemeinsam mit ihrem Freund Tadaryl Shipp und Shadolla Peterson in ein abgelegenes Waldstück nahe dem Job Corps Center in Knoxville. Pike verdächtigte Slemmer, ihr den Freund ausspannen zu wollen. Slemmer wurde im Wald über längere Zeit misshandelt und getötet.

Die Ermittler fanden später ein Stück ihres Schädels, das Pike als Andenken aufbewahrt hatte. Pike gestand die Tat, erklärte jedoch, sie habe Slemmer zunächst nur einschüchtern wollen. Am 22. März 1996 sprach eine Jury sie des vorsätzlichen Mordes ersten Grades und der Verschwörung zum Mord schuldig. In der Strafphase stellte sie besondere Grausamkeit und das Ziel fest, eine Strafverfolgung zu verhindern. Am 30. März 1996 verhängte die Jury die Todesstrafe.

Pikes Anwälte machen unter anderem Schwierigkeiten beim Venenzugang, geplatzte Venen, eine fehlende medizinische Notfallversorgung sowie möglicherweise abgebautes Pentobarbital für das Scheitern verantwortlich.

So reagierte Christa Pike 1996 auf ihr Todesurteil – und ein ehemaliger Ermittler erinnert sich an ihr Geständnis.20 Minuten

Augenzeugen in Schock

Zeuginnen und Zeugen beschrieben die Szene als verstörend. Nachdem auch die zweite Dosis Pentobarbital keine Wirkung gezeigt habe, soll Pike den Kopf gehoben, sich im Raum umgesehen und gefragt haben, ob das von ihr empfundene «Stechen und Brennen» normal sei.

«Ich habe in Tennessee fünf Hinrichtungen miterlebt. Nichts an diesem Tag war normal – überhaupt nichts», sagte Tori Gessner, Reporterin des Lokalsenders WKRN in Nashville. Catherine Sweeney vom Radiosender WPLN ergänzte: «Sie durchlief zwei Runden, und am Ende atmete sie immer noch. Sie war in einem sehr mitgenommenen Zustand.»

Tennessees republikanischer Gouverneur Bill Lee setzte nach dem Vorfall alle für den Rest des Jahres 2026 geplanten Hinrichtungen aus. Zudem ordnete er eine «umfassende Überprüfung durch eine unabhängige dritte Partei» an, um den Ablauf aufzuklären.

UN-Kommissar Türk fordert Gnade für Christa Pike

Nach der fehlgeschlagenen Hinrichtung einer Frau im US-Bundesstaat Tennessee hat UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk Gnade für Christa Pike gefordert. «Die Todesstrafe hat in keiner Gesellschaft einen Platz», erklärte Türk am Donnerstag im Onlinedienst X. Er appellierte an die Behörden, auf die Hinrichtung der zum Tode verurteilten Mörderin zu verzichten.

Besonders enttäuscht zeigte sich die Mutter des Opfers. May Martinez Slemmer hatte rund 30 Jahre darauf gewartet, dass der Mord an ihrer 19-jährigen Tochter Colleen Slemmer aus dem Jahr 1995 gesühnt würde. Sie war fast 1000 Kilometer nach Tennessee gereist, um der Hinrichtung beizuwohnen. Nach dem gescheiterten Versuch sagte sie über das Vorgehen des Bundesstaates: «Sie haben es total vermasselt.»

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Karin Leuthold

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.

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