Superreiche in New York: "Wir wollen mehr Steuern zahlen"
Weltspiegel
Stand: 30.08.2026 • 08:29 Uhr
Eine Gruppe schwerreicher New Yorker fordert, höher besteuert zu werden. In ihrem neuen Bürgermeister Mamdani haben sie dabei einen politischen Mitstreiter - dessen Mantra im Wahlkampf war "tax the rich".
Abigail Disney wurden die Millionen in die Wiege gelegt. Die Erbin von Disney-Mitgründer Roy Disney weiß, was es heißt, mit Privatjet aufzuwachsen. Und dennoch fordert sie eine höhere Besteuerung der Reichen - so wie auch der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani.
Ihr Großvater Roy Disney war im Unternehmen der Mann für die Finanzen, sein Bruder Walt der Kreative, der Erfinder von Mickey Mouse. "Das ist Opa", sagt Abigail Disney und zeigt auf den Mann in dem Video auf ihrem Bildschirm, der bis heute ihr großes Vorbild ist. Das Video war in seinem Haus in Hollywood gedreht worden, als sie noch ein Kind war. "Dort lebten die, die zwar wohlhabend waren, aber nicht in den gigantischen Villen wohnen wollten."
"Mein Großvater hat nie mehr als 20-mal so viel verdient wie seine Angestellten im Schnitt", erklärt die 66-Jährige. Er habe noch den Müll aufgehoben, wenn er durchs Disneyland ging. Der jetzige Disney-Boss verdient das 800-fache von seinen Mitarbeitern.
Abigail Disney ist Multimillionärin und fordert, dass Menschen wie sie höhere Steuern zahlen sollten.
"Patriotische Millionäre" fordern höhere Steuern
Die Disney-Erbin interessiert, wie sich Reichtum im Laufe der Zeit verändert hat und warum die Kluft zwischen Arm und Reich heute so groß ist wie noch nie. Sie hat selbst den größten Teil ihres Vermögens gespendet. Superreiche wie Amazon-Gründer Jeff Bezos könnten ihr Geld im ganzen Leben nicht ausgeben. "Ein Albtraum ist das - wie können wir das als normal akzeptieren?", fragt sie.
Disney kämpft gemeinsam mit einer Gruppe von mehr als 100 "Patriotischen Millionären" seit Jahren dafür, dass Reiche höher besteuert werden. Jetzt haben sie einen bekannten Unterstützer gefunden: Zohran Mamdani, den neuen Bürgermeister der reichsten Stadt der USA.
"Tax the rich", lautete das Mantra seines Wahlkampfes. In einem ersten Schritt will er die Eigentümer von Luxusimmobilien zur Kasse bitten. Sie sollen eine jährliche Abgabe für Wohnungen im Wert von mehr als fünf Millionen Dollar zahlen, wenn sie nicht regelmäßig dort wohnen. "Jeder muss seinen Beitrag leisten in dieser Stadt. Und manche ein kleines bisschen mehr als andere", erklärte Mamdani in einem Social-Media-Post, der viral ging und fast fünf Millionen Likes bekam.
Empörung unter Mamdani-Gegnern
In New York leben fast 400.000 Millionäre und etwa 66 Milliardäre. Eine Gruppe von ihnen hatte Millionen investiert, um Mamdani als Bürgermeister zu verhindern, sich nach seiner Wahl aber zunächst mit Kritik zurückgehalten.
Doch die Zweitwohnsteuer löst große Empörung bei ihnen aus. Hedgefonds-Chef und Milliardär Ken Griffin, Eigentümer des teuersten Apartments, das je in den USA verkauft wurde, droht, New York zu verlassen: "Mamdani macht klar: Erfolg ist nicht willkommen in New York."
US-Präsident Donald Trump bezeichnet Mamdani als einen Kommunisten: "Seine Politik ist schlecht. Er vertreibt die Leute und fügt allen großen Schaden zu. Die Steuern gehen für alle durch die Decke."
"Alles hat mit Reagan begonnen"
Disney und die anderen "Patriotischen Millionäre" setzen große Hoffnungen in Mamdani. Endlich einer, der gegen die Milliardäre und Millionäre vorgehe, die das Land regierten. Zu lange habe die Politik zugeguckt, wie die Reichen immer reicher wurden, während selbst gut Verdienende sich das Leben in Städten wie New York nicht mehr leisten können.
Alles habe mit Ronald Reagan begonnen, erklärt Frau Disney. Der damalige Präsident habe die USA in den 1980er-Jahren radikal umgebaut, den Wohlhabenden Steuererleichterungen beschert und diese damals sogar im Themenpark Disney World verkündet. "Er ging die Gewerkschaften an, stellte die Zahlungen für Infrastruktur ein, entzog den öffentlichen Schulen sämtliche Gelder. Er ging alles an, alles, überall, gleichzeitig."
Bis heute habe es kein Präsident gewagt, das zurückzudrehen, auch die demokratischen nicht, kritisiert die Disney-Erbin. Die Konsequenzen seien bei den letzten Wahlen zu spüren gewesen. "Die Trump-Wähler sind sehr, sehr wütend darüber, wie sie geopfert wurden und wie ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde."
Stadt mit den größten Gegensätzen im Land
Nirgendwo in den USA sind die Gegensätze zwischen Reich und Arm so groß wie in New York. Die Stadt mit den meisten Superreichen in den USA, den teuersten Mieten, aber auch den meisten Obdachlosen im Land. Eine Stadt, zwei Welten - der Gegensatz wird immer extremer und immer sichtbarer.
"Wir verlieren viel", sagt Abigail Disney. "Das bricht mir das Herz. Deshalb hoffe ich, dass Zohran wieder junge Menschen in die Stadt lockt, denn die jungen Leute, die jetzt hier wohnen, hoffen alle, dass sie mal Hedgefonds-Manager werden." Sie dagegen wünsche sich "die Künstler zurück, die Schriftsteller, die hungernden Dichter".
Die Superreichen haben mittlerweile geklagt gegen Mamdanis Zweitwohnsteuer - doch bisher hat keiner von ihnen New York den Rücken gekehrt.
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