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Friday, September 11, 2026

Nachwahl in London: Camden calling

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Sagal Abdi-Wali will für Labour Keir Starmers früheren Wahlkreis gewinnen. Sie wäre die erste Frau mit somalischem Hintergrund im britischen Unterhaus.

Daniel Zylbersztajn-Lewandowski

Sagal Abdi-Wali, 42, floh im Alter von sieben Jahren vor dem Krieg in Somalia nach Großbritannien. Heute ist sie die Ratschefin im Londoner Stadtbezirk Camden. Am Mittwochabend wurde sie als Labour-Kandidatin für die Nachfolge des ehemaligen Premierministers Keir Starmer im britischen Unterhaus bestätigt.

Starmer hatte mit seiner Ankündigung, als Abgeordneter des zentralen Londoner Wahlkreises Holborn and St. Pancras zurückzutreten, eine Nachwahl am 8. Oktober 2026 ausgelöst. Der Wahlkreis umfasst den südöstlichen Teil Camdens. Sollte Abdi-Wali die Nachwahl gewinnen, wäre sie die erste Frau und erst die zweite Abgeordnete mit somalischem Familienhintergrund im britischen Unterhaus.

Bei der letzten Volkszählung 2021 lebten insgesamt 176.645 Menschen mit somalischem Familienhintergrund in England und Wales. Rund 70.000 von ihnen leben in London, darunter auch in Camden. Laut der Volkszählung leben 72 Prozent in Sozialwohnungen und knapp 60 Prozent in überbelegten Wohnungen – weit mehr als im nationalen Durchschnitt. Der sozialen Benachteiligung stehen jedoch Selbsthilfe und ein starkes Engagement für die eigene Kommune gegenüber.

Auch Abdi-Wali ist seit vielen Jahren vor Ort aktiv, sowohl in zahlreichen Organisationen als auch als Vorstandsmitglied zweier staatlicher Schulen. Rund 20 Prozent der Menschen in ihrem Wahlkreis sind muslimischen Glaubens. 2022 wurde sie Kommunalrätin für Camden Square, den Bezirk, in dem einst Amy Winehouse lebte. Dieses Engagement hat in ihrer Familie Tradition: Ihre Mutter gründete bereits ein Hilfszentrum für somalische Geflüchtete in Großbritannien.

Der Gemeinschaft etwas zurückgeben

Abdi-Wali wurde erst im Mai zur politischen Vorsitzenden des Londoner Bezirks Camden gewählt. In dieser Position führt sie die Exekutive des Bezirks.

Ihr besonderes Interesse gilt dem Bau und der Sanierung von Sozialwohnungen sowie den Ausbildungs- und Arbeitschancen für Kinder und Jugendliche, die in Camden aufwachsen. Davon sollen sie unter anderem durch das wachsende „Knowledge Quarter“ profitieren, ein Wissenschafts- und Technologiecluster rund um die Bahnhöfe St Pancras und King’s Cross. Dort haben sich unter anderem Google, Samsung und das Francis Crick Institute angesiedelt.

Den Weg ins Unterhaus könnte ihr nun der Grünen-Vorsitzende Zack Polanski streitig machen, sollte seine Kandidatur am Wochenende von seiner Partei bestätigt werden. Bei den Kommunalwahlen in Camden konnten die Grünen Labour einige Sitze abnehmen, darunter auch den Wahlbezirk von Abdi-Walis Vorgänger an der Spitze der Kommunalbehörde.

Auch Keir Starmer musste bei der Unterhauswahl 2024 Verluste hinnehmen. Zwar gewann er den Wahlkreis mit 48,9 Prozent der Stimmen, das waren jedoch 17,4 Prozentpunkte weniger als noch 2019. Davon profitierte unter anderem ein linker unabhängiger Kandidat, der mit einer propalästinensischen Plattform antrat. Mit Andy Burnham als neuem Labour-Chef und Premierminister sowie einer stärker propalästinensischen Ausrichtung könnte Labour nun wieder Stimmen zurückgewinnen.

„Dieser Ort hieß meine Familie willkommen und gab uns Hoffnung, als wir sie am meisten brauchten“, sagte Abdi-Wali nach ihrer Nominierung. Sie sei dankbar, in Camden aufgewachsen zu sein und sich heute für die Menschen dort einsetzen zu können. Ihre Kandidatur verstehe sie auch als eine Möglichkeit, der Gemeinschaft etwas zurückzugeben.

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