New York verabschiedet sich von einer Legende

Aus für die Pferdekutschen im Central Park
New York verabschiedet sich von einer Legende
Hufgeklapper zwischen Wolkenkratzern, romantische Kutschfahrten durch den Central Park und ein Hauch von altem New York: Seit mehr als 150 Jahren gehören Pferdekutschen zum Stadtbild. Nun sollen sie verschwinden. Ein tragischer Unfall gab den Ausschlag für das Ende einer Tradition.
Publiziert: vor 15 Minuten
Wer an New York denkt, hat oft ganz bestimmte Bilder im Kopf: gelbe Taxis, dampfende Strassenschächte, die Skyline von Manhattan und Pferdekutschen, die gemächlich durch den Central Park rollen. Für viele Besucher gehört eine solche Fahrt zum klassischen New-York-Erlebnis. Doch damit könnte bald Schluss sein.
Der Stadtrat von New York hat ein Gesetz verabschiedet, das die traditionellen Pferdekutschen im Central Park abschaffen soll. Damit geht eine Ära zu Ende, die lange vor dem Siegeszug des Automobils begann. Die Entscheidung freut Tierschutzorganisationen, sorgt bei Kutschern und Betreibern aber für grosse Unsicherheit.
Eine Tradition aus einer anderen Zeit
Seit 1858 gehören Pferdekutschen zum Central Park. Über Generationen hinweg liessen sich Einheimische und Touristen durch die grüne Oase mitten in Manhattan fahren. Während draussen der Verkehr rauschte und die Stadt immer höher in den Himmel wuchs, boten die Kutschen einen entschleunigten Blick auf New York.
Für manche waren sie der Inbegriff einer romantischen Städtereise. Besonders rund um die Wege des Central Parks entstanden jene Bilder, die man aus Filmen, Serien und Reiseführern kennt: Pferde, die unter Bäumen entlangziehen, Kutscher mit hohen Hüten und Paare, die für einen Moment dem hektischen Grossstadtleben entfliehen.
Doch New York hat sich verändert. Und die Frage, ob Pferde in einer Millionenmetropole noch für touristische Fahrten eingesetzt werden sollten, wird seit Jahren kontrovers diskutiert.
Tragischer Unfall löst die Wende aus
Den entscheidenden Anstoss für das neue Gesetz gab ein tödlicher Unfall im Juni 2026. Der 18-jährige Romanch Mahajan kam während einer Kutschfahrt im Central Park ums Leben. Das Ereignis entfachte die Debatte über Sicherheit und Tierschutz erneut.
Auch dieses Ereignis im Juni, bei dem ein Pferd im Central Park zusammenbrach und starb, heizte die Diskussion an.
Befürworter des Verbots argumentieren, dass die Tiere den Belastungen einer modernen Grossstadt nicht ausgesetzt werden sollten. Tierschutzorganisationen verweisen seit Jahren auf Fälle erschöpfter Pferde, zusammengebrochener Tiere und Gefahren durch den Stadtverkehr. Auch der Tod eines 16-jährigen Kutschpferdes im Juni dieses Jahres sorgte für Empörung.
«Die Pferdekutschen gehörten zur Geschichte New Yorks, noch bevor es Autos gab. Aber unsere Stadt hat sich stark verändert», sagte die Stadträtin Lynn Schulman während der Beratungen laut dem polnischen Nachrichtenportal, das über den Entscheid berichtete.
Verbot soll 2028 in Kraft treten
Noch ist das Ende nicht unmittelbar besiegelt. Das Gesetz muss zunächst von Bürgermeister Zohran Mamdani unterzeichnet werden. Falls er es unterschreibt, soll das Verbot am 1. Juni 2028 in Kraft treten.
Die Übergangsfrist von knapp zwei Jahren soll den Verantwortlichen Zeit geben, neue Plätze für die Pferde zu finden und die Zukunft der Beschäftigten zu regeln. Nach Angaben aus dem Gesetzgebungsverfahren gibt es derzeit 68 lizenzierte Kutschen. Rund 150 Kutscher sowie weitere Beschäftigte und ihre Familien leben direkt oder indirekt von dem Geschäft.
Die Stadt soll bis April 2027 ein Unterstützungsprogramm ausarbeiten. Im Gespräch sind unter anderem Berufsberatung, Hilfe bei der Stellensuche und mögliche finanzielle Entschädigungen. Konkrete Details stehen allerdings noch aus.
Zwischen Nostalgie und Tierschutz
Bei den Kutschern stösst das Vorhaben auf Widerstand. Sie fürchten um ihre Existenz und kritisieren, dass die Zukunft der Beschäftigten und der Pferde noch nicht ausreichend geklärt sei. Gewerkschaftsvertreter erwägen deshalb rechtliche Schritte gegen die neuen Vorschriften.
Der Konflikt zeigt, wie schwierig der Umgang mit Traditionen ist, wenn sich die Ansprüche an eine moderne Stadt verändern. Was für Touristen nach einem romantischen Stück Vergangenheit aussieht, bedeutet für die Tiere Arbeit unter den Bedingungen einer dicht befahrenen Grossstadt. Für die Menschen, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen, geht es wiederum um weit mehr als ein nostalgisches Fotomotiv.
Sollte das Gesetz wie geplant umgesetzt werden, bleiben für New-York-Fans noch knapp zwei Jahre, um die Kutschen im Central Park zu erleben. Danach könnte das vertraute Hufgeklapper aus dem Stadtbild verschwinden.
Ein Stück Filmkulisse wäre dann leider definitiv Geschichte.
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