Repression in Myanmar – Gefolterter Journalist: «Sie nannten mich einen Landesverräter»

Han Thar sitzt auf dem Sofa seiner kleinen Wohnung in Bangkok. Sein Blick schweift über die Skyline der Grossstadt, gut 500 Kilometer entfernt von seiner Heimat Myanmar. Vor dem Putsch, so erinnert sich der 44-jährige Journalist, seien die Arbeitsbedingungen gut gewesen. «Wir konnten Aung San Suu Kyi und die Regierung kritisieren. Das mussten die Behörden hinnehmen.» Es war eine Zeit der Öffnung, in der sich nicht nur Medien, sondern auch Bürgerinnen und Bürger trauten, ihre Meinung zu äussern.
Seit der Machtübernahme durch das Militär im Februar 2021 hat sich die Lage in Myanmar dramatisch verschlechtert. In weiten Teilen des Landes herrscht ein Bürgerkrieg zwischen der Armee und bewaffneten Widerstandsgruppen. Laut den Vereinten Nationen (UNO) sind in der Folge rund vier Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben worden. Die Militärjunta geht mit äusserster Härte gegen jegliche Form von Kritik vor. Laut «Reporter ohne Grenzen» ist Myanmar weltweit das Land mit der dritthöchsten Zahl inhaftierter Journalisten, direkt hinter China und Russland.
Der Putsch ändert alles
Im Februar vor fünf Jahren änderte sich alles schlagartig. «Anfangs wussten wir nicht, was vor sich ging. Es gab keinen Internetzugang mehr», erzählt Han Thar. «Dann verkündeten die offiziellen Medien, dass das Militär die Macht übernommen habe. Wir waren schockiert.» Als grosse Teile der Bevölkerung auf die Strasse gingen, antwortete das Militär mit roher Gewalt.
Han Thar berichtete trotzdem weiter, vor allem für internationale Medien. Er war sich des Risikos bewusst, doch er machte weiter, bis ihn die Machthaber stoppten. Die Szene seiner Verhaftung war wie aus einem Film: «Sie fuhren mit drei Militärfahrzeugen und zwei Polizeiautos mit heulenden Sirenen vor. Der Aufwand war übertrieben, sie sperrten die gesamte Strasse ab.»
Es folgten zwei Wochen Untersuchungshaft. Han Thar wurde ein Sack über den Kopf gestülpt, er wurde geschlagen und getreten. «Sie nannten mich einen Landesverräter», berichtet er mit gefasster Stimme. «Sobald ich mich hinsetzen wollte, schlugen sie mich. Irgendwann muss ich das Bewusstsein verloren haben.» Man habe ihn mit kaltem Wasser überschüttet, nur damit die Folter weitergehen konnte.
Überleben in Einzelhaft
Nach der Untersuchungshaft kam er ins berüchtigte Insein-Gefängnis in Einzelhaft. Vier Jahre und zwei Monate. Der Kontakt zu anderen Häftlingen war verboten.
«Ich war oft traurig und habe geweint», gibt er zu. «Gleichzeitig wusste ich, dass ich das durchstehen und überleben musste.» Halt fand er in der Meditation und in Büchern über politische Idole wie John F. Kennedy, Nelson Mandela und Barack Obama.
Nach seiner Freilassung fühlte er sich nicht sicher, zog mehrmals um und floh schliesslich nach Thailand. Die Zeit im Gefängnis hat Spuren hinterlassen: fünf verlorene Zähne und chronische Rückenschmerzen. Trotz allem sagt er bestimmt: «Ich bereue nichts. In der Geschichte meines Landes gab es schon so viele Putsche. Deshalb wollte ich nicht aufgeben. Journalismus ist schliesslich kein Verbrechen.»
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