Erste AR-Brille für Verbraucher: Snap stellt KI und neue Apps für Specs vor
Snap hat bei einem Launch-Event in Los Angeles neue Details zu seiner AR-Brille Specs vorgestellt. Dazu gehören der persönliche KI-Dienst Specs Intelligence, neue Anwendungen und Dienste für Verbraucher sowie Enterprise-Partnerschaften. Neu angekündigt hat Snap außerdem ein optionales Ladecase mit Mobilfunkanbindung.
Ein konkretes Erscheinungsdatum nennt Snap weiterhin nicht, die Auslieferung soll jedoch im Herbst in den USA, Großbritannien und Frankreich beginnen. Die AR-Brille kostet 2195 US-Dollar und kann mit einer rückerstattbaren Anzahlung von 200 Dollar vorbestellt werden. Ab dem 1. Oktober wird es in Los Angeles zudem eine temporäre Präsentationsfläche geben, auf der Interessierte die Specs ausprobieren können.
Snap stellt seinen KI-Dienst vor
Snap Specs ist die erste an Verbraucher gerichtete AR-Brille: Sie kombiniert ein relativ weites Sichtfeld von 51 Grad mit räumlicher Umgebungserfassung und 3D-Grafik und bringt all das in einem Formfaktor unter, der einer herkömmlichen Brille nahekommt.
Etwas Ähnliches hat bislang nur Meta mit der AR-Brille Orion vorgestellt, die allerdings kein kommerzielles Produkt ist. Anders als die Specs setzt Orion auf eine externe Recheneinheit, während bei Snaps Brille alle wichtige Elektronik im Brillengehäuse steckt. Gesteuert wird die Specs per Sprache und Handtracking. Eingaben über subtile Mikrogesten, wie Meta sie mit dem Neural Band ermöglicht, werden nicht unterstützt.
Einen detaillierten Blick auf die Technik hat Snap bereits im Juni gegeben. Beim Event stand deshalb vor allem die Software im Vordergrund. Neu vorgestellt wurde Specs Intelligence, ein persönlicher KI-Assistent für iPhone, Mac und die AR-Brille. Er soll aus freigegebenen Apps und Diensten Ziele, Prioritäten und Routinen ableiten und proaktiv relevante Informationen oder Aktionen vorschlagen. Auf den Specs können diese Hinweise direkt ins Sichtfeld eingeblendet werden.
Specs Intelligence ist bislang nur eingeschränkt verfügbar: in den USA als iOS-Vorschau und in einer umfassenderen Version auf dem Mac per Warteliste und Einladung.
Technik mit AR-typischen Kinderkrankheiten
Snap zeigte außerdem eine Reihe von Anwendungen für die Specs. Dazu gehören unter anderem Sport- und Fitness-Apps, eine Harry-Potter-Erfahrung, Streaming über YouTube und HBO Max, sowie Echtzeitübersetzung, Navigation und 3D-Shopping. Mehrere Specs können zudem gemeinsame AR-Erlebnisse darstellen, etwa Domino, Schach oder Tischtennis. Auch im Unternehmensbereich baut Snap das Ökosystem aus mit Partnern wie Salesforce, AWS und Nvidia. Etwas grundlegend Neues hat Snap dabei nicht gezeigt: Viele der präsentierten Konzepte wurden bereits mit früherer AR- oder Mixed-Reality-Hardware erprobt.
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Erste Praxistests der US-Presse fallen gemischt aus, wobei die Kritik vor allem die Technik betrifft. The Verge bemängelte etwa das begrenzte Sichtfeld, eine teils hakelige Gestensteuerung sowie die schlechtere Erkennbarkeit der AR-Inhalte bei hellem Sonnenlicht.
Darüber hinaus stellt sich die grundsätzliche Frage, wie AR-Brillen die Interaktion mit der Umgebung und anderen Menschen verändern. Snap verspricht, Computer mit den Specs „menschlicher“ zu machen. Ob das gelingt, wenn digitale Inhalte mitten im Sichtfeld erscheinen und sich damit zwischen Nutzer, Umwelt und Mitmenschen schieben, darf man bezweifeln.
Die größten unmittelbaren Hürden für einen kommerziellen Erfolg der Snap Specs dürften der hohe Preis und das klobige Erscheinungsbild sein. Anders als Metas Smart Glasses sind die Specs noch klar als Computerbrille zu erkennen. Hinzu kommt, dass Smart Glasses mit Kameras aus Datenschutzsicht weiterhin stark umstritten sind.
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