Welternährungstag der UN: Der Kampf gegen Hunger kommt kaum voran
Stand: 16.10.2026 • 08:19 Uhr
Kriege, Klimawandel und gekürzte Hilfsgelder verschärfen die weltweite Ernährungskrise, besonders in Krisenregionen. Der Kampf gegen Hunger kommt kaum voran. Das UN-Ziel "Zero Hunger" bis 2030 rückt in weite Ferne.
Das Gebäude der FAO, der Welternährungsorganisation, liegt mitten im römischen Stadtzentrum, direkt gegenüber des antiken Zirkus Circo Massimo. Es ist kurz vor sieben Uhr morgens, die meisten Fenster sind noch dunkel.
Doch bei Maximo Torero brennt noch Licht. Der Peruaner ist Chefökonom der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, und hat gerade einen besonders vollen Terminkalender, denn noch bis heute findet hier das World Food Forum statt. Delegationen und Staatschefs aus aller Welt reisen nach Rom, um über ein Thema zu sprechen: Wie kann der Hunger in der Welt besiegt werden?
Weltweite Konflikte erschwert Lage
"Zero Hunger" bis zum Jahr 2030 - dieses Ziel hatten sich die Vereinten Nationen optimistisch vor gut zehn Jahren selbst gesetzt. Das aber scheint aktuell in weite Ferne gerückt.
Wir werden das Ziel "Zero Hunger" nicht erreichen. Meine Hoffnung ist, dass Südamerika es schaffen könnte, wenn die Anstrengungen dort fortgesetzt werden. Auch Südasien beziehungsweise Teile Asiens könnten dem Ziel nahekommen. Entscheidend ist aber, dass wir in Afrika einen stärkeren Rückgang erreichen.
Maximo Torero, Chefökonom der FAO
Schwierige Ausgangslage
Die Ausgangslage könnte nicht schwieriger sein. Da wäre zum einen der Konflikt um die Straße von Hormus: Ein großer Teil der weltweit verschifften Düngemittel stammt aus der Golfregion. Doch der Krieg blockiert die Lieferungen, die Preise für Dünger steigen und werden vor allem für Landwirte in armen Ländern unbezahlbar.
Dazu kommt, die erneute teilweise Blockade im Schwarzen Meer: Das Schwarze Meer ist die Verbindung zwischen Europa und Asien über die bis 2022 bis zu 90 Prozent der Getreideexporte aus der Ukraine - also der europäischen Kornkammer - verliefen. Seit Anfang Oktober werden dort wieder verstärkt Frachter, die unter anderem ukrainischen Mais und Weizen geladen hatten von mutmaßlich russischen Drohnen angegriffen.
Und das zu einer Zeit, in Weizen unter anderem aufgrund des Klimawandels ohnehin massiv unter Druck stehe, so Torero. "Das weltweite Weizenangebot ist dann geringer als zuvor. Das bedeutet, dass die Preise steigen werden." Die aktuelle Blockade verschärfe also eine Situation, die ohnehin bereits angespannt sei.
Staaten stellen Zahlungen ein
Steigende Preise für Dünger, Getreide und natürlich Öl- und Benzin - die Konsequenzen sind überall auf der Welt spürbar. Am schlimmsten aber, trifft es die Ärmsten der Armen, diejenigen, die auf humanitäre Soforthilfe angewiesen sind, wie in den Kriegs- und Krisengebieten im Südsudan, im Jemen und in Gaza.
Und ausgerechnet jetzt schrumpfen auch noch die Mittel für Hilfe: Laut eines Berichts des Welternährungsprogramms ist die Finanzierung humanitärer Ernährungshilfe im Jahr 2025 um 60 Prozent eingebrochen. Neben den USA haben auch viele andere Länder Gelder gestrichen - darunter auch Deutschland.
"Wir müssen Wege finden, diese Finanzierungslücke zu verkleinern, denn hier geht es um unmittelbare, kurzfristige Probleme. Und wir wollen verhindern, dass aus einem kurzfristigen Problem ein langfristiges wird", sagt Maximo Torero. Er will optimistisch bleiben: Gerade angesichts der vielen Krisen müsse die Weltgemeinschaft jetzt gemeinsam nach neuen Wegen suchen. Und genau darum geht es dieser Tage hier in Rom.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.