Konzernumbau beim Autohersteller: Was VW in China anders macht
Stand: 25.08.2026 • 10:50 Uhr
Volkswagen steht vor einem Konzernumbau. In China lässt sich bereits beobachten, wie sich das Unternehmen verändern könnte. Dort produziert VW vergleichsweise günstige E-Autos. Aber taugt das Modell auch für Deutschland?
Es ist das neueste VW-Modell auf dem chinesischen Markt - der ID.Era 5 S -, ein Plugin-Hybrid, das neueste Fahrassistenzsystem standardmäßig dabei. Die Limousine in der Größe der Familienkutsche VW Passat kostet derzeit in China umgerechnet nur knapp 12.000 Euro - gut halb so viel wie das Kleinwagen-Modell Polo in Deutschland.
Etwa 20 neue oder überarbeitete Modelle bringt VW allein in diesem Jahr für den chinesischen Markt heraus, in China gebaut und entwickelt - vieles von chinesischen Partnern abgeschaut.
Kosten reduzieren
Wer hier mithalten will, muss in einem harten Preiskampf bestehen, so Konzernchef Oliver Blume zur Pekinger Automesse im Frühjahr. "Durch die Aktivitäten der letzten Jahre waren wir in der Lage, unsere Kosten deutlich zu reduzieren, um 40 bis 50 Prozent."
Doch wie geht das? Ein altes Werk in Nanjing wurde geschlossen, ein modernes in der Provinz Anhui gebaut, samt Entwicklungszentrum nach chinesischem Vorbild. Das Herzstück vernetzter Autos. Die Software, programmieren junge chinesische Softwareingenieure gleich neben den Teststationen, Fehler werden sofort zurückgemeldet. "Durch die Inhouseentwicklung haben wir die Möglichkeit, direkt den Fehler abzustellen," sagt Vadym Finn Cemmasson, der die Abteilung mit aufgebaut hat.
In nur 18 Monaten soll ein neuer Wagen marktreif sein - halb so lang wie bisher. Der Verdienst eines Ingenieurs in China ist außerdem bis zu zwei Drittel geringer als in Deutschland.
Kaum Arbeitsplätze
Nicht weit vom Entwicklungszentrum steht die Fabrik. Nur noch wenige Menschen sind zu sehen. Fahrkörbe fahren automatisch gesteuert durch die Hallen - mehr als 1.000 Roboter sind dabei, Karosserien zusammenzuschweißen oder die Steuerungsplattform mit der Karosserie zu verschmelzen.
Etwa 150 Arbeiter sind hier vor allem noch in der Qualitätskontrolle beschäftigt. Die üblichen Einstiegsgehälter für die Arbeiter in der Branche sind umgerechnet etwa 450 Euro im Monat - wenn sie überhaupt noch gebraucht werden. "Wir haben einen Automatisierungsgrad von fast 95 Prozent, wir haben fast keine manuellen Arbeitsplätze mehr", sagt Thomas Schinke, Manager bei Volkswagen Anhui.
Knallharter Preiskampf
Bislang produziert VW nur für den chinesischen Markt und einige Exportmärkte in Asien - und sieht sich dort in einem knallharten Preiskampf mit chinesischen Herstellern. In Deutschland gelten allein wegen der Löhne andere Produktionsbedingungen. Doch auch hier drängen chinesische Hersteller auf den Markt.
Aus der niedersächsischen Landesregierung kommen kommen nun Vorschläge, die in China entwickelten VW-Autos in Deutschland zu bauen. Ein Schritt, den sich auch Stefan Bratzel vom Center for Automotive Management in Bergisch-Gladbach vorstellen kann.
"Ich glaube, dass es tatsächlich eine Variante ist, chinesische Entwicklungsleistungen von Volkswagen einzusetzen, um tatsächlich günstig Fahrzeuge zu entwickeln, aber dann in Europa produzieren zu lassen. Mittel- und langfristig muss es natürlich wieder gelingen, auch in Deutschland ähnliche Entwicklungsleistungen in ähnlichem Muster wie in China realisieren zu können." Das Beispiel VW in China zeigt - die Automobilbranche steht unter Druck.
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