KI-Boom – IT-Kosten von Städten und Kantonen steigen stark

- Computer und Server werden deutlich teurer.
- Städte und Kantone verschieben deshalb Anschaffungen oder erhöhen ihre Budgets.
- Ein Grund ist die hohe Nachfrage nach Komponenten für Künstliche Intelligenz.
«Ein Computer, der letztes Jahr 660 Franken kostete, kostet heute 1500 Franken», sagt Rolf Weber gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). Weber ist Geschäftsführer der IT-Firma Darest in Lausanne und seit 40 Jahren in der Branche tätig. Einen solchen Preisanstieg habe er noch nie erlebt.
Auch eine gemeinsame Ausschreibung mehrerer Westschweizer Kantone für mehrere Tausend Computer wurde gestoppt. Innert weniger Wochen waren die Preise so stark gestiegen, dass die Bestellung nicht mehr wie geplant möglich war. «Das hätte zusätzliche Ausgaben von mehreren Millionen Franken bedeutet», sagt Weber.
Verwaltungen verschieben Anschaffungen
Die Folgen zeigen sich in der ganzen Westschweiz. Der Kanton Wallis hat die Hälfte der für dieses Jahr geplanten Erneuerungen von Arbeitsplätzen verschoben. In Morges haben sich die Preise für Arbeitsstationen verdoppelt. Der Kanton Waadt wiederum erhöhte sein Beschaffungsbudget um zehn Prozent. Das entspricht zusätzlichen Ausgaben von mehreren hunderttausend Franken.
Besonders stark ist der Anstieg in der Stadt Genf: Ein Server für die Virtualisierung kostete 2025 noch 57'000 Franken. 2026 sind es 330'000 Franken.
KI als Kostentreiber
Als Hauptgrund für die steigenden Preise gilt der weltweite Ausbau der Infrastruktur für KI. Seit dem Start von Chat GPT investieren Technologiekonzerne wie Amazon, Meta, Google und Microsoft grosse Summen in neue Rechenzentren.
So spüren Firmen die hohen IT-Preise (mit dt. Untertiteln):
Diese benötigen enorme Mengen an Komponenten wie Arbeitsspeicher, Grafikprozessoren und Festplatten. Dieselben Bauteile werden jedoch auch für gewöhnliche Server, Computer und Smartphones benötigt.
«Die Investitionen dieser vier Giganten beliefen sich 2025 auf 400 Milliarden Dollar und dürften in diesem Jahr die Marke von 800 Milliarden Dollar überschreiten», sagt Ipek Ozkardeskaya, Analystin bei Swissquote. Mehr als die Hälfte dieses Geldes fliesse direkt an die Chiphersteller.
Auch Unternehmen zahlen deutlich mehr
Betroffen sind nicht nur öffentliche Verwaltungen. Auch Westschweizer Unternehmen spüren die höheren Kosten.
Beim Genfer Unternehmen Downtown Studio, das auf Filmschnitt und Spezialeffekte spezialisiert ist, kostete ein leistungsfähiger Schnittcomputer vor zwei Jahren noch zwischen 3000 und 4000 Franken. Heute werden dafür rund 8000 Franken fällig.
Eine 500 Gramm schwere Festplatte kostet inzwischen fast so viel wie Kaviar.
«Im Laufe des nächsten Jahres müssen wir uns ernsthaft fragen, wie wir unsere Geräte erneuern können, ohne unsere finanziellen Möglichkeiten zu sprengen», sagt der IT-Verantwortliche des Unternehmens, Jean-Pascal Gaiffas.
Noch schwieriger ist die Situation bei der Datenspeicherung. Die Firma Digital Light stellt für Downtown Studio eine Speicherinfrastruktur mit einer Kapazität von zwei Millionen Gigabyte bereit.
Fachleute aus der Branche rechnen auch 2027 nicht mit einer deutlichen Entspannung. Längerfristig könnte ein weiterer Faktor die Nachfrage nach Halbleitern erhöhen: humanoide Roboter.
Derzeit werden davon weltweit jährlich erst einige Zehntausend Exemplare verkauft. In den kommenden fünf Jahren könnte ihre Zahl deutlich zunehmen.
«Bis 2050 gehen einige Banken von mehreren Hundert Millionen Robotern aus – und all diese Roboter werden Chips benötigen», sagt Ipek Ozkardeskaya, Analystin bei Swissquote.
Bei drei wichtigen Komponenten hätten sich die Preise allein in den vergangenen Monaten verdoppelt, verdreifacht oder sogar vervierfacht, sagt Firmengründer Cédric Tineo. «Unsere Kunden sind überhaupt nicht bereit, zwei-, drei- oder viermal mehr zu bezahlen. Sie könnten sich das auch gar nicht leisten.»
30-Terabyte-Festplatten vergleicht Tineo inzwischen mit Luxusprodukten: «Früher war das einfach eine Festplatte. Heute ist sie praktisch ein Goldbarren. Eine 500 Gramm schwere Festplatte kostet inzwischen fast so viel wie Kaviar.»
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