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Monday, September 28, 2026

Getreide für den Süden: Warum Wadephul mit Lawrow sprach

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Überraschend war das Treffen von Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU)  mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow am Samstag in New York allemal. Aber über das ganze Wochenende hinweg und auch am Montag wurde im politischen Berlin intensiv darüber gesprochen, ob das gut 20-minütiges Gespräch wirklich eine gute Idee war. Beide Politiker hatten am Rande der UN-Vollversammlung kurz zusammen gefunden. Ohne die heftigen Differenzen beider Staaten beilegen zu können. 

In der Regierungspressekonferenz am Montag in Berlin sagte der Sprecher des deutschen Außenministers, Josef Hinterseher, natürlich sei das Ergebnis des Treffens am Ende "äußerst ernüchternd" gewesen. Sicher auch, weil sich Lawrow nach dem Treffen abschätzig über seinen deutschen Kollegen äußerte. Was wiederum die deutsche Seite nicht erstaunte, wie Hinterseher erklärte: "Wir wissen natürlich um den propagandistischen Mehrwert  eines solchen physischen Treffens. Der je auch von russischer Seite entsprechend genutzt wird. Dennoch war es an dieser Stelle vertretbar, ein solches Treffen zu haben." 

Das Bild zeigt Außenminister Johann Wadephul mit seinem Sprecher Josef Hinterseher auf dem Berliner Flughafen auf dem Weg zu einem Regierungsflugzeug
Johann Wadephul mit seinem Sprecher Josef Hinterseher, der das Ergebnis des Treffens in New York am Montag "äußerst ernüchternd" fandBild: Soeren Stache/dpa/picture alliance


Tatsächlich war die überraschende Zusammenkunft das erste bilaterale Treffen auf so einem hohen Niveau seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine im Frühjahr 2022. Zuletzt hatte die frühere Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) Lawrow im Januar 2022 getroffen, knapp einen Monat vor dem russischen Überfall.

Seitdem herrscht zwischen Deutschland und Russland Eiszeit, vor allem in den letzten Monaten. Wie das Auswärtige Amt mitteilte, war Wadephul von Politiker aus dem so genannten globalen Süden gebeten worden, ein solches Treffen zu organisieren. Denn durch den Krieg sind die weltweiten Getreidelieferungen sowohl aus Russland als auch aus der Ukraine zum Erliegen gekommen.

Es brauche für das Schwarze Meer einen Waffenstillstand, damit die Exporte wieder möglich werden. Dazu sagte Sprecher Hinterseher am Montag: "Bei Getreide handelt es sich um verderbliches Gut. Insofern ist da auch Dringlichkeit geboten, wenn man das jetzt in diesem Herbst angehen möchte." Ergebnisse brachte das Treffen aber auch an diesem Punkt nicht.

Lawrow: "Sie hätten mich einfach anrufen können!"

Wie frostig die Beziehungen sind und sicher auch bleiben, machte Sergej Lawrow nach dem Treffen deutlich. Geringschätzig gegenüber Wadephul sagte der russische Außenminister der "Deutschen Presseagentur" (dpa), er habe nichts gehört, was nicht ohnehin den täglichen öffentlichen Äußerungen Berlins entspreche. Deshalb habe er zu Wadephul gesagt: "Sie hätten mich einfach anrufen und mir sagen können: Lesen Sie meine Erklärung."

Das Bild zeigt den CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter
CDU-Politiker Roderich Kiesewetter: "Telefonieren hätte auch gereicht"Bild: Kai-Uwe Heinrich/TSP/IMAGO

Wadephul seinerseits wählte nach dem Gespräch gemäßigtere Worte. Im ARD-Fernsehen sagt er, ein wichtiger Grund für ihn, dem Treffen zuzustimmen, sei auch der jüngste versuchte Drohnen-Angriff am Flughafen in Leipzig gewesen. Für den die Bundesregierung Russland verantwortlich macht. "Es ist zum Glück nichts Schlimmes geschehen", sagte der CDU-Politiker. Aber er habe Lawrow klarmachen wollen, dass sich Deutschland widersetzen ​und wehren werde.

Mehrere Parteien in Deutschland wollen mit Russland reden

Und grundsätzlich fügte der deutsche Außenminister hinzu, die diplomatische Funkstille nach dem russischen Angriff auf die ⁠Ukraine ​Anfang 2022 sei richtig gewesen. Nun sei aber ​der Zeitpunkt gekommen, um wieder zu sprechen. Wadephul fasste das so zusammen: "Mit Freunden muss man nicht verhandeln, mit Gegnern muss man verhandeln."

Das war wohl auch eine Reaktion darauf, das politische Kräfte hierzulande wie die in Teilen rechtsextreme "Alternative für Deutschland" (AfD), aber auch das "Bündnis Sahra Wagenknecht" (BSW) und die Linkspartei schon lange fordern, wieder mit der russischen Regierung zu sprechen. Trotz des Krieges. Nur gab es von russischer Seite bislang nie irgend eine Bereitschaft zu Gesprächen. Wadephul dazu: "Allen, die immer wieder sagen, Deutschland muss verhandeln, Deutschland muss mal mit Russland reden, denen erwidere ich jetzt: Das tun wir."

Das Bild zeigt die Minister Russlands und Deutschlands, Sergej Lawrow und Johann Wadephul bei der UN-Generalversammlung, sie geben sich die Hände.
Ein kurzer Händedruck, danach machte sich Lawrow über Wadephul lustig Bild: Michael Kappeler/dpa/picture alliance

Kritik und Lob von Regierungs-Politikern

Kritik an dem Treffen kam aber auch aus den eigenen Reihen. So sagte der Außen-und Sicherheitsexperte der Konservativen, der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Ich sehe das Treffen sehr kritisch. Im Nachhinein wäre ein Telefonat klüger gewesen. Denn das Ergebnis bleibt das Gleiche." Den Glauben, dass sich mit Russland verhandeln lasse, habe Lawrow eben im Anschluss an das Gespräch "wie immer lächerlich gemacht."

Ganz anders sah das der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner. Die Sozialdemokraten sind der kleine Partner der Konservativen in der Regierung. Stegner  sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAZ), das Signal sei: "Die Europäer sind noch da." Lob kam auch von den oppositionellen Grünen.

Hintergrund für die deutsche Initiative war sicher auch, dass etwa US-Präsident Donald Trump dafür ist, Russland wieder in die Gruppe der führenden Industrienationen aufzunehmen, die dann statt im G7-Format wieder als G8-Gruppe tagen würden. Und Trump hat den russischen Präsidenten Vladimir Putin schon jetzt zum G20-Treffen im Dezember in Miami im US-Bundesstaat Florida eingeladen. Mit anderen Worten: Wenn die Dinge in Bewegung geraten, will Deutschland nicht abseits stehen.

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