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Sunday, October 11, 2026

Zürcherin Tara erhält am 22. Geburtstag MS-Diagnose

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  • Die Zürcherin Tara erhielt an ihrem 22. Geburtstag die Diagnose Multiple Sklerose.
  • Schwindel und starke Fatigue prägen heute ihren Alltag – sie kann derzeit nicht arbeiten.
  • Auf Social Media teilt sie ihre Erfahrungen, um anderen Betroffenen Mut zu machen.

«Sterbe ich?» Das war Taras erste Frage, als die Ärztinnen und Ärzte ihr Spitalzimmer betraten. An ihrem 22. Geburtstag fiel dann eine Diagnose, mit der die Zürcherin zunächst kaum etwas anfangen konnte: Multiple Sklerose (MS). Tara kannte die Krankheit nicht. Auch in ihrem Umfeld lebte niemand mit MS. Was die Diagnose für ihr Leben bedeutet, konnte sie in diesem Moment nicht einschätzen.

«Ich war total überfordert», sagt Tara heute. Sie wusste nicht, wie lange sie noch würde laufen, sehen oder sprechen können. Selbst die richtigen Fragen zu stellen, sei schwierig gewesen: «Ich wusste nicht, was los ist.» Wochen der Ungewissheit lagen hinter ihr. Mehr dazu liest du in diesem Artikel.

Tara erhielt vor drei Jahren die Diagnose MS, eine Krankheit, über die sie damals kaum etwas wusste. Die Ungewissheit über ihre Zukunft und mögliche Einschränkungen beim Laufen, Sehen oder Sprechen überforderte sie.

Tara erhielt vor drei Jahren die Diagnose MS, eine Krankheit, über die sie damals kaum etwas wusste. Die Ungewissheit über ihre Zukunft und mögliche Einschränkungen beim Laufen, Sehen oder Sprechen überforderte sie.20min/Taddeo Cerletti

Was ist MS?

Schon der Gang in die Küche kann zu viel sein

Heute ist Tara 25 und MS gehört zu ihrem Alltag. Besonders häufig begleitet sie Schwindel. Bei Hitze werde dieser stärker. «Diesen Sommer war es besonders schwierig für mich», sagt die Zürcherin. Hinzu kommt Fatigue, eine schwere, krankheitsbedingte Erschöpfung. Wie stark sie ihren Alltag bestimmen kann, zeigt sich manchmal bei den kleinsten Dingen: «Ich kann zwölf Stunden schlafen, aufstehen, nur kurz in die Küche gehen, um ein Glas mit Wasser aufzufüllen, und muss danach wieder eine Stunde schlafen.»

Früher war Tara viel unterwegs, traf Freundinnen und Freunde oder ging in den Club. Heute trinkt sie keinen Alkohol mehr und kann nicht arbeiten. Situationen, die ihren Körper stark belasten können, versucht sie zu vermeiden – etwa enge Räume, grosse Menschenmengen oder starken Stress. Wenn sie ausgeht, wählt sie Orte, an denen sie sich sicher fühlt oder Menschen kennt, die über ihre Diagnose Bescheid wissen.

Nicht alles geht noch so wie früher. Doch Tara möchte selbst entscheiden, was sie sich zutraut – und was nicht. «Ich mag es nicht, wenn Leute mich gar nicht erst fragen, ob ich irgendwohin mitkommen will.» Vielleicht könne sie nur eine halbe Stunde bleiben oder nur bei einem Teil dabei sein. Das sei für sie in Ordnung. «Aber ich möchte das selbst entscheiden.»

Aus Angst wird der Wunsch, anderen zu helfen

Als Tara die Diagnose erhielt, wusste sie kaum etwas über MS. Die Informationen über die Krankheit überforderten sie zunächst. Nach rund einem Monat begann sie, selbst im Internet und auf Social Media zu suchen. Was sie dort fand, machte ihr teilweise noch mehr Angst. «Ich sah vor allem Videos von Menschen, die nicht mehr laufen oder sprechen konnten. Und fragte mich: Erwartet mich das auch?»

Mit der Zeit begann sie, sich intensiver mit MS auseinanderzusetzen. Heute eignet sie sich Wissen über die Krankheit und verschiedene Ansätze im Umgang damit an und tauscht sich mit anderen Betroffenen aus. Dabei wurde ihr vor allem eines klar: Eine einfache Antwort darauf, wie ein Leben mit MS aussieht, gibt es nicht. «Viele suchen nach Antworten, nach einem schlauen Umgang mit der Krankheit, bekommen aber nie wirklich eine Antwort. Diese Krankheit hat Tausende Gesichter.»

Auch deshalb teilt Tara heute ihre Erfahrungen auf Social Media. Sie will zeigen, wie ihr Alltag mit MS tatsächlich aussieht, und anderen Betroffenen signalisieren, dass sie mit ihren Fragen und ihrer Unsicherheit nicht allein sind. «Ich will vor allem eines geben: Mut. Diese Krankheit ist Teil meines Lebens, sie ist aber nicht mein Leben.»

Ihre Botschaft an Menschen, die merken, dass etwas mit ihrem Körper nicht stimmt, ist klar: Sie sollen Fragen stellen, Antworten einfordern und sich nicht als Belastung wahrnehmen. «Die meisten Menschen haben ein gutes Körpergefühl und merken, wenn etwas nicht normal ist», sagt Tara. Sich Hilfe zu holen, sei kein Zeichen von Schwäche: «Man ist nicht weniger krass, wenn man sich Hilfe holt, als wenn man versucht, etwas auszuhalten, das einen kaputt macht.»

Lynn Sachs

Lynn Sachs (sac) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin des Ressorts News.

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