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Thursday, September 24, 2026

Batteriespeicher-Boom in Bulgarien

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Auf Dächern und an Balkonen in Bulgarien sieht man nur selten Solarmodule. Dafür wird Solarenergie auf Feldern, Wiesen und Industriebrachen gewonnen. Seit den 2020er-Jahren entstehen immer mehr Solarparks. Um den Strom nicht abregeln zu müssen, wenn die Sonne intensiv scheint, wurden ab 2024 verstärkt Batteriespeicher installiert. 2025 war Bulgarien laut dem Branchenverband Solar Power Europe schon unter den europäischen Top fünf, wenn es um Batteriespeicherkapazität geht - hinter Deutschland, Großbritannien, Italien und der Ukraine.

Bulgarien verfüge über gut 14,7 GWh (Gigawattstunden) Batteriekapazität, so eine Recherche der bulgarischen Wirtschaftszeitung Capital. Damit sind die Jahresprognosen von Solar Power Europe für Batteriespeicher in diesem Sommer bereits übertroffen. Bis Ende des Jahres erwartet Nikola Gazdov, Vorsitzender der bulgarischen Energiehersteller- und Händlervereinigung APSTE, den Ausbau auf bis zu 20 GWh.

Zum Vergleich: Deutschland hat insgesamt gut 32 GWh, so die Battery Charts der RWTH Aachen. Von denen stehen die meisten jedoch in Privathaushalten, nur gut 7,35 GWh Großbatterien sind aktuell in Betrieb.

Bulgarien Nova Zagora | Einer der größten Batteriespeicher des Landes
Einer der größten Batteriespeicher Bulgariens in Nova ZagoraBild: Sunotec

Privates Kapital war ein wichtiger Treiber

Der bulgarische Boom wurde vom Corona-Wiederaufbaufonds "Next Generation EU" angeschoben, ist zum größeren Teil aber privat finanziert. Mit den EU-Mitteln legte das bulgarische Energieministerium das Programm RESTORE auf und förderte 113 Projekte mit 700 Millionen Euro. Das mobilisierte mehr als zwei Milliarden Euro an Privatkapital, berechnete das bulgarische Wirtschaftsmagazin Capital.

Nikola Gazdov spricht sogar von sieben Milliarden Euro samt Infrastruktur: Die Investoren kümmern sich, anders als in vielen Ländern, auch um den Netzanschluss, bauen Leitungen und Umspannwerke.

Das Geschäftsmodell ist simpel: Tagsüber Energie billig einkaufen, abends teuer verkaufen. Laut Capital kostet das Laden im Schnitt 39 Euro pro Megawattstunde, das Entladen bringt 161 Euro. "Ein 150-MW-Speicher generiert bis zu 70.000 Euro pro Tag. Die Investition amortisiert sich in drei Jahren, die Lebensdauer beträgt 20 Jahre - eine Rendite, die ihresgleichen sucht", sagt Martin Vladimirov, Energieexperte vom Center for the Study of Democracy (CSD).

Es sei die größte konzentrierte Investition der letzten 30 Jahre, von der eine kleine Wirtschaftselite profitiere. "Aber sie trägt das unternehmerische Risiko, und bisher zahlt es sich aus." Die Entwicklung treibe aber auch die Energiewende voran und lasse die Verbraucher profitieren. Die Speicher ermöglichen den günstigen Sonnenstrom zwei bis vier Stunden später am Tag zu nutzen, wenn viele Klimaanlagen und Haushaltsgeräte laufen.

Bulgarien Malko Tarnovo 2025 | Luftaufnahme einer Solaranlage im Solarpark bei Burgas
In Bulgarien liefern Solarparks manchmal mehr Strom, als aktuell verbraucht werden kannBild: imageBROKER/Nikola Spasov/imagebroker/IMAGO

Stromimport und -export dank Batteriespeichern

In den sozialen Medien monieren viele, dass sie keinen Unterschied im Portemonnaie spürten, Boom hin oder her. Allerdings haben Privathaushalte staatlich festgelegte Fixpreise. Industrieunternehmen hingegen kaufen Strom auf dem freien Markt und zahlen zehn bis 15 Prozent weniger pro Kilowattstunde als in Nachbarländern, so APSTE.

Während Rumänien und Ungarn wegen der Dürre zwischenzeitlich ihre Atomkraftwerke herunterfahren mussten, konnte Bulgarien Energieüberschüsse exportieren und stabilisierte die Netze dank eines funktionierenden regionalen Verbunds. Bulgarische Speicher nehmen auch rumänischen und griechischen Solarstrom auf, um ihn bei Bedarf den Nachbarn teurer zurückzugeben.

Rumänien Cernavoda 2026 | Kernkraftwerk Cernavoda muss Reaktor wegen Donau-Niedrigwasser abschalten
In Rumänien musste wegen des niedrigen Wasserstands der Donau im Sommer das Kernkraftwerk Cernavoda abgeschaltet werdenBild: Andreea Alexandru/AP Photo/picture alliance

Die hohe Rendite erklärt den Rekordzuwachs nur zum Teil. Nikola Gazdov, der auch Vorstandsmitglied von Solar Power Europe ist, weiß: "Wegen der Sonnenenergie und Windkraft rutschen die Strombörsenpreise fast überall in Europa häufiger auf null oder ins Minus". Doch in anderen Ländern würden Genehmigungen für Batteriespeicheranlagen viel länger dauern, während sie in Bulgarien schnell erteilt würden und große Anlagen schnell errichtet und angeschlossen werden könnten. Von der Planung bis zum ersten Be- und Entladezyklus dauere es maximal 18 Monaten, so Gazdov.

Fast alle Batteriezellen sind aus China

Die Integration der vielen neuen Anlagen sei eine Herausforderung für das Netz, führe aber auch zu Modernisierungen und dem Bau von neuen Leitungen, sagt Gazdov. Der CSD-Energieexperte Vladimirov ergänzt: Im bulgarischen Stromnetz gebe es keine Engpässe. Historisch bedingt sei es eher überdimensioniert. Vor der Wende versorgte es die Schwerindustrie, die inzwischen weitgehend verschwunden ist. Obwohl die Wirtschaft seit 15 Jahren wächst, liege der Energiebedarf unter dem früheren Niveau.

Bulgarien Pernik | PV-Park mit Speicher auf Industriebrache
Solarpark in Bulgarien mit angeschlossener BatteriespeicheranlageBild: Sunotec

Hauptsächlich europäische Unternehmen bauen und betreiben die Speicher. Die bislang größte Anlage mit 650 MWh (Megawattstunden) Kapazität in Nova Zagora ist ein Gemeinschaftsprojekt des österreichischen Spezialisten für erneuerbare Energieanlagen Enery und des deutsch-bulgarischen Photovoltaik- und Speicherprojektentwickler Sunotec. Ein chinesisches Unternehmen, Sungrow, lieferte dafür die Lithium-Batterien. Fast alle in Bulgarien eingesetzten Batterien werden aus Asien importiert. "Sie haben nun einmal das beste Preis-Leistungsverhältnis", sagt Gazdov. Direktinvestitionen aus China gebe es dagegen kaum.

Bulgarische Gigafactory produziert Speichersysteme

"Wir geben EU-Mittel aus und erhöhen damit gleichzeitig unsere Abhängigkeit von China", kritisiert Martin Vladimirov vom Center for the Study of Democracy. "Ob in den Wechselrichtern heikle Komponenten stecken, ist ebenfalls unklar." Immerhin blieben Steuerung und Software in bulgarischer Hand. Der Energieexperte erwartet, dass bei EU-Zuschüssen künftig Hersteller aus Europa bevorzugt werden sollen.

Batteriefabriken in Europa: Aufholjagd gegen China

Eine Alternative gibt es direkt um die Ecke. Seit Ende 2025 produziert die bulgarische Firma IPS (International Power Supply) nahe Sofia Großbatterien und Wechselrichter. Die Gigafactory entstand nach Unternehmensangaben in sieben Monaten ohne Subventionen und wurde von der EU als strategisch wichtiger Zulieferer eingestuft. Bis 2027 will IPS jährlich 15 GWh Speichersysteme herstellen. Allerdings werden dafür ebenfalls Batteriezellen aus Fernost benötigt, heißt es bei Balkan Green Energy News.

Marktsättigung (noch nicht) in Sicht

Das RESTORE-Förderprogramm lief Ende Juli aus. Ob der Boom bei Batteriespeicheranlagen weiter anhält, bleibt offen: Die Projekt-Pipeline ist jedenfalls noch voll. Martin Vladimirov sieht eine Marktsättigung voraus. Je mehr Batterien ans Netz gehen, desto geringer sind die Erlöse pro Batterie. Und je weniger die Kohlekraftwerke zum Strommix künftig beitragen, desto günstiger wird Energie, so CSD-Energieexperte.

Eine gewisse Preisdifferenz beim Strom zwischen Mittag und Abend bleibt zwar bestehen, sei aber keine Goldgrube mehr. Künftig könnten Speicherbetreiber allerdings Geld für die Netzstabilisierung bekommen.

Batteriespeicher für die Energiewende

Während Bulgarien weiter die Solarenergie ausbaut, stagniert die Windkraft seit langem. An sonnenarmen Tagen gibt es also kaum Stromüberschüsse, die man billig kaufen und speichern kann.

Nikola Gazdov sieht trotzdem noch Luft nach oben. "Eine Sättigung wird erst eintreten, wenn die Nachbarländer ähnlich kräftig Batterien zubauen", glaubt der Unternehmer. "Südosteuropa ist aktuell ein Labor dafür." Für Bulgarien sei es eine neue Erfahrung, Vorreiter zu sein.

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