Minister drängte SPD zu Protest: Pistorius: "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte"

Minister drängte SPD zu ProtestPistorius: "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte"
07.10.2026, 13:47 Uhr

Die SPD-Fraktion versammelt sich am Dienstagabend in Berlin, um gegen die Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten ein Zeichen zu setzen. Der Vorschlag kam offenbar von Boris Pistorius, der zuvor in der Fraktionssitzung vor Wut nur so schäumte.
Die öffentliche Reaktion der SPD auf die Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt geht nach "Stern"-Informationen maßgeblich auf Verteidigungsminister Boris Pistorius zurück. In der Fraktionssitzung am Dienstagabend drängte Pistorius demnach auf ein deutliches Zeichen - und fand dafür drastische Worte.
"Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte", wird Pistorius von Teilnehmern der Sitzung zitiert. Der Satz wird dem Maler Max Liebermann zugeschrieben und soll von ihm am Tag der nationalsozialistischen Machtergreifung am 30. Januar 1933 geäußert worden sein.
Zuvor hatten Fraktionschef Matthias Miersch und Parteichef Lars Klingbeil nach Angaben von Teilnehmern angekündigt, das Thema im Koalitionsausschuss mit der Union am heutigen Mittwochabend ansprechen zu wollen. Hintergrund ist der Verdacht der SPD, dass bei der Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten auch CDU-Abgeordnete für ihn gestimmt haben könnten.
Pistorius schlug daraufhin in Absprache mit Justizministerin Stefanie Hubig vor, an einen besonders symbolträchtigen Ort zu gehen: "Lasst uns zum Ort der Bücherverbrennung gehen", sagte er demnach mit Blick auf den Bebelplatz in Berlin-Mitte. Miersch stimmte dem Vorschlag zu. Dort versammelte sich die SPD-Fraktion zu ihrer Kundgebung.
"Das, was wir heute erlebt haben, ist ein einzigartiger Tabubruch der parlamentarischen Demokratie, den wir in dieser Form seit mehr als 90 Jahren nicht erlebt haben", sagte Pistorius. "Demokratinnen und Demokraten haben Rechtsextremisten und Faschisten als Steigbügelhalter gedient." Auf diesen Tabubruch könne niemand zur Tagesordnung übergehen.
Pistorius äußerte seine Wut darüber, dass "Demokratinnen und Demokraten offenbar nichts gelernt haben aus der Geschichte". "Wer das zugelassen hat, hat sich an der Demokratie unseres großartigen Landes vergangen." Anschließend überraschte er die anwesende Presse und Parteimitglieder, als er aus Protest die Nationalhymne anstimmt.
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