„Michelangelus“: Auf Michelangelos Handschrift basierender Font veröffentlicht
Ein italienisches Designstudio hat im Auftrag der Dombauhütte des Petersdoms eine Schriftart auf Basis der Handschrift von Michelangelo entworfen, die für den Einsatz in Microsofts 365 gedacht ist, aber auch zur freien Verwendung online gestellt wurde. Das hat die sogenannte Fabbrica di San Pietro jetzt mitgeteilt, sie ist hauptsächlich zuständig für die Erhaltung des Petersdoms im Vatikan. Die Schriftart trägt den Namen „Michelangelus“, ihre Veröffentlichung ist Teil der Feierlichkeiten zum 400. Jahrestag der Weihe der bekanntesten Kirche der katholischen Christenheit. Michelangelo Buonarroti war einer der wichtigsten an ihrem Bau beteiligten Künstler.
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Grundlage für die insgesamt vier Font-Dateien (normal, kursiv, fett und fett-kursiv) war der Bekanntmachung zufolge die „kühne, ausdrucksstarke Handschrift“ des Renaissance-Künstlers. Es handle sich jedoch nicht um eine bloße digitale Reproduktion, man habe nicht einfach nur den Stil und die Kalligrafie Michelangelos kopieren wollen. Stattdessen soll in der Schriftart „eine visuelle Logik“ erkennbar gemacht werden, „ein System aus Proportionen, Rhythmus und Harmonie, das vom Auge des Künstlers bestimmt wird“. Das habe man in ein zeitgenössisches System übertragen, erklären die Verantwortlichen.
Die Schriftart umfasst demnach über 500 Glyphen und soll gedruckt sowie digital lesbar sein. Bei dem für die Herstellung verantwortlichen Designstudio gibt es zudem eine Vorschau auf dutzende Ligaturen, Sonderzeichen und verschiedene Symbole – darunter mehrere unterschiedliche Kreuze. Die Schriftart soll vor allem die Anforderungen von Microsoft 365 erfüllen. Bei Microsoft kann sie auch bereits heruntergeladen werden. In den Produkten des US-Konzerns soll sie aber laut Microsoft erst gegen Jahresende auftauchen und dann etwa in Word, PowerPoint und Excel ausgewählt werden können. Wer nicht so lange warten will, kann sie jetzt aber einfach direkt installieren und dann auch in diesen Anwendungen nutzen.
Michelangelo (1475 – 1564) wurde im Jahr 1508 vom damaligen Papst Julius II. mit der Ausmalung der Decke der Sixtinischen Kapelle beauftragt. Später übernahm er die architektonische Leitung des Petersdoms. Er entwarf die Grundzüge der gewaltigen Kuppel, die nach seinem Tod von anderen Baumeistern vollendet wurde. Seine weltberühmte Pietà hatte er da längst geschaffen, sie kann heute in der Kirche bewundert werden. Michelangelos Handschrift weist laut der Dombauhütte eine „starke Spannung zwischen Energie und Kontrolle“ auf. Das zeige sich in der Dichte der Formen, im Wechsel zwischen Beschleunigungen und Pausen im Schreibfluss, in der Stärke der Linien, im Verhältnis zwischen Kurven und Winkeln und vor allem seiner Fähigkeit, Leerraum zu organisieren, hieß es.
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